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Satt und glücklich ins Tal - Teil 6

Der ultimative Almentest: Die Sonnbergalm

Von Rose Beyer

Die letzten fünf Mal haben wir die Kreuzbergalm, die Königsalm und die Kühzaglalm, die Neuhüttenalm sowie die Gindlalm auf Wegbeschaffenheit, Familienfreundlichkeit und Preis-Leistung getestet. Bei der neuesten Tour haben wir uns ein weiteres schönes Ziel erwandert. Also, auf zum sechsten Test: der Sonnbergalm, auf der sich vor knapp 100 Jahren ein tragisches Unglück ereignete.

Während sich die in der Nähe und gleichzeitig etwas höher gelegene Tegernseer Hütte über einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erfreut, ist die darunter gelegene Sonnbergalm den meisten Wanderern unbekannt. Dabei bietet sie einen traumhaften Ausblick und interessante Möglichkeiten, die Tour auf spannende Weise fortzusetzen – auch für bergerfahrene Kinder.

Start am Wanderer-Parkplatz bei Bayerwald

Wir begeben uns vom Tegernsee aus mit dem Auto in Richtung Süden. Hinter Bayerwald stellen wir das Fahrzeug auf dem Parkplatz (867 Meter) zur rechten Hand ab. Wir rechnen mit rund eineinhalb Stunden Aufstieg, was sich später als richtig herausstellen wird.

Wer den Aufstieg zur Alm wagt, sollte gut ausgerüstet sein, denn der Steig ist schmal und steinig. Wer von Bayerwald aufsteigt, wird nach Durchschreiten des Waldstücks einen kleinen Hinweis auf einer Holztafel finden, dass es oben frische Buttermilch gibt, und große Lust bekommen auf ein gekühltes Getränk.

Da es an diesem Samstagnachmittag an die 25 Grad warm ist, trinken wir im Anstieg viel Wasser. Der Weg ist steil, was uns aber schnell an Höhe gewinnen lässt. Außerdem ist hier am Wochenende viel los, sodass wir manchmal am Steig ausweichen müssen. Nach ungefähr einer halben Stunde haben wir die Untere Sonnberg-Alm (1.150 Meter) erreicht, nach einer weiteren Stunde unser Tourenziel – den Sonnberg-Oberleger auf 1.485 Metern.

Beliebte Raststation auf dem Weg zur Tegernseer Hütte

Die Alm besteht aus drei aus Holz gebauten Hütten, die einem das Gefühl vermitteln, auf einer „echten Alm“ gelandet zu sein. Eine Hütte dient der Bewirtung, in der anderen kann man übernachten. Die dritte Hütte wird als Stall genutzt.

Die Haupthütte hat einen nach Westen gerichteten Giebel mit sonnigen Sitzgelegenheiten, von denen aus man einen atemberaubenden Blick in die weiteren Tegernseer Berge sowie die Blauberge, hier vor allem auf das übermächtige Felsmassiv des Roß- und Buchsteins, genießen kann.

Atemberaubender Blick aufs übermächtige Felsmassiv von Roß- und Buchstein

Ein wenig abseits der Hütte stehen Milchkühe und Jungtiere. Vor der Hütte auf der Wiese sitzen etliche Wanderer. Die Alm dient als beliebter Rastpunkt vor oder nach dem Besteigen der Tegernseer Hütte, die direkt im „Adlerhorst“ zwischen Roß- und Buchstein liegt. Wer den Weiterweg auf die Tegernseer Zwillingsberge nicht wagen will, kann sich jedoch auch hier durchaus wohlfühlen. Und gleichzeitig mehr über die bewegte Geschichte auf der Alm erfahren.

Ursprüngliche Alm mit tragischer Geschichte

Denn im Jahre 1917 hatte sich hier ein tragisches Unglück zugetragen: Am 4. November rückten vier Lenggrieser Bauern zur Pirsch aus – auf Gräflich Törringsches Gebiet. Es waren der Draxlbauer, Anton Danner, Jakob Schöffmann und Stefan Gerg, die auch gleich Gämsen und Gamskitz schossen. Als sie die Tiere ausweideten, sprang plötzlich ein Gräflich Törringscher Jäger aus den Büschen und forderte die Burschen auf, sich zu ergeben.

Der Draxlbauer machte, so schildert es die Überlieferung, eine falsche Bewegung und bekam eine Ladung Schrot ab. Danner ließ das Gamskitz fallen, stürzte sich auf den Jäger, schlug das Gewehr zur Seite und fasste ihn am Hals. Ein Kampf der ganzen Gruppe entbrannte, bei dem der Jäger schließlich getötet wurde. Die Wilderer wurden vom Münchner Schwurgericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt – wegen Jagdvergehens.

Zurück oder weiter des Weges

Wem die Sonnbergalm nicht genug ist, der kann den Aufstieg zur Tegernseer Hütte (1.635 Meter) wagen. Außerdem gibt es Möglichkeiten, Roß- und Buchstein (1.701 Meter) zu erklimmen oder weitere Almen zu erreichen: die ebenfalls von uns getestete Buchsteinhütte sowie die Schwarzentenn-Alm. Außerdem sind noch die Roßsteinalm sowie die Schönberg-Alm und die Röhrlmoosalm zu nennen, die jedoch von unserer Redaktion (noch) nicht getestet wurden.

So sieht das kulinarische Angebot der Alm aus
So sieht das kulinarische Angebot der Alm aus

Die Sonnbergalm selber hat während der allgemeinen Weidesaison – etwa von Juni bis September – geöffnet. Sie bietet verschiedene, eigene Almprodukte wie Buttermilch oder Käse, außerdem Brotzeiten sowie Kuchen und verschiedene Getränke zu günstigen Preisen. Seit Kurzem kann man auf der Hütte auch übernachten.

Der Rückweg kann entweder über die Aufstiegsstrecke erfolgen, über Buchsteinhütte/Schwarzentenn-Alm, oder auch über die Route der Siebenhütten. Falls man jedoch mit dem Auto ankommt, sollte man sich überlegen, wie man dann wieder dorthin kommt. Eventuell ist unten im Tal ein Fußmarsch an der Bundesstraße unumgänglich.

Fazit

Ein Wanderziel mit Überraschungspotenzial. Wer eigentlich auf die Tegernseer Hütte wollte, sich aber eventuell vor dem letzten steilen Teilstück scheut, wird sich freuen, was sich hinter dieser gemütlichen Alm verbirgt: eine willkommene Einkehrmöglichkeit mit ursprünglichem Ambiente und bewegter Geschichte.

Das Wanderziel kann als atemberaubende Tour für geübte Bergsteigerfamilien bezeichnet werden. Für Kinder stellt der Weg eine gewisse Herausforderung dar, ist aber bei ausreichend vorhandener Zeit und guter Ausrüstung auch zu schaffen. Jedoch ist die Tour absolut nichts für Kinderwagen. Und auch für Kleinkinder in der Kraxe ist sie nur eingeschränkt zu empfehlen.

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