Ein Kommentar zum Ludwig-Erhard-Gipfel
Der Dönerspieß wird zur Urne

von Redaktion

Die Premiere des „Ludwig-Erhard-Gipfel“ in Rottach-Egern war ein Erfolg. Das sagen erwartungsgemäß die Veranstalter. Doch auch für die über 350 Teilnehmer aus ganz Deutschland hat sich der Trip an den Tegernsee gelohnt. Sie fuhren mit vielen Informationen, Anregungen und einem positiven Gefühl an das Treffen nach Hause.

Riederle
Phillip Riederle (21) bei seinem Vortrag über die Generation Y.

Es sollte ein „Neujahrsempfang der Kommunikation und des Freigeistes“ sein, sagte die Veranstalterin Christiane Goetz-Weimer bei ihrer Begrüßung. Und das war es dann auch. Man merkte, dass die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Bereichen Deutschlands gewohnt sind, zu kommunizieren.

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Schnell kam man ins Gespräch und tauschte sich aus. „Wie wollen wir die Dinge 2016 angehen?“, fragte Goetz-Weimer weiter. „Skeptisch und konstruktiv nach vorne“, gab die Tegernseer Verlegerin das Motto vor.

Kein Blatt vor den Mund genommen

Die Referenten und Diskussionsteilnehmer beherzigten dies – fast ohne in Phrasen und Schönfärberei zu verfallen. So nahm Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon mit seiner Kritik an den Zentralbanken und Regierungen kein Blatt vor den Mund. „Das billige Geld trägt den Geruch der Krise“, warnte er. Ehrlich auch der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, Martin Mihalovits, in einer Diskussionsrunde über die Finanzmärkte. Er wolle keine Hoffnung machen, dass die Niedrigzins-Phase vorbei sei. Guter Rat sei jetzt teuer, wie man Geld anlegen könne, aber dafür umso wichtiger.

Angesichts des Auf und Ab der Märkte müsse man besonders genau auf die Anlagemöglichkeiten schauen. So kann man verhindern, dass sich Anleger in der Hoffnung auf schnelle Gewinne auf dünnes Eis begeben. „Die Zeiten, in der ich Geld anlege und es wird immer mehr, sind vorbei!“

Aigner enttäuschend, Dobrindt erfrischend

Ganz anders als die Finanzexperten zeigte sich Wirtschaftsministerin Ilse Aigner in ihrer Master Speech zum Thema „Herausforderungen für Deutschland 2016“. Nach einer Schulstunde über den Einfluss Ludwig-Erhards auf die deutsche Politik der Nachkriegsjahre schilderte sie lediglich eine Herausforderung nach der anderen. Ganz wie in einer Verlautbarung der Staatsregierung – ohne Lösungsvorschläge zu machen.

Eine Überraschung war Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Sonst eher hölzern, wirkte er erfrischend und sympathisch. Was er über die Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen sage? „Die haben wir am 1.1.2016 eingeführt. Nur hat es keiner gemerkt“, witzelte er augenzwinkernd.

„Generation Y“ kann alles erreichen – glaubt sie

Eine gute Entscheidung der Veranstalter war es, den 21-jährigen Philipp Riederle für einen Vortrag über „seine“ Generation Y einzuladen, also diejenigen, die zwischen Mitte der 1980’er und Mitte 1990’er geboren sind. Er zeigte unterhaltsam eine neue Sicht auf bekannte Dinge, wie die Arbeitseinstellung und das Konsumverhalten dieser Generation. Seine Generation sei ganz anders als die Generation der „Baby-Boomer-Eltern“, wie sie hauptsächlich im Saal saß.

Ihnen gab er die Schuld an dem Lebensgefühl deren Kindergeneration: „Sie haben uns so erzogen, dass wir meinen etwas Besonderes zu sein, alles schaffen und nicht auf das Geld schauen müssen.“ Zudem werde die Generation Y bald dominieren, wenn die älteren sterben und die Geburtenrate so niedrig bleibt. Die Alterspyramide werde oben immer dicker und ihre Form verändere sich „von einem Dönerspieß zu einer Urne“.

Das Resümee der Veranstaltung? Die Probleme sind vorhanden, aber sie werden nicht ignoriert. Man muss und man kann sie bewältigen. Wer es nicht tut, bleibt zurück. Und klagen hat keinen Sinn. Ausgerechnet der Benediktiner Abt Notker Wolf fasste den Tenor der Veranstaltung zusammen: „Wer sagt denn, das alles so bleiben muss, wie es ist?“

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