Der etwas andere Jahresrückblick: “Ist nicht alles irgendwie relativ?”

Von Rose Beyer

Kürzlich habe ich im Radio eine eingängige Erklärung zur Relativitätstheorie gehört. Eine stark dialektisierende Fränkin hat das Ganze so erläutert: Ein Haar in der Suppe ist relativ viel. Während ein Haar auf dem Kopf relativ wenig ist.

Seitdem ich das gehört habe, beginne ich, so einiges anders zu sehen und manches sogar zu verstehen.

Zum Beispiel, dass man bei uns im Tal Öffentlichkeitsarbeit so und so sehen kann. Einerseits sind Live-Übertragungen aus einem Sitzungssaal nicht erlaubt, weil man Gemeinderäte schützen will, die anscheinend relativ presseunerfahren sind. Andererseits treffen sich dieselbigen Räte relativ wenig später zur Live-Info mit dem Lokalblatt.

Oder die Sache mit dem Lösen von Problemen und der Realität. Da ist es schon interessant, mit welcher Wahrnehmung zwei unterschiedliche Leute an eine einzige Sache herangehen. Weicht man sich nach Grabenkämpfen aus? Oder trifft man sich persönlich und versucht, eine gemeinsame Ebene zu finden?

Beim Gmunder Maximilian und dem Mitte Juli öffentlich gewordenen Disput zwischen Bürgermeister von Preysing und Grünen-Rätin Helga Wagner war letzteres der Fall. Dessen war sich jedenfalls der Bürgermeister relativ sicher. Wagner sah es etwas anders. Das Statement für die Öffentlichkeit: Man war einfach „nur“ unterschiedlicher Auffassung über die gefassten Beschlüsse. Eine Aussage, die schon relativ wacklig dasteht, finden wir.

Ein spannendes und barriefreies Jahr geht zu Ende

Auch für Bad Wiessee endet ein spannendes 2011. Zwar muss man hier mit einer relativ hohen Verschuldung leben. Doch auch das muss man relativ sehen. Denn die Vorhaben, die die Verantwortlichen in diesem Jahr zu Schultern hatten, reichen normalerweise gleich für mehrere Jahre: Seepromenade, Kauf des Jodschwefelbad-Areals, der Kampf um den Verkauf des Lederers, die Umsatzrückgänge beim Casino – um nur einige zu nennen. Dazu die immer wieder aufkeimenden gemeinderatsinternen Streitigkeiten, die ab und zu relativ groteske Züge annahmen.

Aber, wir möchten nicht, dass das Jahr 2011 allzu negativ rüberkommt. In Rottach-Egern beispielsweise wird zwar relativ gern und viel gebaut. Allerdings macht man sich auch intensive Gedanken über die Barrierefreiheit. Und gerade weil wir immer älter werden, wird barrierefreies Unterwegssein immer wichtiger. Unser Gesamturteil fürs Tegernseer Tal: Sich als körperlich eingeschränkter Mensch fortzubewegen, scheint – bis auf Ausnahmen – derzeit relativ problemlos.

Bei unserer Arbeit im vergangenen Jahr durften wir viele Menschen kennenlernen. Durften Fragen stellen, die sich wohl viele stellen. Manche Gespräche waren klassische Interviews, andere gestalteten sich wie Besuche bei unseren Großeltern – nett, familiär und offenherzig. Wir haben versucht, die Alten zu Wort kommen zu lassen. Die dazwischen zweifeln zu lassen. Zwischen den Zeilen zu lesen. Und viele Zeichen aufzuschreiben.

365 Tage online – 1302 Beiträge

Wir hoffen, dass man unserer Arbeit anmerkt, dass wir uns real – nicht nur relativ – viel Mühe gegeben haben mit unseren Veröffentlichungen. Ingesamt gingen 1302 Beiträge an 365 Tagen online. Wir haben insgesamt fünf Ausgaben unseres gedruckten Magazins in einer Gesamtauflage von 92.000 Exemplaren im Tal verteilen lassen. Den Partnern, die mit ihrer Werbung – online oder offline – die Realisierung der Tegernseer Stimme ermöglicht haben, sagen wir nochmals herzlich Dank.

Und den Lesern, die im Laufe des Jahres immer zahlreicher wurden, danken wir für die Treue, die vielen Kommentare, für die Kritik und natürlich auch für das Lob.

Falls Sie sich im kommenden Jahr die Frage stellen sollten “Gibt es etwas wichtiges zu sagen zu unserem schönen, relativ überschaubaren Tal?”, dann sind Sie herzlich eingeladen, sich zu beteiligen und die Tegernseer Stimme mit Ihrem Online-Kommentar oder Vorschlägen zu interessanten, spannenden oder kritischen Themen zu ergänzen. Wir freuen uns auf Post von Ihnen – egal ob elektronisch oder per Briefträger.

Und so werden wir auch im nächsten Jahr versuchen hinter Gerüchten die Wahrheit zu finden und alle unsere Themen genau zu recherchieren. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen guten Rutsch in ein Gutes Neues Jahr 2012!

Das komplette Team der Tegernseer Stimme
Stephan Mundi / Martin Heilmann / Tobias Stadler / Eduard von Overheidt / Nicole Posztos / Franz Neumann / Christopher Horn / Gesina Stärz / Peter Posztos / Steffen Greschner / Philippe Arlt / Rose-Marie Beyer

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