Die Legende des liederlichen Rebells Georg Jennerwein

Der bayerische Robin Hood

Von Franziska Hampel

Die Bayern lieben sie: ihre Volkshelden. Gerne sind es verwegene Charaktere, die trotz krimineller Machenschaften von den Menschen verehrt werden. Am 6. November 1877 wurde der Wildschütz Jennerwein aus Holzkirchen am Peißenberg erschossen.

Am Friedhof in Schliersee Westenhofen ist der Jennerwein begraben.
Am Friedhof in Schliersee Westenhofen ist der Jennerwein begraben.

Sein eigentlicher Name war Georg Jennerwein, in der Region Tegernsee-Schliersee kannte man ihn unter dem Namen „Girgl von Schliers“ und heute ist er bekannt als Wildschütz Jennerwein. Er war ein wilder Bursch in jeder Hinsicht.

Es war ein stolzer Schütz in seinen schönsten Jahren

Geboren wurde Girgl 1848 in Holzkirchen. Nach dem Krieg 1870 / 71 schlug er sich als Holzknecht durchs Leben. Er galt als hervorragender Jäger. Dieses Talent machte er sich zu Nutze und wilderte in königlichen Jagdrevieren. Berühmt wurde er durchs Wildern und zum Helden machte ihn das Volkslied „Wildschütz Jennerwein“, das Ende des 19. Jahrhunderts entstand.

Georgs Vater wurde beim Wildern vor den Augen des kleinen Girgls von Polizisten erschossen. Der Trotz gegen die Obrigkeit kommt daher nicht von irgendwo. Die Armen hatten es schwer in Zeiten als noch der Adel herrschte – die Armen hatten nichts, die Großen alles. Um über die Runden zu kommen, begann Georg das Wildern. Das gewilderte Fleisch, verkaufte er günstig an Wirte, oder verschenkte es an Arme. Damit wuchs er zum verklärten Helden der Armen – ein oberbayrischer Robin Hood sozusagen.

Und auf den Bergen ja da ruht die Freiheit

Polizisten und Jäger bissen sich am Jennerwein die Zähne aus. Dass er illegal Wild schoss war allseits bekannt, nur nachweisen konnte man es ihm nicht. Die königlichen Jäger bewunderten sein Talent und das Volk mehr und mehr seinen ungebrochenen Schneid, sich gegen die „Großkopfaden“ aufzulehnen.

Auch sonst war Girgl kein Unschuldslamm. Es heißt, er wäre ein Weiberheld und Raufbold gewesen, ein anständiger Hallodri eben. Als stattliches Mannsbild hatte er bei den Frauen leichtes Spiel und auch seine Verwegenheit verhalf ihm zu seinen Erfolgen in der Damenwelt. Die Freiheit war Girgl heilig und so band er sich an nichts und niemanden.

Doch auf so eine schlechte Weise musste Jennerwein zugrunde gehen

Ganz nach dem Motto „live fast, love hard, die young“ nahm das Leben des Wildschütz ein tragisches Ende. Am 6. November 1877 wurde Girgl mit 29 Jahren hinterrücks am Peißenberg zu Tegernsee erschossen. Verdächtig und verurteilt wurde sein ehemals bester Freund. Doch der Mord bleibt bis heute ein ungeklärtes Geheimnis.

Du feiger Jäger, s´ist eine Schande

Was wäre auch ein Held ohne einen mysteriösen Tod? Neun Tage nach den Schüssen, fand man den Jennerwein am Peißenberg, heute besser bekannt als der Rinnerspitz in der Nähe der Bodenschneid. Sein großer Zeh steckte im Abzugsbügel, eine Kugel jedoch im Rücken. Folglich kam das Gericht zum Entschluss, dass nachträglich ein Selbstmord inszeniert worden war.

Durch die Verbreitung des Volkslied „Wildschütz Jennerwein“ (Autor unbekannt) wurde aus einem liederlichen Rebell ein Volksheld. Sein Leben wird eine romantische Legende und Vorlage für Theaterstücke und Filme. Der heimatkundige Autor und Sprecher Beni Eisenburg aus Gmund stellt fest:

Bis heute ist der Jennerwein noch nicht in der Vergessenheit verschwunden.


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