„Der Dorfladen ist so langsam auf dem richtigen Weg“

Von Redaktion

Johann Schmid, einer der Hauptgesellschafter hinter dem Dorfladen

Das Thema „Schwierigkeiten im Gmunder Dorfladen“ ist derzeit omnipräsent. Beim Merkur, im Gemeindeboten und auf der Straße. Überall wird darüber diskutiert und gerätselt, was eigentlich wirklich zu der Schieflage geführt hat.

Johann Schmid, einer der drei Hauptgesellschafter, hat es dabei geschafft mit seinem sehr objektiven Bericht im letzten Gmunder Gemeindeboten (November-Ausgabe, Seite 32) der Bevölkerung klar zu machen, dass am Ende sie es sind die über Wohl oder Wehe des Dorfladens entscheiden. Und zwar in der Art wie und wo sie als Bürger einkaufen.

Dass der Start mit all den strukturellen Problemen am Ludwig-Erhard-Platz nicht ganz so einfach werden würde, war jedem klar. Aber wir wollten wissen, woran es tatsächlich lag. Was ist in den letzten Monaten schiefgelaufen und was hat man daraus gelernt?

Deswegen hier das Interview mit Johann Schmid, mit dem wir heute Vormittag sprechen durften:

Tegernseer Stimme (TS): Kurz zum Start: Wie ist die aktuelle Entwicklung? Wie geht es dem Dorfladen?

Johann Schmid (JS): In den letzten Monaten hatten wir ja mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Dazu waren die Personalkosten ein so großer Kostenblock, dass wir diesen notgedrungen über Entlassungen abbauen mussten.
Derzeit sind wir aber auf einem annehmbaren Weg, obwohl wir den Umsatz noch etwas steigern müssen.

Die Presse, und da vor allem der Bericht im Gemeindeboten, hat zu einem sehr positiven Solidarierisierungseffekt in der Bevölkerung geführt. Einige sind auf uns zugekommen und wollen uns ehrenamtlich unterstützen. Dazu haben auch die Umsätze in der zweiten Hälfte der letzten Woche deutlich zugelegt. Alles in allem also eine erfreuliche Tendenz.

TS: Was sind die konkreten Maßnahmen?

JS: Wir werden einiges am Sortiment umstellen. Die hohe Biolastigkeit werden wir etwas umdrehen. Das wird man dann auch an der Preisstruktur merken.
Darüberhinaus sollen vertraute und bekannte Produkte eingeführt werden. Wir sind halt alle Gewohnheitsmenschen und dem wollen wir eben auch Rechnung tragen.

TS: Was genau passiert mit dem alten Geschäftsführer?

JS: Herr Vogt ist nach wie vor krankgeschrieben. Aber er hat uns angeboten den Arbeitsvertrag aufzuheben. Und dem werden wir auch nachkommen, wenn alle offenen Themen aufgearbeitet sind.

Zukünftig wollen wir die Position des Geschäftsführers und des Marktleiters trennen, falls das möglich ist. Um das operative Geschäft wird sich der Marktleiter kümmern. Die Organisation und ein gewisses Finanzcontrolling soll dann ehrenamtlich ein Geschäftsführer übernehmen.

TS: Was waren die größten Versäumnisse in den letzten Monaten?

JS: Es wurde ganz klar versäumt eine professionelle Struktur aufzubauen. Es gab einfach keine Arbeitsstruktur und keine klaren Verantwortlichkeiten. Dann war die Führung in gewisser Weise beratungsresistent. Vielleicht aus falschem Ehrgeiz oder missverstandenem Stolz.
Alles in allem kann man sagen, dass sich die Führung verzettelt und auch teilweise die falschen Prioritäten gesetzt hat.

Jedoch dürfen wir die Versäumnisse nicht nur auf eine Person schieben. Eventuell hätten wir uns schon bei der Ladeneröffnung 3-4 Wochen länger Zeit lassen sollen. Somit gab es einige Startschwierigkeiten, die am Ende die Kritiker in Ihrer Skepsis bestätigt hat.

TS: Prüfen Sie Schadensersatzansprüche gegen den Geschäftsführer?

JS: Wir prüfen einige Verfehlungen. Allerdings ist das alles noch offen und wird natürlich erst intern diskutiert. Vor allem inwieweit hier auch kaufmännische Probleme vorlagen und wo man eine Haftung in der Verpflichtung gegenüber den stillen Gesellschaftern sehen kann.
Allerdings verfolgen wir ganz klar das Ziel einer einvernehmlichen Lösung.

TS: Nach welchen Kriterien haben Sie den Geschäftsführer ausgewählt?

JS: Wir hatten die Stelle ausgeschrieben. Und eigentlich muss man sagen, dass von drei konkreten Interessenten nur ein wirklicher Bewerber übrigblieb. Das war dann Herr Vogt, der uns gegenüber einen sehr kompetenten Eindruck gemacht hat. Diesen Eindruck hat er auch gegenüber Experten aus dem Lebensmittel-Bereich bestätigt. Für uns also kein Grund an seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Zumal er bereits Marktleiter des BIO-Supermarktes in Wiessee gewesen ist.

TS: Was muss Ihrer Meinung nach passieren, damit der Dorfladen langfristig bestehen bleibt?

JS: Wir müssen die regionale Schiene ausweiten, die uns ja auch ausmacht. Die Positionierung und eine klare Marktnische gegenüber den nahen Supermärkten in Dürnbach ist sehr wichtig.
Dann müssen wir auch den Gmundern klar machen, was der Dorfladen für einen Mehrwert hat. Das hat sicherlich mit den Produkten zu tun, aber auch was mit der mobilen Nähe des Ladens.

Und am Ende steht und fällt das Ganze natürlich mit der Kommunikation. Sprich wissen die Anwohner, welche Produkte wir haben und für was wir stehen.
Das heißt wir werden die Werbung verstärken. Die Wahrnehmung in der zweiten Reihe, ob von der Straße aus oder mit klassischer Werbung, muss kontiniuierlich wachsen. Und dafür nehmen wir auch Geld in die Hand.


Unternehmen aus unserer Region

Die neuesten Artikel

Die Redaktion empfiehlt


Aktuelle Jobangebote aus der Region
Tegernseerstimme

Tegernseerstimme