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Corona-Pandemie: Atempause fürs Krankenhaus Agatharied

“Der Dezember war die härteste Zeit”

Von Nina Häußinger

Verhaltenes Aufatmen im Krankenhaus Agatharied. Die Lage hat sich deutlich entspannt. Für Besucher gibt es deshalb gute Nachrichten. Aber was sagen die Ärzte zur Gefahr der indischen Variante und zum rapiden Abfall der Inzidenzzahlen?

Im Krankenhaus Agatharied hat sich die Lage entspannt

“Der Dezember war die härteste Zeit”, sagt Dr. Steffen Herdtle, Pandemiebeauftragter im Krankenhaus Agatharied gestern bei einem Pressegespräch. Seit rund eineinhalb Jahren kämpfen die Mitarbeiter des Krankenhauses gegen die Pandemie und für die Sicherheit von Patienten und Mitarbeitern. Das sei eine sehr große Herausforderung gewesen.

Den Spagat zwischen der Versorgung von Covid-Patienten, anderen Erkrankten und zusätzlich die Sicherheit für alle Mitarbeiter zu gewährleisten, sei nicht leicht gewesen. Weiter betont Herdtle:

Auf eine Pandemie, die über zwei Jahre geht, waren wir nicht vorbereitet.

Das vergangene Jahr war vor allem für Pfleger und Ärzte anstrengend. Man habe in Teams gearbeitet und so versucht, Überstunden so gering wie möglich zu halten. Aber wenn man Herdtles Schilderungen des organisatorischen Aufwands folgt, wird klar: Für viele gab es wenig Freizeit. Tage und Nächte mussten für die Beschaffung von Schutzmaterial oder die Organisation von Isolierstationen genutzt werden.

Dr. Michael Landgrebe, Chefarzt der kbo-Lech-Mangfall-Klinik, weiß um die psychische Belastung. “Am Anfang war es eine Krisensituation, durch die man gemeinsam durch wollte. Jetzt ist es eine Marathonkrise.” Da gehe vielen die Luft aus. “Es reicht jetzt einfach.” Auch Dr. Peter Wellner, Mitglied des Ärztlichen Direktoriums, stimmt dem zu:

Wir würden alle aufatmen, wenn wir mal wieder das tun dürften, wofür wir eigentlich hier sind.

Trotzdem sind alle froh, dass die Klinik zu keiner Zeit am absoluten Limit war. Durch die Zusammenarbeit mit Rosenheim und Bad Aibling, konnte man sich aushelfen. “Ein Bett war immer frei auf der Intensivstation”, betont Herdtle.

Corona-Lage

Auch wenn hier noch keiner vom Ende der Pandemie sprechen will, hat sich die Lage in den vergangenen Wochen auch im Krankenhaus deutlich entspannt. Aktuell behandelt man nur noch einen Corona-Patienten. Trotzdem sagt Herdtle: “Ruhiger ist immer so eine Sache. Das lässt sich so nicht sagen. Wenn jetzt wieder viele draußen unterwegs sind, ist hier auch die Hölle los.” Hier sei man aber noch nicht bei der Auslastung von vor Corona angekommen. Aktuell hab man zum Beispiel in der Notaufnahme 80 bis 90 Prozent des Vorkrisenniveaus wieder erreicht, sagt Herdtle, der zudem die Notaufnahme leitet.

Entspannter wird es für die Organisation nun aber trotzdem. In den letzten Monaten habe man unter den Mitarbeitern keinen positiven Test mehr gehabt. Das liegt unter anderem daran, dass mittlerweile rund 70 Prozent der Belegschaft geimpft ist. Unter den Ärzten sogar 90 Prozent. Zu Hochzeiten habe man teilweise bis zu 30 Mitarbeiter in Quarantäne schicken müssen und ganze Stationen schließen.

Long-Covid-Station in Planung

Für den Chef der psychiatrischen Klinik Landgrebe ist klar: Jetzt kommt die Postkrise. Durch Isolation gehe es vielen schlecht. “Patienten, die seit 1,5 Jahre alleine zuhause sitzen, denen geht die Luft aus.” Auch Menschen, die arbeitslos geworden sind oder lange im Homeoffice waren, seien stark belastet.

Pressekonferenz im Krankenhaus. Von links Steffen Herdtle, Michael Kelbel, Peter Wellner, Michael Guggemoos, Michael Landgrebe und Melanie Speicher

Außerdem will er eine Long-Covid-Station einrichten. Corona sei eine Erkrankung der Nerven. Oftmals könne man nur schwer unterscheiden, ob es die Lunge ist oder die Psyche, die langfristig geschädigt ist. Auch Herdtle sieht hier Handlungsbedarf. Man wisse noch gar nicht, wie das weitergeht mit Long-Covid. Wie lange das anhält, ob Beschwerden immer wieder auftreten.

Impfung hilft wohl auch gegen indische Variante

Ob die indische Variante auch bei uns eine neue Welle auslösen kann, wisse man nicht. Man beobachte das Geschehen in anderen Ländern. Vorbereitet sei man nun jedenfalls gut. “Wir nehmen an, dass die Impfung auch gegen die indische Variante wirkt”, sagt Herdtle. Außerdem habe man bisher noch keinen einzigen Corona-Patienten behandeln müssen, der bereits zweimal geimpft ist. “Das ist doch ein interessanter Punkt.” Wellner betont an dieser Stelle außerdem:

Die Diskussion mit der Thrombose ist ein riesiger Unsinn. Die Gefahr ist viel größer bei einer Corona-Erkrankung eine Thrombose zu bekommen als bei der Impfung.

Ebenfalls der Impfung schreibt man den rapiden Fall der Inzidenzzahlen zu. Zwar wisse man nicht genau, woran es am Ende lag. Jedenfalls ist man sich einig, dass alle Maßnahmen im Gesamten die Krankheit nun eingedämmt haben.

Besuche wieder möglich

Auch Besuche sollen jetzt wieder langsam möglich gemacht werden. Zwar weiterhin mit FFP2-Maske, Test und Registrierung. Besucht werden dürfen jetzt aber wieder alle Patientengruppen. Alle Infos dazu gibt es auch auf der Webseite.


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