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Im Interview: Tegernseer Auktionator und Kunstexperte Walter Ginhart

In die Köpfe der Interessenten schauen

Von Rose Beyer

“Schöne Dinge bereichern das Leben”, sagt Walter Ginhart vom Tegernseer Auktionshaus. Doch wie wird man eigentlich Auktionator? Und welche Aufgaben stehen, außerhalb von Auktionen, auf der Tagesordnung? Diese und weitere Fragen beantwortet Walter Ginhart.

Kann man Fälschungen erkennen? Welches war sein wertvollstes Auktionsstück? Wir haben die Antworten.

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Tegernseer Stimme: Hallo Herr Ginhart, wie sind Sie zu Ihrem Auktionshaus gekommen?

Walter Ginhart: Ganz einfach, indem ich seit über 36 Jahren in der Kunst tätig bin. Eigentlich bin ich gelernter Fachrestaurator.Zudem ist auch eine Ausbildung im Antiquitätenbereich sehr wichtig. Darüber hinaus habe ich dann auch Kunstgeschichte studiert und in dieser Zeit schon selbstständig ein Geschäft geführt. Vor zehn Jahren bin ich dazu übergegangen, nicht mehr als Gallerist, sondern eben als Aktionator tätig zu sein.

Tegernseer Stimme: Welches Handwerkszeug braucht ein guter Auktionator?

Walter Ginhart: Erstmal eine gute Auffassungsgabe, dann viel Gefühl und eine Liebe zu den Dingen. Außerdem ein entsprechendes Grundwissen, das man sich über die Jahre durch Lesen oder auch Lernen und durch Berühren von Kunstwerken angeeignet hat, um mit ihnen umgehen zu können.

Durch Haushaltsauflösungen zu neuen Stücken

Tegernseer Stimme: Wie erkennen Sie Fälschungen?

Walter Ginhart: Man hat natürlich in den Jahrzehnten, in denen man das macht, Vergleichsmöglichkeiten entwickelt. Einfach durch die Erfahrung der vielen Jahre, erkennt man bestimmte Dinge bereits im Ansatz. Natürlich gibt es aber gerade im Gemäldesektor leider immer wieder Sachen, die man nicht nachvollziehen kann.

Tegernseer Stimme: Gibt es eine bestimmte Ausbildung für diesen Beruf?

Walter Ginhart: Wenn jemand den Beruf eines Auktionators ergreifen möchte, kann ich ihm nur raten, dass er eine gute Fachausbildung erlangt. Dass er also aus einem Bereich kommt, der dem Beruf des Auktionators zuträglich ist. Zum Beispiel Restaurator, Vergolder, irgendwas in diesem Segment. Zudem empfehle ich eine Ausbildung in einem Auktionshaus. Auch das Kaufmännische darf man dabei nicht vernachlässigen.

Tegernseer Stimme: Welche Stücke findet man in Ihrem Haus?

Walter Ginhart: Bei uns finden sich Stücke der Frühzeit, sprich der Antike bis zur aktuellen Neuzeit. Das heißt Sammlergegenstände, Gemälde, Skulpuren, Möbel, Schmuck und vieles mehr.

Tegernseer Stimme: Gibt es Tegernsee-spezifische Kunstwerke?

Walter Ginhart: Es gibt natürlich sehr schöne Stiche, die vom Tegernsee stammen. Heinzmann-Ansichten zum Beispiel. Oder es gibt eine sehr schöne Bilderuhr aus der Zeit des Klenze-Baus, die das Schloss Tegernsee abbildet. Die Uhr ist aus der Zeit um 1780.

Tegernseer Stimme: Wie “finden” die Stücke zu Ihnen?

Walter Ginhart: Durch meine langjährige Tätigkeit habe ich mir natürlich in dem Bereich einen ziemlichen Namen erarbeitet. Ich werbe in bestimmten Zeitungen, im Radio und im Internet. Die Leute kommen dann zu uns und lassen ihre Kunstwerke bei uns begutachten. In der Regel mache ich komplette Häuserauflösungen, Nachlässe, Wohnungsauflösungen. Und das sogar in ganz Europa.

Tegernseer Stimme: Was war der höchste Preis, den Sie je erzielt haben?

Walter Ginhart: Ein Gemälde für rund 120.000 Euro. Bedenkt man, dass wir erst seit gut zwei Jahren in Tegernsee vor Ort sind, war das doch recht ordentlich. Grundsätzlich ist der Auktionsmarkt aber immer für Überraschungen gut.

“Nicht wie bei Ebay”

Tegernseer Stimme: Welche Tricks braucht ein Auktionator, um einen guten Preis zu erzielen?

Walter Ginhart: Es ist wichtig, den Kunden zu raten, die Gegenstände gut zu taxieren. Nur so kann man wirklich den Wert bestimmen, den der Markt im Moment bereit ist herzugeben. Zudem sind immer mehrere Bieter notwendig, um einen guten Preis zu erzielen. Einer ist zu wenig.

Tegernseer Stimme: Können Sie eventuelle Preislimits bereits vorab in den Köpfen der Interessenten ausloten?

Walter Ginhart: Ja, ich denke schon. In unserem Onlinekatalog kann ich erkennen, wie viele Interessenten, sprich Merklisten, es für die einzelnen Objekte gibt. Und anhand dessen kann ich natürlich schon sehen, wo es großes Interesse gibt und wo nicht. Mehr Interesse bedeutet auch einen potenziell höheren Endpreis.

Tegernseer Stimme: Also wie bei Ebay?

Walter Ginhart: Nicht wirklich. Wir bedienen eigentlich ein anderes Segment. Wir arbeiten fachspezifisch und persönlich.

Tegernseer Stimme: Freuen Sie sich eigentlich mit einem Käufer, wenn er ein Schnäppchen gemacht hat?

Walter Ginhart: Wir freuen uns immer, wenn Bieter für ihre Sammlung etwas ergattern können und zu Recht sagen: Das war jetzt im Preis super. Wir sind aber auch zufrieden, wenn Leute für ihre Sachen einen guten Preis erzielen konnten.

Tegernseer Stimme: Wie bereiten Sie sich selbst auf die Auktion vor?

Walter Ginhart: Man muss sich das immer so überlegen: Wir Auktionatoren und Auktionshäuser sagen: “Vor der Auktion ist nach der Auktion, und umgekehrt.” So motiviert man sich. Kommen schöne Dinge herein, motiviert das einen von ganz alleine, weil man sich dann wirklich freut und sagt: “Mensch – das ist wieder ein Objekt, das viele Leute ansprechen wird.” Anhand dessen wird dann ein Katalog erstellt. Da wird ganz akribisch gearbeitet.

Tegernseer Stimme: Was soll man machen, wenn man etwas zu Hause findet und nicht weiß, ob er wertvoll ist, oder nicht?

Walter Ginhart: Ich kann auf diesem Weg nur jedem empfehlen, mit den Objekten, die er im Speicher oder im Keller findet, bei uns vorbei zu kommen. Wir taxieren diese dann und legen den marktgerechten Preis fest. Dieser Service ist natürlich kostenlos und jederzeit bei uns im Stammhaus am Steinmetzplatz möglich.


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