Der Gmunder Dorfladen in hausgemachten Schwierigkeiten: „Wir sollten zu machen“

Von Redaktion

Wie lange hat der Dorfladen am Gmunder Ludwig-Erhard-Platz noch zu leben?

Beim Gmunder Dorfladen geht es in der letzten Zeit rauf und runter. In einen Monat heißt es „das Schlimmste ist überstanden“, im anderen „wir überleben nicht mehr lange und hoffen auf Unterstützung durch die Bevölkerung“. Und gerade eben überwiegt das zweite. Bedeutet der Dorfladen schlingert immer stärker in eine Notlage, die bereits in diesem Monat zu einem endgültigen Aus führen könnte.

Die Umsätze sind, nach den sehr starken Monaten November und Dezember, eingebrochen. Das bedeutet konkret insgesamt 10.000 Euro Mindereinnahmen im Januar und Februar, die dringend gebraucht werden. Für Johann Schmid, einen der drei Hauptgesellschafter ist das zu wenig: „Wir leben von der Substanz“ so seine Worte gegenüber dem Merkur. Interne Stimmen zitieren ihn mit den folgenden Sätzen: „Ich denke das macht keinen Sinn mehr. Wir sollten zu machen.“

Da die drei Mitglieder des Gesellschafterrates sich nicht einig sind, wie es weitergehen soll, hat man nun eine große Gesellschafterversammlung einberufen. Diese soll am 18.03. im Gmunder Neureuthsaal stattfinden. Erwartet wird ein Teil der insgesamt 178 Gesellschafter, die in den Dorfladen knapp 50.000 Euro investiert haben.

Ein wenig anders als Schmid schätzt die neue Geschäftsführerin Claudia Hofmann die Lage ein. Auf einer internen Mitarbeiterversammlung hatte Sie am Donnerstag Abend noch die Hoffnung geäußert, dass sich das Gremium für einen Fortbestand des Ladens aussprechen werde. Die Mannschaft, bestehend aus sechs Mitarbeitern und zwei Ehrenamtlichen steht demzufolge hinter dem Konzept und wird alles dafür tun, dass die Kunden auch weiterhin auf das regionale Angebot, ergänzt um frische Produkte von lokalen Bäckern, Metzgern und der Naturkäserei zurückgreifen können.

Auf der gestrigen Teambesprechung wies Hofmann auch daraufhin, dass die Umsatzzahlen zwar niedrig sind, spätestens aber mit dem ab Frühjahr einsetzenden Touristenstrom auch das Problem der niedrigen Umsätze gelöst wird.

Über die Kontrolle der Kosten hat man die Werbung vergessen

Trotz allem greifen die Ansätze der letzten Zeit auch weiterhin zu kurz. Mit dem neuen Konzept, von dem Hofmann immer wieder spricht, wird das Grundproblem genauso wenig in den Griff zu bekommen sein, wie mit weiteren Freiwilligen, die in die Arbeit eingebunden werden sollen. Bereits im September letzten Jahres hatten wir darauf hingewiesen, woran es grundsätzlich hapert. Und bis heute – 6 Monate später – hat sich daran wenig geändert. Die Kostenproblematik von damals hat man gut in den Griff bekommen. Aber die auch damals schon größte Herausforderung, Neukunden zu generieren, hat man schlicht und einfach verschlafen.

Der Dorfladen ist immer noch praktisch unsichtbar. Niemand kennt ihn, niemand nimmt ihn war. Warum? Weil nirgends Aufsteller an prominenten Orten platziert werden. Die Chance durch günstige Werbung über Flyer oder ähnliches neue Kunden anzusprechen wird ebenfalls nicht wahrgenommen. Ein Marketingkonzept gibt es zwar. Die Geschwindigkeit bei der Umsetzung erinnert jedoch mehr an ein Großunternehmen, als an ein kleines, wendiges „Start-Up“.

Die Gemeinde Gmund hatte erst im November 4.000 Euro für das Marketing des Dorfladens bereitgestellt. Passiert ist bis jetzt leider nichts. Der Fokus liegt immer noch, wie auch schon zu Beginn, auf der Optimierung der Prozesse und der Einkaufskonditionen. Doch wenn eine neu-gegründete Firma in dieser Position versucht die Marge zu erhöhen und dabei den Umsatz vergisst, optimiert sie sich geradewegs in den Tod. Wie auch schon der erste Geschäftsführer Andreas Vogt haben die Verantwortlichen die Proritäten auch dieses Mal falsch eingeschätzt. Die Kostensituation ist stabil, die Werbung und damit die Umsätze jedoch nicht existent.

Ein mögliches Aus Ende März wäre somit selbstverschuldet.


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