Über die Wallfahrtskapelle Nüchternbrunn und ihre Geschichte
Das Wunder vom Taubenberg

von Katharina Fitz

Heilkräfte werden der Quelle in Nüchternbrunn am Taubenberg nachgesagt. Ob das wirklich zutrifft, weiß niemand so genau. Anders die Geschichte der kleinen Kapelle und Eremitenklause: Dort sind schon Wunder geschehen.

Die Wallfahrtskirche und ehemalige Eremitenklause Nüchternbrunn
Die Wallfahrtskirche und ehemalige Eremitenklause Nüchternbrunn

Verträumt thront sie auf einer Lichtung mitten im Taubenberg-Gebiet: Die Wallfahrtskapelle Nüchternbrunn. Zahlreiche Wege führen, teils auf Umwegen, dorthin. Die kürzeste Strecke beginnt am Osterwarngauer Badeweiher. Gelbe Wegweiser leiten nach rechts den Berg hinauf. Nach rund 30 Minuten zweigt ein enger, abschüssiger Pfad nach links ab. Bald danach steht man vor der Kapelle mit der daneben stehenden ehemaligen Eremitenklause und dem Heil-Brunnen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Nüchternbrunn im 17. Jahrhundert. Im Münchner Kreisarchiv findet sich eine Anmerkung zu einer hölzernen Klause, die dort anstelle der heutigen steinernen Kapelle gestanden haben soll. Die Quelle, der sogenannte „Niederbrunnen“ ist älter: Die Fassung war so angebracht, dass das Wasser aus den Wundmalen eines Bildnisses des gekreuzigten Heilands floss. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde dem Wasser wohl seit Jahrhunderten heilende Wirkung nachgesagt – speziell bei Augenleiden.

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Per falscher Aussprache zum Namen

Um 1710 erhielt der damalige Probst des Klosters Weyarn die Erlaubnis, in der Nähe der ursprünglichen Eremitenbehausung eine neue Klause mit Kapelle zu errichten. Aus dem einstigen Namen „Niederpronnen“ entstand durch falsche Aussprache mit der Zeit die heutige Bezeichnung „Nüchternbrunn“.

So sah die Kapelle vor rund 100 Jahren aus
So sah die Kapelle vor rund 100 Jahren aus

Kapelle und Klause wurden aus Tuffstein aus dem nahen Mühltal erbaut. Eine Besonderheit stellte schon damals das lebensgroße Gnadenbild, die „Pieta“, dar. Dieses Kunstwerk ziert bis heute den Altarraum.

Circa fünfzig Jahre später zerstörte ein Brand die Anlage. Lediglich die Pieta konnte unbeschadet gerettet werden. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wechselte die Kapelle mehrfach den Besitzer und wurde nach und nach verschönert. 1852 zog auch wieder ein Eremit in die Nüchternbrunner Klause ein.

Kein Eremit seit 50 Jahren

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, 1940, brannten Klause und Kapelle ein weiteres Mal bis auf die Grundmauern nieder. Doch wie durch ein Wunder blieb auch dieses Mal das Madonnenbildnis unversehrt. Die Nazi-Regierung verbot zunächst den Wiederaufbau, 1946 war es dann aber soweit: Kirche und Klause erstrahlten in neuem Glanz. Die Einweihung vollzog damals der Münchner Kardinal Michael Faulhaber.

Wie durch ein Wunder überstand das Gnadenbild zwei verheerende Brände/ Quelle: A.Engl
Wie durch ein Wunder überstand das Gnadenbild zwei verheerende Brände/ Quelle: A.Engl

In den sechziger Jahren waren schließlich auch die Tage des Eremitendaseins in Nüchternbrunn gezählt. Seit dem Tod des letzten Klausners steht die einfache Behausung seit 50 Jahren leer. „Eine Klosterschwester hat mal g‘fragt, ob sie in der Klause einziehen kann“, erzählt der Warngauer Heimatforscher Albert Engl, „aber für eine alleinstehende Frau ist es da oben zu einsam“.

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