Das Zelt Gottes weicht dem Kegel

Seit fast zweieinhalb Jahren umgeben Bauzäune die einsturzgefährdete Kirche Sankt Josef in Holzkirchen. Für Katholiken der Marktgemeinde sind die Gitterstäbe in der Nähe der Eingangspforte ein Symbol für das Warten auf ein neues Gotteshaus. Seit vergangenem Donnerstag hat das geduldige Ausharren ein Ende. Die Kirchengemeinde darf sich freuen: Im Mai beginnen die Bauarbeiten – und der neue Bau wird futuristisch.

Derzeit sieht die Katholische Kirche so aus.
Derzeit sieht die Katholische Kirche so aus.

„Wir freuen uns und das wie. Der Kirchenneubau ist durch alle Instanzen durch, und die Gelder sind jetzt endgültig freigegeben“, berichtet Wunibald Mayer, stellvertretender Vorsitzender der Kirchenverwaltung Holzkirchen. Vergangenen Donnerstag wurde bei einer Sitzung des Gremiums eine schriftliche Bestätigung über die Freigabe der Gelder vorgelegt.

Anfang Mai wollen sich Verantwortliche aus dem Erzbistum München-Freising und der Holzkirchner Kirchenverwaltung mit den Handwerkern treffen. „Bis Mai hat uns der Statiker sowieso verboten an der Kirche irgendetwas zu tun“, sagt Mayer. Durch unvorhergesehene Schnellfälle bestünde Gefahr für Leib und Leben. Der Abriss des 50 Jahre alten „Zeltes Gottes“ sei ein langwieriges Abtragen von oben nach unten und werde drei bis vier Monate in Anspruch nehmen.

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Tebartz-van Elst schadet auch Holzkirchen

An der Entscheidung, das Bauvorhaben an der St. Josef-Straße in zwei voneinander getrennte Vorhaben aufzuteilen, hält der Bauträger fest. „Die Kirche hat für uns oberste Priorität“, erklärt Bettina Göbner, Pressesprecherin der Erzdiözese auf Nachfrage. Ist das alte Gotteshaus abgetragen, wird mit dem ersten Bauabschnitt begonnen: Kirche, Werktagskapelle und Sakristei.

Das Innere der neuen Kirche ist modern und lichtdurchflutet.
Das Innere der neuen Kirche ist lichtdurchflutet.

Für den zweiten Teil, Pfarrhaus und Pfarrheim, laufe noch die Planung und die damit einhergehende Prüfung, Gelder einzusparen. Wunibald Mayer: „Für Bauabschnitt zwei müssen wir unsere Hausaufgaben machen und der Architekt auch.“

Die Vorgänge um den stark in die Kritik geratenen Bischof von Limburg, Tebartz-van Elst, habe Holzkirchen wahrscheinlich geschadet. Die gesamte Planung werde immer wieder geprüft und nach Einsparmöglichkeiten gesucht, so der Kirchenmann. Als Mitglied der Kirchenverwaltung habe man sich in der Vergangenheit oft für Verzögerungen rechtfertigen müssen.

Realisiert wird der Entwurf von Eberhard Wimmer aus München, der den Architekturwettbewerb des erzbischöflichen Ordinariats München für sich entschieden hatte. Die Jury hatte ihre Entscheidung mit den Worten begründet:

Der Entwurf setzt den erfrischend alternativen Entwurf der derzeit noch bestehenden Kirche und die traditionelle Holzbauweise des Bestandes fort. Es entsteht ein Ort, an dem die Gemeinde sich in dem weiter wachsenden Wohnungsbaugebiet begegnen, finden und miteinander feiern kann.

Weiter heißt es: “Die äußere Gestalt der beiden Kirchenräume überrascht auf den ersten Blick.” Erfrischend, überraschend, ja futuristisch gar mutet der Entwurf in der Tat an. Das bisherige “Zelt” wird Kegeln weichen – diese sollen, so die Jury, “die Blicke der Betrachter ins Licht und damit einladend in eine metaphysische Weite” führen.

Das Innere der Kirche ist sodann modern und schlicht und wirkt, zumindest auf den Entwürfen, weitaus lichtdurchfluteter als der Innenraum der alten Kirche.

In Holzkirchen überwiegt nun die große Freude, dass es endlich losgeht. Und auf die Frage, ob die prämierte Holzkonstruktion in Kegelform rechtzeitig für das Weihnachtsfest 2015 fertig werden wird, meint Mayer: „Wir glauben und wir hoffen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Ein futuristischer Bau von Außen
Ein futuristischer Bau von Außen

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