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Kreutherin verfasst Porträt über Carla von Branca

Der Sinn des Lebens

Von Rose Beyer

„Es ist die Frage aller Fragen – warum sind wir da? Oder anders: Was ist der Sinn unseres Lebens? Künstler – Kreative allgemein haben zu dieser Frage schon immer einen besonderen Bezug gehabt. Die Kreutherin Dr. Ingrid Strauß diskutierte diese Frage oft mit ihrer Freundin Carla von Branca.

Branca, 83 Jahre, diplomierte Architektin, war unter anderem als Bildhauerin erfolgreich, hat ein literarisches Werk geschaffen, bühnenbildnerische und fotografische Fähigkeiten verwirklicht. Strauß hat sie etliche Wochen intensiv begleiten können. Jetzt hat die Kreutherin ein kleines, aber feines Buch über die Künstlerin herausgebracht.

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Von links: Ingrid Strauß und Carla von Branca bei der Präsentation des Buches

Ein kleines Porträt über eine große Frau

Bereits in der Einführung ihres „kleinen Porträts über eine große Frau“ bekommt der Leser Impulse über den Sinn des Lebens mit auf den Weg: “Jedes Leben ist wertvoll. Manchem Leben aber werden besonders wertvolle Gaben in die Wiege gelegt – Begabungen, die Werte schaffen.

Wir haben von Branca in ihrer Wahlheimat Miesbach besucht. Auf dem sogenannten „Böberg“ einer milden Anhöhe über der Stadt steht der denkmalgeschütze Bauernhof, auf dem die Familie seit 25 Jahren lebt. Früher standen im Garten Dutzende Bienenstöcke, bayerischer Obstler und andere Schnäpse wurden gebrannt. Jetzt steigt Rauch aus dem Kamin. Dann öffnet sich die alte, hölzerne Haustür.

Drinnen sieht es genau so aus, wie man es bei einer aktiven Künstlerin mit fünf Kindern erwarten würde. Bücher und Familienbilder überall – auf den Simsen, in den Regalen, auf dem Tisch. Kunst durchwirkt alle Räume – den Flur, die Küche, das Wohnzimmer – Bilder, Statuen, Figuren, Fotografien. Beim Gehen knarrt der hölzerne Dielenboden. Bei dem wenigen Licht, das die kleinen Fensterchen einlassen, muss man sich vorsichtig bewegen. Es riecht nach Christbaumkerzen und Kaffee.

Dramatische Zeilen einer echten Persönlichkeit

„Der Frühling explodiert, und die Menschen bringen sich um. Ein zwölfjähriges Kind hat sich in einer Menschenmenge in die Luft gesprengt, vier mit in den Tod gerissen, viele verletzt. Ein zwölfjähriges Kind. So hieß es in den heutigen Nachrichten.“ Dramatische Zeilen liest man in der kleinen Schrift, die die Kreutherin Ingrid Strauß erstellt hat und von dessen Titel ihre Protagonistin in freundlichem Schwarz-Weiß lächelt.

Zeilen, die so gar nicht zum ersten Eindruck der Künstlerin von Branca passen. Güte und Selbstbewusstsein strahlt sie aus in ihrem schwarzen Zweiteiler. Das Gefühl, etwas geschaffen zu haben. Aber ohne jegliche Überheblichkeit. So eine Frau würde man sich durchaus aus eigene Großmutter wünschen. „Ich hatte Glück, Menschen getroffen zu haben, die mir Mut gemacht haben“, erinnert sich die 83-Jährige und ihre wasserblauen Augen strahlen dabei wie bei einem jungen Mädchen.

Schriftstellerin, Bildhauerin, Fotografin

Mit Gedichten, Essays und Erzählungen hat sich Carla von Branca in die Herzen ihres Publikums gebracht. In der ihr gewidmeten Schrift sind etliche Arbeiten zu lesen und zu sehen. Ein überdimensionales, von ihr für die Münchner Kammerspiele gemaltes Bühnenbild mit dramatisch anmutenden Faltern, davor die grazil tanzenden Jugendlichen etwa. Die Bildhauerin bei der difisilen Arbeit an einer erdfarbenenen, männlichen Büste. Die Autorin abgelichtet bei einer ihrer Lesungen, die sie im In- und Ausland bekannt machten.

Arbeiten aus ihrer Zeit vor der Schaffenspause – als sie die fünf Kinder großzog und sich den gesellschaftlichen Verpflichtungen für das Wirken ihres Mannes, dem Star-Architekten Alexander von Branca, hingab. Sobald die Kinder herangewachsen waren, begann sie wieder ihre eigene Karriere. Dabei war es stets die Begegnung mit Menschen, die ihr laut eigener Aussage hilfreiche Impulse gab. Carla von Branca hinterlässt den Menschen vielfache Spuren. Im Jahr 2006 wurde sie von der Stadt Miesbach für ihr Wirken ausgezeichnet.

Was ist nun der Sinn des Lebens?

Die gebürtige Schweizerin ist der Meinung, dass auch schmerzvolle Erfahrungen wie Krankheit oder Tod einen im Leben weiterbringen, einen den Sinn des Lebens erkennen lassen. Schon früh – mit acht oder neun Jahren – interessierte sie sich für die Schicksale anderer Kinder, lernte dadurch ihre eigene Persönlichkeit kennen. Ging mit anderen spazieren, redete mit ihnen, spendete Trost. Damals – in einer Zeit, in der die medizinische Versorgung noch schlecht war und die Menschen bitterarm, in dem Schweizer Tal, in dem die Familie ihre Ferienzeiten verbrachte.

In Strauß` Buch stellt Branca die Hypthese auf, dass der Mensch sich im Laufe der Evolution aus dem Kreislauf entfernt hat. Deshalb hat er seine Aufgabe – und auch teils den Sinn – verloren. Was soll ich nur mit meinem Leben anfangen? Diese Frage wissen viele heute häufig nicht eindeutig zu beantworten. „Viele junge Leute werden zu sehr überhäuft mit allem“, sorgt sich die Mutter und Großmutter in ihr. „Heute ist es schwerer, eine Richtung zu finden, weil es vielleicht zu viele Richtungen gibt“, mutmaßt sie.

Und was ist nun der Sinn des Lebens, um den sich Carla von Branca so viele Gedanken gemacht hat? „Das Leben anzunehmen und das Angenommene in seiner Wirkung zu unterstützen“, wagt sie einen vorsichtigen Versuch. „Definiert am Ende nicht jeder für sich selbst, wie sinnvoll das eigene Leben ist?“ frage ich mich, als ich vom Böberg wieder zurückfahre ins leicht verschneite Kreuth. Das Jahr hat gerade erst begonnen. Wer sich nicht sofort der Hektik des Jahres hingeben will, sei die Lektüre des kleines Buches ans Herz gelegt.

Die 44-seitige Schrift, die in der „edition miesbach“ von Isabella Krobisch herausgegeben wurde, kann unter ISBN 978-3-00-040453-5 bestellt werden.

Alle Bilder: Florian Bachmeier


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