Debatte um das Tegernseer Gymnasium – viel Druck hilft nicht immer

Von Redaktion

Ganztagesschule ja oder nein? Wichtige Fragen für die Verantwortlichen des Tegernseer Gymnasiums

Das Tegernseer Gymnasium steckt in einer herausfordernden Lage: Mit der neuen Schule in Holzkirchen muss ein Alleinstellungsmerkmal her. Die Nachfrage nach einem gebundenen Ganztagesangebot will richtig eingeschätzt werden. Darüberhinaus ist das alles mit den bereits vorhandenen, sehr umfangreichen Bildungs- und Freizeitangeboten abzugleichen. Und gleichzeitig stehen die Lehrkräfte durch den doppelten Abiturjahrgang unter einer enormen Arbeitsbelastung.

„Wer in dieser Situation ungerechtfertigt Druck macht, handelt unverantwortlich. Wir werden ein passendes Premiumangebot für das Tegernseer Gymnasium erarbeiten. Nur lassen Sie uns ein wenig Zeit. Schnellschüsse sind nicht zielführend.“ so Elternbeirat und CSU-Schriftführerin Friederike Enders beim letzten Stammtisch der Tegernseer CSU am Dienstag Abend.

Gerade das Thema gebundene Ganztagesschule, wie Peter Janssen im Beitrag des Merkur vom vergangenen Wochenende fordert, ist ein heißes Eisen. Sind die notwendigen Schülerströme bereits da, um einen eigenen Zug zu rechtfertigen? Wie lässt sich diese Forderung mit der Realität in einer Weise verknüpfen, dass am Ende die profitieren um die es geht, nämlich die Schüler?

Eine offene Ganztagesbetreuung – sprich Förderung und Betreuung am Nachmittag – bietet das Gymnasium ja bereits an. Und die wird laut Schulleiter Werner Oberholzner von knapp 45 Schülern genutzt. Hauptsächlich 5-Klässler wie er betont.

Doch ein gebundener Ganztageszug bindet Lehrer, externe Kräfte, Räume und Material. Ohne dass derzeit absehbar wäre, ob und wann die Nachfrage nach einem Ganztagesangebot so hoch sein wird, dass sie dies rechtfertigt. Und nur auf Vorrat macht so etwas keinen Sinn. Leiden würden die anderen Bildungsangebote.

Auch andere Gymnasien mit Ganztageserfahrung in Bayern könnten der Tegernseer Schule als Vorbild dienen. Nur haben die meisten Internatserfahrung. Und damit einen Wissensvorsprung, der nicht einfach so kopiert werden kann. Darüberhinaus besteht am Tegernsee eine eher ländliche Gesellschaftsstruktur. Bedeutet die Kinder sind vermehrt in Vereinen involviert und damit auch an Nachmittagen oft bereits ausgelastet.

Wie sieht also das optimale Profil aus, dass alle so mir nichts dir nichts fordern?

Ob Schüler aus Tegernsee oder Holzkirchen. Die entscheidende Triebfeder für alle Überlegungen muss ein Dreigespann aus Bedürfnissen, Angebot und Bedarf sein. Denn wie schnell sich neue und sehr hohe Bedarfe einstellen können, sieht man an der Auslastung der Gymnasiums-Kantine. Bis zum Ende des letzten Schuljahres sank diese auf 30 Essen am Tag. Heute liegt sie wieder bei über 200 Essen, womit die Kapazität der Mensa erreicht ist. Woher der Erfolg kommt? Ein neuer, umtriebiger und auf hohe Qualität bedachter Betreiber, der vieles anders und vor allem richtig macht.

Was die Schule daraus lernen kann: Wenn das Angebot gut und stimmig ist, ergibt sich oft eine ungeahnte Nachfrage. Aber nur, wenn die Bedürfnisse tatsächlich da sind.

So wie es derzeit aussieht, ist das den Verantwortlichen sehr bewusst. Die Prozesse sind in Gang gesetzt worden. Und in den nächsten Monaten wird ein Konzept vorgestellt, dass der Schule ein optimiertes Profil verpasst. Ob dieses Konzept in Richtung Ganztagesangebot geht, ist heute noch offen. Aber man sollte den Beteiligten soviel Vertrauen entgegenbringen, dass ihnen die benötigte Zeit bleibt ein nachhaltiges Konzept auf die Beine zu stellen. Etwas das Hand und Fuß hat und gleichzeitig das Beste für die Schule, aber vor allem für die Schüler ist.


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