Tegernseer Nostalgie
Der Sapplkeller in Bad Wiessee

von Rose Beyer

Wenn Veronika Schober zurückdenkt an früher, erinnert Sie sich automatisch auch an den Sappl-Keller. „Keller“ heißt er deshalb, weil man damit an die Sommertradition der Brauer anknüpft, die ihr Bier aus den kühlen Kellern direkt im angrenzenden Garten verkauften.
Im Sappl-Keller wurde bereits vor mehr als hundert Jahren Bier ausgeschenkt. Die ersten Waldfeste wurden hier gefeiert. Und so manch berühmte Persönlichkeit schwärmte seinerzeit über diesen überaus schönen Platz am Söllbach. Doch dann war es plötzlich vorbei.

Veronika Schober (rechts) mit ihrer Schwester Barbara

Lange Zeit war der lauschige, schattige Garten geschlossen gewesen, bevor er im Jahre 2011 von Jupp und Christine Brenner wiedereröffnet wurde.

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Veronika Schober, die nur ein paar Schritte vom Sappl-Keller entfernt wohnt, freut sich, dass man in dem „Freiluft-Wirtshaus“ wieder einkehren kann. Kennt sie doch die Geschichten um den Keller von ihren Vorfahren. Von ihrem Vater, dem Großvater und vom Urgroßvater. Jener ist auch auf dem Bild vom Sommer 1923 abgebildet, wo er gemeinsam mit weiteren Männern unter Bäumen sitzt.

Gemeinsam hob man die Bierkrüge, die einst noch aus Steingut waren und die Aufschrift „Sappel-Keller“ (damals noch mit „e“ geschrieben) trugen. Dieses Bild und noch ein weiteres, das eine Gesellschaft im Jahre 1901 zeigt, hängt heute im Treppenhaus der Wiesseer Vermieterin.

Biersieden im Sommer verboten

Fragen Gäste nach einer empfehlenswerten Einkehr, schickt sie sie meist in den traditionsreichen Garten. Und erzählt von der langen Tradition der Biergärten. Dass wir sie nach alten Überlieferungen der katholischen Kirche samt zwei Heiligen zu verdanken haben. Dass nach bayerischer Brauordnung Bier nur zwischen den Festtagen Sankt Michael (29. September) und Sankt Georg (23. April) gebraut werden durfte. Und dass das Biersieden im Sommer wegen hoher Brandgefahr verboten war, weshalb man einen Vorrat anlegen musste.

Dieser wurde dann in kühlen Kellern gelagert und in Gärten an jedermann verkauft. Nicht jeder war von dieser „neuen Konkurrenz“ begeistert. Manche Wirte liefen Sturm dagegen.

Um die Gemüter zu besänftigen, entschied Bayernkönig Ludwig I., dass die Brauer zwar Bier verkaufen durften, jedoch kein Essen. Wer also eine kühle Mass genießen wollte, musste seine Brotzeit selbst mitbringen. Diese Tradition ist in vielen Biergärten bis heute so geblieben.

Das Bild weiter oben mit Veronikas Urgroßvater zeigt ihn, den „Staun-Vater“ Leonhard Höß (2. von links), inmitten einer Gesellschaft:

Sebald Sappel, den Knecht (der wahrscheinlich nur so genannt wurde, weil sein Schreibname unbekannt war, ganz links). Den „Sog Franzl“ Franz Jennerwein, der vermutlich in der nahen Säge beschäftigt war (2. von rechts) sowie einen Mann namens „Höger“, zu dem offenbar nichts weiter bekannt ist.

Sollte jemand näheres über das Foto von 1923 wissen, freut sich die Redaktion über Zuschriften!

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