Vom Gartenfest zum Großereignis

Das „Hirschbergler“ – Eine Institution

Von Rose Beyer

Das Hirschbergler-Waldfest steht vor der Tür. Am Sonntag, den 30. Juni, ist es so weit. Dann wechseln Hendl, Bier und Tombolagewinne die Besitzer. Bis vor ein paar Jahren war das Waldfest traditionell jenes, das die Feiersaison am letzten Sonntag im Juni eröffnen durfte.

Jetzt sind meist andere vor dem Trachtenverein an der Wallbergstraße an der Reihe. Doch das tut der Feierlaune keinen Abbruch. Bereits seit 1908 feiern die Hirschbergler ihr sommerliches Fest.

Die Reitrainer Hütte im Jahr 1908

Vor über hundert Jahren war das Waldfest noch in Reitrain ‒ neben dem „Bichlwirt“ ‒ beheimatet. Das Gründungsfest des Trachtenvereins im August 1907 gab den 20 Mitgliedern rund um Vorstand Valentin Max Anlass zur Überlegung, den Wirtsgarten mit Vereinshütte und Tanzbühne zur Location für ein jährliches Gartenfest zu machen. Bereits ein Jahr später ‒ am 29. August ‒ wurde bei schönstem Wetter ein erfolgreiches Gartenfest zelebriert.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 traf man sich jedes Jahr im Sommer zum fröhlichen Gartenfest. Seltsamerweise spielte jedes Jahr das Wetter mit, sodass eine Verschiebung unnötig war. Als Volksbelustigung gab es tagsüber lustige Spiele wie Scheiben- oder Fischstechen, Preiskegeln, Schubkarrenrennen, Eierlaufen, Sackhüpfen und Stelzengehen. Abends fand dann eine Preisverteilung statt.

Die Jahre 1912 und 1913 bildeten eine Ausnahme. Einmal wurde das Gaufest der Oberlandler mit dem Gartenfest gemeinsam begangen. Im zweiten Jahr bildete es den Rahmen für die festliche Fahnenenthüllung.

Sieben Jahre Pause

Der Erste Weltkrieg bedingte eine Zwangspause für das Fest. Doch am 8. August 1920 packten die Hirschbergler wieder an und hatten bis ins Jahr 1932 jedes Jahr ihr Gartenfest.

Das Fest entwickelte sich zu einem Ereignis mit wachsendem Erfolg. Dabei ließen sich die Veranstalter auch Neues einfallen, wie sie die Besucher unterhalten wollten. 1924 beispielsweise brannte man am Vorabend ein Bergfeuer ab. 1925 gab es erstmals eine Schießbude, eine zweite Tanzbühne sowie einen Glückshafen ‒ heute auch „Tombola“ genannt.

Bühnenauftritt der Aktiven im Jahr 1964

Damals scheint es laut 100-jähriger Vereinschronik noch eine Abzweigung des Vereins ‒ die sogenannten Wiessee-Abwinkler-Hirschbergler ‒ gegeben zu haben, die ihr Gartenfest beim Sapplkeller in Abwinkl abhielten. Die Reitrainer Gartenfeste wurden in den 30er-Jahren ‒ aus politischen Gründen ‒ von der sogenannten Schärfener Zech organisiert. Erst am 29. Juli 1939, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, konnte der Verein wieder selbst als Veranstalter auftreten.

Nach der erneuten Pause gab es ab Sommer 1946 dann wieder das gewohnte Gartenfest in Reitrain. Nur im Jahr 1947 musste man pausieren ‒ wegen der Lebensmittelknappheit. Aus den „Wiessee-Abwinkler-Hirschberglern“ war inzwischen ein eigener Trachtenverein geworden. Jetzt spielte auch das Wetter nicht mehr so mit ‒ 1950, 1953, 1957 und 1961 musste das Fest abgesagt werden. Das war nicht nur schade, sondern auch schlecht für die Kasse: 1961 schloss der Verein diese mit einem Minus von 118 DM ab.

Neues Festgelände eröffnet

Als Anfang der 70er-Jahre dann das neue Vereinsheim an der Wallbergstraße ‒ nach 2.273 unentgeltlichen Arbeitsstunden ‒ fertig wurde, war die Freude bei dem inzwischen stark gewachsenen Verein groß. Die Reitrainer Hütte war doch etwas zu eng geworden. Somit wechselte auch das Gartenfest seinen Standort.

Am 4. Juli 1971 eröffnete die Rottacher Blaskapelle unter Sepp Kandlinger das neue Festgelände. Über hundert freiwillige Helfer sorgten sich um das Wohl von mehreren Tausend Gästen.

Jugendgruppe im Jahr 1976

Noch heute gilt das Waldfest des über hundertjährigen Trachtenvereins als Institution. Wenn das Wetter mitspielt, kann es am Sonntag, den 30. Juni, ab 10 Uhr losgehen am Vereinsheim an der Wallbergstraße.

Alle Fotos: Chronik „100 Jahre Gebirgstrachtenerhaltungsverein D’Hirschbergler Reitrain“


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