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Eine Polemik zur Misere der Bayerischen Oberlandbahn

Das wundersame Schweigen der BOB

Von Daniela Otto

Zugegeben, die BOB hat es schwer. Selbst wenn die Bahn Moosrain hinter sich gelassen hat, kommt sie aus dem Jammertal nicht raus. Doch was soll man tun, wenn die Züge ein Klump sind? Eben. Man könnte langsam fast Mitleid haben. Wäre da nicht noch so eine Sache, für die sich schwer Verständnis aufbringen lässt: Die BOB schweigt schon mal. Auch wenn man gerne wüsste, warum sie wieder Verspätung hat.

Die Fahrgäste der BOB, wie hier am Holzkirchner Bahnhof, hatten in letzter Zeit wenig zu lachen.
Die Fahrgäste der BOB, wie hier am Holzkirchner Bahnhof, hatten in letzter Zeit wenig zu lachen.

Eine Polemik von Daniela Otto
Emails gehören zum Redaktionsalltag dazu. Teaminterne Besprechungen, Hinweise von den Gemeinden, Einladungen zu Presseterminen, Polizeimeldungen – es wird nicht langweilig im “Stimme“-Postfach. Und schon gar nicht, wenn uns Leserbriefe erreichen, die, sagen wir mal so, manche krude Alltagssituation recht gut treffen. So wie diese Woche, als uns ein Leser schreibt:

Ich bin ja geduldiger, entspannter Bobfahrer, den weder Eis noch Schnee aus der Ruhe bringen …Verspätungen unter zehn Minuten nehmen ich schon nicht mehr wahr. So viel Spaß für 216 Euro im Monat lasse ich mir ungern nehmen von kaputten Klimaanlagen etc. Montag Abend aber neuer „Zeit ohne Durchsage-Rekord“.

Die “Stimme“ gibt es im Tegernseer Tal und in Holzkirchen und wer von uns Journalisten gerade kein Auto hat, der wagt schon mal etwas, das sich inzwischen getrost als Abenteuer bezeichnen lässt: Er steigt zur Distanzüberbrückung in die BOB. Das haben wir mit vielen unserer Leser gemein.

Technik hat einen eigenen Kopf

Es ergibt sich daraus so etwas wie einen Sender-und-Empfänger-übergreifenden Leidenspool. Pünktlich zur Konferenz? Kann schon mal schiefgehen. Aber ok. Man gewöhnt sich an alles. Und auch Chefs zeigen dafür Verständnis – gegen höhere Gewalt lässt sich halt nichts machen.

Zugegeben, wir wollen nicht nachtreten. Nicht unfair sein. Die BOB hat es schwer. Ob jetzt die Kupplungen oder die Fahrplanänderung, irgendwas stimmt einfach nicht mit der oberländischen Zug-Technik. Und jeder, der bei einem Referat oder einer Präsentation schon einmal auf Powerpoint vertraut hat und kläglich enttäuscht wurde, der weiß: Technik hat halt einen ganz eigenen Kopf.

Doch selbst wenn man die Bayerische Oberlandbahn in all ihrer – man könnte fast sagen – versagensdominierten Schrulligkeit – ein klein wenig liebgewonnen hat, so wie man vielleicht ein motorisch nicht ganz so geschicktes Kind ins Herz schließt, das auch wirklich jedes Honigglas zerdeppert, das man ihm in die Hand gibt, hört das Verständnis an einem Punkt auf: Nämlich dort, wo der Fahrgast nicht mehr mitgenommen wird. Und zwar nicht im Sinne eines körperlichen Transports. Sondern einer aufklärenden Information.

Schweigen ist nicht immer Gold

Denn wenn der Zug schon Verspätung hat, wüsste man gerne warum. So auch unser Leser, der seine letzte Fahrt von München ins Oberland für uns protokolliert hat:

21.15 Abfahrt München Hauptbahnhof (schon zehn Minuten später – ohne Kommentar), dann 20 Minuten „spontaner Halt“ im Hofoldinger Forst, dann 15 min in Deisenhofen, dann Schleichfahrt nach Holzkirchen – ohne ein Wort, ohne eine Durchsage.

Kein Zugbegleiter, kein Lokführer, nur Stille.

22.17 statt 21.35! Ankunft Holzkirchen – macht 42 Minuten Verspätung.
Nebenbei haben die Fahrgäste nach Rosenheim ihren letzten Meridian verpasst.

22.20 – wir stehen immer noch in Holzkirchen, keine Durchsage. Frage mal den Lokführer, könnte ja sein, dass in Schliersee ein Atomkraftwerk explodiert ist oder ähnlich Schlimmes. Lokführer schweigt, ignoriert mich ungeschickt.

22.25 inzwischen 50 Minuten Verspätung. Sie lebt, die Bob lebt. Eine Durchsage. „Meine Damen und Herren, wir warten noch weitere 10 Minuten auf den Gegenzug!“ Das war es …. Schade, wieder eine Chance verpasst….auch wenn der Adler schneller gewesen wäre als die Bob heute!

22.28 – ob wir die Stunde Verspätung allein in Holzkirchen schaffen? Erste Wetten werden im Zug gemacht. Nur 4 Inder sind entspannt, offenbar fahren die Lokalzüge in der Megacity Bombay noch unregelmäßiger. Und es gibt in der Bob keiner Hühner..

22.31 Mist, Wette verloren, knapp die Stunde verpasst.

22.40 Schaftlach – netto Verspätung 55 Minuten. Habe mit meinem Leidensgenossen ein neues Business Modell für die Bob entwickelt. Titel: „Entdeckung der Langsamkeit – entschleunigen Sie für 216 Euro im Monat Ihr Leben! Jeden Tag aufs Neue!“

22.43 Abfahrt Schaftlach – wenn ich Glück habe, bin ich in 5 Minuten in Moosrain. Frage mich gerade, wie die Bob eigentlich Prozentrechnung betreibt. Bei einer normalen Fahrzeit München Moosrain sind es 49 Minuten. Jetzt 1 Stunde 45 Minuten. Rechne jetzt nicht, bin müde. Aber die Herren von der Bob kommen sicher auch wieder auf 93 Prozent Pünktlichkeit.

22.49 Moosrain – 55 Minuten Verspätung

Danke Bob für diesen wunderbaren Abend!

Der Dialog – ein Weg zum besseren Image

Das Schweigen der BOB ist etwas, das sich nur schwer verstehen lässt. Verspätungen sind das eine. Eine desaströse Informationspolitik das andere. Die Bayerische Oberlandbahn kämpft gegen ihr schlechtes Image wie gegen Windmühlen.

Dabei ließe sich ein erster Schritt in Richtung Besserung relativ leicht gehen: Einfach mal den Mund aufmachen. Sich nicht nur vor dem Kreisrat verteidigen, sondern den Dialog mit jenen suchen, die ihn nicht nur wünschen, sondern denen er schlichtweg zusteht: den Reisenden.

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