Satt und glücklich ins Tal - Teil 5
Der ultimative Almentest: Die Gindlalm

von Lydia Dartsch

gindlalm_breitIn 1.242 Metern Höhe liegt die Gindlalm: Drei Bauern teilen sich seit jeher den Weideplatz, zu dem die 25 Kühe im Mai von Hausham getrieben werden. Jeder hat seine eigene Hütte mit Bewirtung für eine Rast. Bei einer fantastischen Aussicht auf das Bergpanorama der Alpen genießen hier Wanderer, Mountainbiker und Familien Speckpfannkuchen, Kaiserschmarrn oder eine Brotzeit.

Lieber Kraxe als Kinderwagen

Der Parkplatz der Neureuth-Alm in Tegernsee ist Startpunkt für unsere Wanderung auf die Gindl-Alm. Zuerst geht es relativ steil bergauf, beschattet von Bäumen. Mit Wander- oder Turnschuhen ist dieser Weg zwar anstrengend, aber kein großes Problem. Wanderstecken sind hilfreich. An jeder Wegbiegung lädt eine Bank zum kurzen Ausruhen und Atem holen ein.

Zu Atem kommen muss man schon, wenn man sonst eher im flachen Land unterwegs ist. Für Familien mit Kindern ist der Weg gut zu meistern – kleinere Kinder nimmt man am besten in der Kraxe mit. Wir haben auf dem Weg aber auch Familien mit Kinderwagen gesehen. Den auf den Berg zu schieben, ist aber nichts für Ungeübte. Mountainbiker nutzen die Strecke eher für ihre Abfahrt. Ein paar von ihnen kommen uns entgegen.

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Speckpfannenkuchen und Kaiserschmarrn vom Holzofen

Nach einer dreiviertel Stunde ist die Steilstrecke überwunden und man erreicht zunächst die Neureuth-Alm. Ein gut halbstündiger Fußmarsch später sind endlich die drei Hütten der Gindl-Alm in Sicht. Knapp eineinhalb Stunden haben wir für den ganzen Weg gebraucht.

Wir kehren ein in Hütte Nummer 3 – bei Familie Grimm. Auf der Almterrasse hat man einen guten Überblick über die Berge. Auf der anderen Seiten kann man bei guter Sicht bis nach München sehen. Man hört die Kuhglocken von der nahen Weide. Es riecht würzig nach Bergkräutern und aus der Küche duftet es nach Butterschmalz.Darin werden die Speckpfannkuchen und die Kaiserschmarrn ausgebacken. Sie werden frisch gemacht und noch auf einem alten Holzofen zubereitet. Strom gibt es hier oben keinen, nur ein Notaggregat.

Speckpfannenkuchen und Kaiserschmarrn werden frisch zubereitet.
Speckpfannenkuchen und Kaiserschmarrn werden frisch am Holzofen zubereitet.

In der Chronik wird die Alm im 17. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt. Die älteste Hütte soll gut 300 Jahre alt sein. Die beiden anderen wurden 1937 und 1938 gebaut. Aber auf den Bildern seien schon immer drei Hütten zu sehen, sagt uns Anna Grimm, der die Hütte bis vor einigen Monaten noch gehört hat.

Im vergangenen Jahr hat Grimm die Alm ihrer Tochter Annelies vermacht, die sie gemeinsam mit dem Hof im Tal weiterführt. Hof und Alm zu trennen, das mache man nicht, sagt die Mitsiebzigerin. Beides gehöre zusammen. Trennen kann sie sich aber nicht von der Hütte. Sie kommt noch immer hier hoch, um zu helfen.

Kein Ruhetag auf der Alm

Der Alltag der Almerin – oder Sennerin – ist ein Knochenjob: Morgens um 5:00 Uhr geht es los mit Kühe füttern und melken. Von den 25 Tieren, die in diesem Jahr hier oben weiden, sind die meisten einjährigen Kälbinnen. Nur zwei sind Milchkühe.

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Von ihrer Milch macht die Almerin Butter, Buttermilch und Topfen, die sie auf der Alm ausschenken und verkaufen. Die Kuchen sind von den Grimms selbst gebacken und von den Besuchern sehr begehrt. Sie machen vor allem an Wochenenden gerne Rast hier oben.

Bis der letzte Teller gespült ist und die Tiere versorgt sind, ist es 22:00 Uhr. Einen Ruhetag gibt es nicht – dafür viele Bekannte und Familienangehörige der Bauersleut, die mithelfen. Bis Ende Oktober wird die Alm bewirtet.

Wer Appetit auf eine Brotzeit oder etwas deftiges hat, bekommt eine Erbsensuppe oder ein Brot mit selbstgemachtem Frischkäse-Obazda. Dazu gibt es Bier, Limonade oder ein Haferl Kaffee. Dafür fährt die Almerin einmal in der Woche ins Tal zum Einkaufen. Bierkisten muss sie nicht schleppen. Die werden aus Hausham vom Bierfahrer angeliefert.

Auf der Speisekarte ist die Auswahl trotzdem groß und das Preis-Leistungsverhältnis ist gut: 7,10 Euro kostet die Portion Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren, die unbedingt zu empfehlen sind, ebenso wie die Speckpfannkuchen für 6,50 Euro. Nur bei dem Brot mit Obazda für 3,80 Euro hätte man etwas mehr erwartet. Dafür ist die hausgemachte “Buttermuich” zu 1,90 Euro der halbe Liter sehr erfrischend.

Rückkehr über Sommerweg

So gestärkt kann es von hier aus weiter gehen. Die Kreuzbergalm ist nur 40 Gehminuten entfernt. Für den Weg nach Schliersee braucht man gut zwei Stunden. Man kommt aber auch in einer guten Stunde an die Galaun und an die Baumgartenschneid. Nach Hausham würde es  zwei Stunden dauern.

Wir kehren nach unserer Rast zurück nach Tegernsee – diesmal über den Sommerweg, der ab der Neureuth-Alm geradeaus bergab geht, statt links ab über den Hinweg. Dieser Weg ist weniger steil und führt über den oberen, den mittleren und unteren Treppenweg zum Tegernseer Bahnhof.

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