Über den „Teufelsgraben“ gibt es spannende Geschichten
Der Teufel war‘s!

von Katharina Fitz

Tief und geheimnisvoll durchschneidet der „Teufelsgraben“ das Gebiet zwischen Holzkirchen und Kreuzstraße. Zahlreiche Sagen ranken sich um seine Entstehungsgeschichte. Sogar der Teufel höchstpersönlich soll seine Hände im Spiel gehabt haben.

Wanderweg durch den Teufelsgraben bei Holzkirchen /Quelle: K. Fitz
Wanderweg durch den Teufelsgraben bei Holzkirchen /Quelle: K. Fitz

Ein bißchen unheimlich ist es schon, den Weg durch das düstere, feuchte Tal nördlich von Holzkirchen zu wandern. 23 Kilometer lang zieht sich dieser markante Einschnitt durch die Landschaft vom Kloster Reutberg bis nach Grub in der Gemeinde Valley. An manchen Stellen ist er bis zu 70 Meter tief.

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Ein seltsamer Graben

Jahrhundertelang fanden die Menschen keine Erklärung für den seltsamen Graben, der außer ein paar dünnen Rinnsalen bis heute kein Wasser führt. Bevor Wissenschaftler das Geheimnis seiner Entstehung lüfteten, entstanden zahlreiche Legenden über das dunkle Tal.

Der Teufel soll einst darüber nachgedacht haben, was er den Münchnern, die ihm zu christlich waren, antun könnte. Ihm kam der Gedanke, ihnen das Wasser abzuschneiden und die Isar umzuleiten. In der Nacht fing er gleich zu graben an. Da kam der Meßner von Föching daher und ließ sich aus Übermut auf eine Wette um seine Seele mit dem finsteren Gesellen in Menschengestalt ein. Der Teufel prahlte, mit dem Graben fertig zu sein, bevor die Frühglocke der Kirche geläutet habe. Der Meßner traute aber dem Beelzebub nicht und stellt die Kirchturmuhr einfach zwei Stunden vor. Als daraufhin die Hähne krähten und den Morgen ankündigten, gab der Teufel das Graben auf und fuhr wutentbrannt in die Hölle.

In einer anderen Geschichte war es ein armer Müller, der einen Bund mit dem Teufel geschlossen haben soll. Er hatte zuwenig Wasser und bat den Satan, ihm einen Kanal von der Isar zu seiner Mühle zu ziehen. Der Preis war des Müllers Seele. Aber auch der Müller stellte eine Bedingung: In der nächsten Nacht sollte das Werk vollbracht sein. Der Teufel machte sich mit Riesenkräften an die Arbeit, so dass der Müller bald um seine Seele fürchtete. Aus diesem Grund weckte er schließlich den Gockel vor der Zeit. Mit seinem „Kikeriki“ vertrieb er den Besessenen. Der Müller behielt seine Seele, blieb aber arm und der „Teufelsgraben“ unvollendet.

Teufelsgrabenbrücke bei Grub in der Gemeinde Valley / Quelle: Wikipedia, Harald Süpfle
Teufelsgrabenbrücke bei Grub in der Gemeinde Valley / Quelle: Wikipedia, Harald Süpfle

Eine schlüssigere Erklärung fanden die Geographen. Der „Teufelsgraben“ ist ein sogenanntes Urstromtal. Entstanden ist es vor rund 20 000 Jahren gegen Ende der Würmeiszeit. Moränenschutt aus dem Karwendelgebirge verstopfte damals den Isarlauf und deshalb bahnte sich das Wasser zunächst seinen Weg über das Ellbachmoor und den Kirchsee, grub den Teufelsgraben in das Gestein und vereinigte sich bei Valley mit der Mangfall. Dieser Vorgang dauert circa 4000 Jahre lang. Irgendwann fand die Isar wieder in ihr heutiges Bett zurück und der Teufelsgraben trocknete allmählich aus.

Mit Beginn der Industrialisierung stellte er zunehmend ein Hindernis dar. Straßen, Wege und Bahnlinien mussten das Tal überwinden. Damit die Münchner ihr Trinkwasser ungehindert aus dem Mangfallgebiet ableiten konnten, überspannten die Stadtwerke den Graben im Jahr 1890 mit einem 91 Meter langen und 19 Meter hohen Aquädukt, der „Teufelsgrabenbrücke“ bei Grub. Noch heute zeugt das marode Bauwerk von einer architektonischen Meisterleistung. Zu besichtigen ist die Brücke derzeit allerdings nicht. Laut Auskunft der Stadtwerke München bleibt sie aus Sanierungsgründen bis auf weiteres komplett eingerüstet.

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