Krankenhaus Agatharied:
Das verlorene Lachen kehrt zurück

von Sabiene Hemkes

Ein lautes Lachen hallt durch die Flure von Agatharied. Ein Zweites, Drittes stimmt ein. Nach zweieinhalb Jahren der harten Pandemie-Beschränkungen noch ungewohnte, doch sehr willkommene Laute in den langen Fluren des Kreiskrankenhauses. Finden auch Lupino und Kathi.

Die Klinik-Clowns sind wieder unterwegs – Kathi Strophe und Lupino Valentino vor dem Kreiskrankenhaus in Agatharied/ Quelle: Redaktion

Vor ein paar Tagen haben Prof. h.c. Dr. Lupino Valentino und Dr. Kathi Strophe den Patienten im Krankenhaus in Agatharied einen Besuch abgestattet. Das Fachgebiet der beiden Spezial-Mediziner ist das Lachen. Besser gesagt sehen sie es als ihre Aufgabe an, ein Lächeln auf das Gesicht ihrer großen und kleinen Patienten zu zaubern. Ihre Instrumente, immer griffbereit, bunte Luftballons, rote Nasen, Gesang, dass Geschichten berichten, ein mitreißendes Lachen, dem sich keiner entziehen mag und das Gespür für die passende Aktion im richtigen Moment.

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Auch wenn beide “Mediziner” ausgebildete Clown-Künstler mit großer Bühnenerfahrung sind, befähigt sie erst die langjährige Erfahrung, Supervisionen und Workshops zu ihrer Arbeit mit kranken und alten Menschen. Lupino und Kathie sind zwei von insgesamt 69 Clowns, die aktuell wieder bayernweit im Auftrag des Vereins KlinikClowns Bayern e.V. unterwegs sind. Seit 1998 organisiert der Verein “Visiten” professioneller Clowns in Kinderkrankenhäusern und Seniorenheimen sowie auch Einrichtungen für behinderte Menschen, auf geriatrischen und gerontopsychiatrischen Klinikstationen, Stationen für schwerkranke erwachsene Patienten und Palliativstationen und in Hospizen durch.

Clowns und Patienten haben sich in den Lockdowns vermisst

Lupino, der im wirklichen Leben Luitpold Klassen heißt, liebt seine Einsätze ebenso sehr wie die Österreicherin Sascha Schett, die in Miesbach an seiner Seite zu Kathie Strophe wird. In Miesbach haben die beiden die Patienten mit Ballon-Modelagen und allerlei gemeinsamen Schabernack aus dem tristen Krankenhaus-Alltag entführt, wie sie der TS auf dem Krankenhausvorplatz bei einer Pause berichten. Immer noch im Clown Modus erschafft Lupino für Passanten weiß rote Herzblumen. Die vorbeilaufenden Besucher in Agatharied freut’s offensichtlich. Als Kate anfängt, von ihrer heutigen Visite anfängt zu berichten, leuchten auch ihre Augen hinter all der Schminke auf:

Es hat so viel Spaß gemacht. Nach der langen Coronapause haben wir richtig merken können, wie sehr uns die Patienten vermisst haben.

Aber nicht nur die. Auch für die Mitarbeiter im Krankenhaus bedeutet die Anwesenheit der KlinikClowns nach der langen pandemiebedingten Pause eine kleine Rückkehr zur Normalität. Allerdings ist Corona noch omnipräsent in den Fluren des Kreiskrankenhauses, wie die aktuellen Belegungszahlen leider immer noch belegen. Lupino, der wieder jeder andere Künstler unter den Lockdowns und den Auftrittsverboten nicht nur finanziell gelitten hat, ist ebenfalls hocherfreut über die nun wieder mögliche Rückkehr zu seinen “besten und treuesten Zuschauern”.

Trotz Demenz großer Spaß mit den KlinikClowns

Nach seinem schönsten Moment heute im Krankenhaus befragt, berichtet der rotnasige KlinikClown, von einem Mann, der in einem Zimmer ganz abwesend in seinem Bett am Fenster lag. Die begleitende Pflegerin habe ihnen erklärt, der Patient sei bedauerlicherweise schwer dement. Da sei es wohl nicht nötig hinzugehen.

Doch ebendieser ältere Mann war unser absolutes Highlight der Visite. Als wir ihn uns von ihm verabschiedeten, hatte er ein wirklich glückliches Lächeln auf dem Gesicht.

Genau so ein Strahlen wahrscheinlich, wie es bei Lupino beim Erzählen der Geschichte unter seiner Clownsmaske hervorblitzt. Kathie bestätigt, dass entgegen der weitläufigen Annahme gerade Menschen, die sich anscheinend aus der Realität verabschiedet haben, besonders gut von der Ansprache der Clowns erreicht werden können. Eine Beobachtung, die auch von Experten geteilt wird. Hans Kopp, Referent für stationäre Altenhilfe bei der Arbeiterwohlfahrt München, sagt zum Beispiel: “Es zeigt sich, dass Demenzkranke, die sonst kaum soziale Reaktionen zeigen, im Umgang mit den Clowns neue Kraft zu kommunizieren finden.” Der Besuch der KlinikClowns biete den Bewohnern oft eine seltene Flucht aus ihrem Alltag an. Die, so Kopp, sehr gern auch angenommen werde.

Der Verein KlinikClowns Bayern e.V. und auch die 2022 neu gegründete Stiftung Lachen Schenken-KlinikClowns freuen sich über unsere Unterstützung. Seien es Spenden oder eine Patenschaft – Menschen etwas glücklicher zu machen, erschafft immer für beide Seiten besondere Momente.

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