Biber im Tal auf dem Vormarsch
Geliebt, gejagt, geduldet

von Nina Häußinger

Lange Zeit hat sich der Biber gar nicht mehr bei uns am See blicken lassen. Doch dann im Winter 2009 wurde einige Meter neben der Bundesstraße in Weissach ein lang vergessener Teil der Natur wieder entdeckt.

Ein Biber lebt wieder am Ringsee, in der Nähe des Kieswerks. Und das ist mittlerweile nicht mehr der einzige. In den vergangenen Jahren haben sich an mehreren Stellen im Tal Biberfamilien angesiedelt. Und das sorgt nicht nur für Begeisterung.

Der Biber in Gmund / Quelle: Markus Gerritzen
Der Biber in Gmund / Quelle: Markus Gerritzen

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Im Winter fressen Biber den zarten Bast der Weiden, Erlen oder Pappeln am See. Bast, das ist die vitaminreiche Schicht unterhalb der Rinde. An die will der Biber unbedingt heran. Weil er aber kein guter Kletterer ist und der beste Bast in den jungen Ästen ganz oben versteckt ist, fällt der kleine Nager kurzerhand den kompletten Baum.

Der Biber – ein unerwünschter Gast

Mit dieser brachialen Art macht sich der Biber nicht nur Freunde. Und damit fängt das eigentliche Problem an: Einige würden das Nagetier am liebsten wieder verbannen. Er frisst zu viel. Wenn man sich genau umsieht, kann man auch am Ringsee die im Wasser angelegten Nahrungsfloße sehen. Neben dem Bast der Bäume fressen Biber auch gerne Gräser, Kräuter, Mais und Zuckerrüben. Das stört die Bauern, über deren Felder sich der Nager hermacht.

Während die Landwirte um ihre Zuckerrüben und Maiskolben fürchten, stört der Baumfäller mit seinen Aktivitäten aber auch die Zu- und Abflüsse, beispielsweise von Fischteichen. Außerdem setzt er mit seinen Dämmen Wiesen unter Wasser, oder Traktoren brechen in von Bibern unterhöhlten Erdstücken ein. Die Löcher und Bauten, die er gräbt, können gigantische Ausmaße annehmen.

Und trotzdem: Der Biber gehört zu den insgesamt über 16.000 Arten, die laut UN-Umweltprogramm weltweit vom Aussterben bedroht sind. Deshalb ist der Nager auch in Bayern streng geschützt. Derzeit leben Biber im Landkreis Miesbach an drei verschiedenen Orten. An der Mangfall in Gmund, am Grünwasserl und in Rottach-Egern. Wie viele es insgesamt im Tegernseer Tal sind, kann man nicht genau sagen, da man die Tiere nur selten zu Gesicht bekommt.

Aktive Biber im Tal

Was den Biber zum Freund und Feind des Menschen gleichermaßen macht, sind seine scharfen Zähne: Wie kaum eine zweite Tierart gestaltet der Baumeister mit seinen Dämmen und Burgen die Umwelt aktiv und deutlich sichtbar mit. Besonders gut beobachten konnte man das im Frühjahr in unmittelbarer Nähe zum Kieswerk am Ringsee, als ein oder mehrere Tiere diverse Bäume zum Umfallen brachten.

Der Biber leistete im Frühjahr am Ringsee ganze Arbeit

Bis zu einem halben Meter Durchmesser und mehrere Meter lange Bäume fällt ein Biber auf Nahrungssuche mit seinen vom eingelagerten Eisen rostroten Zähnen.

Doch nicht nur die Tiere am Ringsee waren fleißig. Auch der Biber in Rottach-Egern ist mal mehr, mal weniger aktiv, wie Michael Vermeulen vom Landratsamt Miesbach erklärt. „Generell haben wir recht wenig Probleme mit den Tieren. Aber der in Rottach hat in einigen Hausgärten Ärger gemacht.“

Gewinn für Artenvielfalt und Hochwasserschutz

Im Einzelfall mögen die Biber-Aktivitäten ärgerlich sein. Doch der Blick aufs Ganze zeigt: Der Gewinn für Artenvielfalt und Hochwasserschutz ist enorm. „Er schafft Lebensraum für viele selten gewordene Tiere und Pflanzen“, sagt Gerhard Schwab vom Bund Naturschutz. Fischotter, Schwarzstorch, Frösche und Molche. Dutzende Fischarten und Libellen sowie zahlreiche vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten entstehen in Biberrevieren.

Dadurch, dass Biber beispielsweise dichte Ufergehölze lichten, profitieren viele Pflanzen vom besseren Lichtangebot. Biberdämme wirken zudem wie natürliche Kläranlagen. In den Dämmen werden von Feldern und Wiesen abgeschwemmte Nährstoffe wie Nitrate und Phosphate gespeichert und erhöhen dadurch die Wasserqualität.

Und dann ist da noch der Hochwasserschutz: Die Dämme verhindern ein zu schnelles Abfließen des Wassers. „Biber statt Bagger“ sei daher die bessere und darüber hinaus kostengünstigere Alternative für den Hochwasserschutz, sagen die Umweltschützer. Denn bei der Gestaltung eines neuen Biotops müssten Bagger eingesetzt und bezahlt werden. Es brauche Landschaftsplaner und die Genehmigung von Behörden. Biber arbeiten weniger „bürokratisch“: Instinktiv und gratis schaffen sie Biotope, deren Lebensraumvielfalt die von Menschenhand geschaffenen meist übertrifft.

Schäden im Landkreis halten sich in Grenzen

Für Schäden wird dem Landratsamt jährlich eine gewisse Summe zu Verfügung gestellt. Die konkreten Hilfen für die Geschädigten vor Ort reichen vom Schutz wertvoller Gehölze durch Drahthosen bis hin zum Einbau von Gittern, um das Untertunneln von Wegen zu verhindern. Auch am Hotel Bachmair Weissach wurden solche Biberschutzmaßnahmen in jüngster Zeit ergriffen.

Am Bachmair Weißach wurden die neu gepflanzten Bäume mit Draht umwickelt, um sie vor Biberb zu schützen
Am Hotel Bachmair Weissach wurden die neu gepflanzten Bäume mit Draht umwickelt, um sie vor Bibern zu schützen

Als letztes Mittel – beispielsweise wenn es zu Schäden in Kläranlagen oder Fischzuchtanlagen kommt – können die Biber allerdings auch eingefangen werden. So wollte Umweltminister Marcel Huber im letzten Jahr sogenannte „Tabuzonen“ einführen.

Ende März 2012 lies Huber die Kreisbehörden anweisen, „erheblich schadensgeneigte Gebiete“ auszuweisen, in denen Biber in Zukunft jederzeit „entnommen werden“ dürfen. Glücklicherweise scheint die „Biberplage“ bei uns im Tegernseer Tal jedoch noch nicht solch drastische Mittel zu erfordern.

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