Nur die Hälfte der freien Ausbildungsplätze besetzt
Der Ernst des Lebens beginnt

von Sabiene Hemkes

Der 1. September eines Jahres ist traditionell für einige Jugendliche ein ganz besonderes Datum. Für 234 junge Menschen im Kreis Miesbach begann damit der Eintritt in die Arbeitswelt. Leider haben aber auch 50 Bewerber noch nicht den passenden Ausbildungsplatz finden können. Gibt es Hoffnung?

Viele Arbeitgeber sind noch auf der Suche nach Auszubildenden.

Die IHK für München und Oberbayern hat Statistik für den Kreis-Ausbildungsmarkt 2021 veröffentlicht. Die Zahlen machen Hoffnung nach dem Einbruch im letzten Corona Sommer. Die Arbeitgeber im Landkreis stellen wieder mehr Auszubildende ein. Die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg landkreisweit um 4 Prozent.

Insgesamt starteten damit 234 Jugendliche ihre betriebsinterne IHK-Ausbildung. Dazu Anja Frank, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Miesbach, mit ihrer Einschätzung: „Die Ausbildungsbereitschaft ist ungebrochen. Das größte Problem für viele Betriebe ist nach wie vor der Mangel an Bewerbern.“

Diese Aussage wird durch die hohe Zahl an bisher noch unbesetzten Ausbildungsstellen unterstrichen. Das sind im Landkreis immerhin noch 279 Lehrstellen. Also mehr als 50 Prozent des Gesamtangebotes. Dem gegenüber sind aktuell nur 50 Jugendliche gemeldet, die noch auf der Suche sind. Frank unterstreicht bei der Vorstellung des Ausstellungsberichtes, die Bereitschaft der IHK-Betriebe die jungen Menschen auszubilden.

Der starke Corona-Einbruch vom Vorjahr ist in diesem Ausbildungsjahr gestoppt. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels setzen unsere Betriebe mehr denn je darauf, selbst ihren Nachwuchs auszubilden. Die Ausbildungsbereitschaft ist ungebrochen.

Doch gehen dem Ausbildungsmarkt grundsätzlich die Bewerber für die offenen Stellen aus. Allein im Landkreis Miesbach sank die Zahl derjenigen die eine Lehre beginnen wollten um fast ein Viertel. Das jedenfalls meldet die Agentur für Arbeit. Deren Zahlen beziehen sich auf alle Lehrberufe, auch diejenigen die nicht über die IHK-Betriebe laufen, also auch das Handwerk, freie Berufe und den öffentlichen Dienst.

Einschränkungen durch die Pandemie nur kleinerer Teil des Problems

Die IHK erklärt die angespannte Situation auf dem Ausbildungsmarkt für Fachkräfte mit den pandemiebedingten Einschränkungen in der “Bewerbungsphase im Frühjahr”. Auch hätten Schnupperpraktika, Ausbildungsmessen und persönliche Bewerbungsgespräche nur in beschränkter Form stattfinden können.

Doch auch die Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Miesbach sieht das Hauptproblem der Betriebe in der demografischen Entwicklung in unserer Gesellschaft. Seit Jahren wird warnend auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel in Deutschland hingewiesen.

In den nächsten Jahren wird sich die Bewerberlücke am Ausbildungsmarkt noch weiter öffnen. Bis 2030 gehen 2,8 Millionen Erwerbstätige in Bayern in Rente. Im gleichen Zeitraum wird es aber nur 1,5 Millionen Schulabgänger als potenziellen Fachkräftenach-
wuchs für diese offenen Stellen geben

Über die strukturellen Probleme, die für Lehrstellensuchende im Miesbacher Landkreis bestehen geben die Zahlen keinerlei leider Aufschluss. So verhindern auch hohe Lebenshaltungskosten, ein schlecht ausgebautes Nahverkehrssystem, kritische Arbeitszeiten sowie die teilweise schlechte Folgebezahlung im zu erlernenden Beruf eine höhere Nachfrage.

Besonders viele freie Ausbildungsstellen im Kreis gibt es derzeit in der Gastronomie, im Verkauf oder anderen Dienstleistungsbetrieben. Alles eher Berufe mit denen man hier später kaum eine Familie ernähren könnte.


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