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Der Brauch vom Palmtragen

Buschn für die Kasse

Von Rose Beyer

Am 24. März ist Palmsonntag. Für jeden, der jetzt nicht genau weiß, worum es hier eigentlich geht, haben wir mal einen kleinen Überblick zusammengestellt.

Außerdem zeigen wir, wie man die traditionellen Palmbuschen ganz leicht selber binden kann. Und man erfährt, warum der Tegernseer Dekan Walter Waldschütz den Verkauf von Palmbuschen eher zweifelhaft findet.

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Der Palmsonntag geht auf den Einzug Jesu in Jerusalem zum Passahfest zurück, als er – auf einem Esel reitend – von der Menge mit Palmzweigen begrüßt wurde. Dabei rief ihm das Volk zu: „So einen friedlichen Menschen wie dich hätten wir gerne zum König!“

Als die jüdischen Priester das hörten, fürchteten sie um ihre Stellung in Jerusalem. Sie wollten Jesus nicht als König, und deshalb beschlossen sie, ihn gefangen zu nehmen. Von da an nahm die Leidensgeschichte Jesus seinen Lauf.

„Geweihtes nicht verkaufen“

In der heutigen Zeit ist von dieser Begebenheit die sogenannte Palmweihe übriggeblieben. Dabei werden die zuvor gebundenen Palmbuschen von den Buben in einer Prozession in die Kirche getragen. Das Palmbinden ist damit eigentlich eine christliche Handlung.

Walter Waldschütz: “Geweihtes darf eigentlich nicht verkauft werden”

Doch Walter Waldschütz sieht den Brauch nicht unkritisch. Ihm geht es nicht um das Binden selbst, sondern um den anschließenden Verkauf. Denn vor dem Binden holen die Kinder in der Regel „Bestellungen“ bei Verwandten und Nachbarn ein, um ihre Buschen nach der Kirche anzubieten.

„Wir haben das noch so gelernt, dass Geweihtes nicht verkauft oder weggeworfen werden darf, außer ins Feuer.“ Deshalb sieht Waldschütz den Verkauf mit gemischten Gefühlen. „Lieber erst kaufen und dann weihen lassen“, wäre sein Rat an die Kirchengemeinde.

Gewisse christliche Grundgedanken mag man den Kindern nicht absprechen – für viele jedoch bedeutet der Erlös aus den Buschen eine ernstzunehmende Aufwertung ihres Taschengeldes. So bindet beispielsweise der kleine Maxi mit seinen Eltern an die zwanzig Buschen. Üblicherweise geben die „Kunden“ fünf bis zehn Euro und manchmal noch Süßigkeiten obendrein.

Freiwillige Spenden haben sich eingebürgert

Aber natürlich geht der zehnjährige Rottacher nicht zu den Kunden uns sagt, dass er sich einen festgelegten Verkaufspreis für einen vorgestellt hat. Es hat sich eher eine freiwillige Spende eingebürgert. Die Leute sind offenbar glücklich, etwas so schönes Handgemachtes zu bekommen, und geben von sich aus gern ein wenig Geld.

Dass auch Mädchen Palmtragen dürfen, gibt es erst seit kurzer Zeit. Weibliche Trägerinnen stecken ihre Buschen allerdings nicht auf eine Holzstange, sondern dekorieren sie in der Regel in einem Körbchen. So hat auch die kleine Franziska acht Buschen mit Oma und Opa produziert.

Palmsonntag in Rottach-Egern: Die geweihten Palmbuschen werden in die Kirche getragen / Quelle: Rolf Kaul

Die Mithilfe von Erwachsenen ist bei kleineren Kindern unbedingt notwendig, denn man braucht einiges handwerkliches Geschick, Ausdauer, das richtige Material und funktionierendes Werkzeug. Es bedarf neunerlei Zutaten, die man nach ziemlicher Strenge auswählt.

Weißgelb statt bunt

Von Region zu Region sehen die Buschen anders aus, und man bindet meist nach Überlieferung seiner Vorfahren. Dass diese jedoch nicht immer kirchentreu sind, weiß Pfarrer Waldschütz.

„Eigentlich müssten die Bänder im Palm weißgelb sein, nach den Farben des Vatikans“, behauptet er. Denn die Geschichte der Farben der katholischen Kirche ist die Geschichte der Farben des Vatikans. Trotzdem scheint die Machart der Buschen unterschiedlich überliefert worden zu sein.

Franziskas Oma beispielsweise bindet traditionell ein weißes, gelbes, rotes, grünes und violettes Band in die Krone des Buschen. Eigentlich eine falsche Deutung der sogenannten liturgischen Farben, die man damit ausdrücken möchte. Liturgie – das ist die Bezeichnung der Riten im christlichen Gottesdienst. Und danach richtet sich beispielsweise die Farbe der Gewänder, die die Geistlichen tragen.

Palmbuschen-Binden – so geht’s

Hier eine kleine Anleitung zum Selbermachen: Zuerst schneidet man das Material. Findet man es nicht auf dem eigenen Grundstück, so sind saisonale Regeln zu beachten. Die benötigten Palmkatzerl – die Weidenruten – sollte man rechtzeitig schneiden. Denn erstens darf man das in der freien Natur nur bis Ende Februar, und zweitens sind sie, wenn sie zu dick werden, nicht mehr biegsam. Die Palmkatzerl stehen von der Symbolik her für den Einzug Jesu und die Begrüßung mit Palmzweigen.

Neben den Stoffbändern und den Palmkatzerl verwendet man noch Blutruten (wegen ihrer blut-roten Farbe), Buchs (wegen der Farbe Grün = Wachsen) sowie Stechpalme oder „Waxlaber“. Letztere Zutat lässt Franziskas Oma jedoch weg, weil sich die Kinder bei der Herstellung daran verletzen könnten.

Palmkatzerl – die Grundlage jedes Buschens

 

Grüner Buchs – Zeichen für Leben und Wachsen

 

Verschiedenfarbige Bänder

 

Das Werkzeug ist wichtig

 

Zuerst alle Zweige auf die gleiche Länge bringen

 

Palmkatzerl – die Grundlage jedes Buschens

 

Buchs und Palmkatzerl werden zum Buschen gebündelt

 

Wenn aus Blutrute “Griff” und “Henkel” geformt und die Bänder oben angeheftet wurden, ist der Buschen fertig

Tipps zum Palmsonntag

Übrigens – hier noch ein Tipp: Wenn Sie nicht zum „Palmesel“ gekürt werden wollen, sollten Sie am Palmsonntag rechtzeitig aufstehen. Denn der Letzte, der sich aus dem Bett quält, der wird dann den ganzen Tag „Palmesel“ geheißen. Und wer schon mal wach ist, kann zu folgenden Zeiten an folgenden Orten die Palmprozession vor Ort mitverfolgen:

Kreuth und Bad Wiessee: um 9 Uhr

Rottach-Egern und Gmund: um 9.30 Uhr

Tegernsee: um 10.30 Uhr
10.30 Uhr: Prozession vom Quirinal zur Klosterkirche, anschließend Gottesdienst

Bilderquelle: Palmsonntag in Rottach-Egern von Rolf Kaul.

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