Der unwiderstehliche Klang von Holz

Verglichen mit dem altehrwürdigen Geigenbau ist es ein noch junges Handwerk, deshalb aber nicht minder interessant: der Gitarrenbau.

Roland Metzner hat sich mit seiner Werkstatt in Wall niedergelassen und erklärt, worauf es ihm beim Bau seiner Instrumente ankommt.

In seiner Werkstatt hat Roland Metzner alle benötigten Einzelteile vorrätig.
In seiner Werkstatt hat Roland Metzner alle benötigten Teile und Rohmaterialien vorrätig.

Es ist alles andere als ein alltäglicher Beruf, den sich Roland Metzner ausgesucht hat. Aufgewachsen in Ostin, baut er seit mittlerweile 19 Jahren hochwertige Gitarren. Musik und handwerkliches Arbeiten waren dem 37-Jährigen schon immer wichtig. Und da er sich nie vorstellen konnte, den ganzen Tag lang am Schreibtisch zu sitzen, ergab sich schließlich seine Lehre als Zupfinstrumentenbauer als eine beinahe logische Folge.

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Zwar beschäftigte er sich während seiner Ausbildung auch mit verschiedenen anderen Instrumenten, wie Zithern, Hackbrettern, Harfen, Lauten und Mandolinen. Aber die Gitarre, als ein Instrument, das auf dem gesamten Globus verbreitet ist, faszinierte ihn am meisten.

Kein Vergleich mit Stradivari und Co.

So machte er sich vor zehn Jahren mit einer eigenen Werkstatt im beschaulichen Wall selbstständig. Anfangs erledigte er noch viele Reparaturen, doch der Schwerpunkt verlagerte sich rasch zum Bau neuer Instrumente und zum Experimentieren mit Materialien und Bauweisen. Neben der ständigen Weiterentwicklung der „klassischen“ Gitarre beschäftigt er sich mittlerweile auch mit dem Bau von E-Gitarren.

Im Gegensatz beispielsweise zur Geige ist die Gitarre ein recht junges Instrument. Zwar gebe es einige wenige Gitarrenbauer, die in der Vergangenheit Maßstäbe mit ihren Instrumenten gesetzt haben, aber das sei nicht vergleichbar mit Geigenproduzenten wie Antonio Stradivari oder Guarneri del Gesù, deren Instrumente heute zum Teil für zweistellige Millionenbeträge gehandelt werden, sagt Metzner. Die Entwicklung im Gitarrenbau sei noch lange nicht abgeschlossen.

Das Innenleben der Gitarre entscheidet über ihren späteren Klang, erklärt Roland Metzner.
Die Holzart und das Innenleben der Gitarre entscheiden über ihren späteren Klang, erklärt der Fachmann.

In seiner Anfangszeit baute er zwar solche „berühmten“ Gitarren nach, um gewisse Prinzipien und Zusammenhänge besser zu verstehen, doch inzwischen entwickelt er die Bauweise selbst stetig weiter. „Ich denke, man braucht nicht zwingend das beste Material, um ein gutes Instrument zu bauen. Es kommt immer auch auf die Abstimmung an“, erklärt der passionierte Handwerker. Und auch heute noch lerne er mit jeder Gitarre weiter dazu.

Erst jetzt, nach knapp 20 Jahren, habe ich die nötige Sensibilisierung in meiner Wahrnehmung erreicht, um gute Instrumente bauen zu können.

Damit ist im Laufe der Jahre auch Metzners Anspruch an die eigene Arbeit gestiegen. „Das hat natürlich den Nachteil, dass man diesem Anspruch eigentlich nie gerecht wird“, sagt er schmunzelnd. Zwischen 15 und 25 Gitarren baut er innerhalb eines Jahres für den Verkauf. Bis er ein Instrument zum ersten Mal spielen kann, stecken je nach Komplexität zwischen 70 und 150 Stunden Arbeit darin. Durch zahlreiche Lackschichten, erneutes Beschleifen und Trocknungszeiten vergehen bis zur Fertigstellung mehrere Monate.

Entscheidend für den guten Klang sind neben der Innenkonstruktion und einer möglichst dünnen Instrumentendecke auch Art und Alter des verwendeten Holzes. Altes Holz ist trockener und daher härter als jüngeres – ein großes Plus beim Instrumentenbau. Zudem sorgen verschiedene Holzarten aufgrund ihrer jeweiligen Eigenschaften für unterschiedliche Tonqualitäten. So erzeugt eine Decke aus Zedernholz einen volleren Klang als Palisander. Für den Bau der sehr einfach gehaltenen Flamencogitarre wird zum Beispiel gerne Zypressen- oder Fichtenholz verwendet.

Das Instrument findet seinen Besitzer

Den Großteil seiner Gitarren baut Roland Metzner ohne konkreten Auftrag. Er braucht eine gewisse Produktauswahl für die Messen und Festivals, auf denen er seine Arbeiten präsentiert. Besonders Berufsmusiker, aber auch anspruchsvolle Hobbymusiker, kaufen ihre „Arbeitsgeräte“ nicht blind, sondern probieren sie vor Ort aus und entscheiden nach Gefühl, ob ein Instrument zu ihnen passt. So findet dieses schließlich zu seinem neuen Besitzer.

Roland Metzner spielt eine "einfache" Gitarre aus seiner Fertigung - mit beeindruckendem Klang.
Roland Metzner spielt eine „einfache“ Gitarre aus seiner Fertigung – mit beeindruckendem Klang.

Das Ausprobieren sei, so Metzners Erklärung, auch deshalb wichtig, weil jedes Instrument immer etwas anders klinge. Das sei auch so, wenn er sie parallel, aus dem gleichen Holz und mit den gleichen Bauteilen gefertigt habe. Durch das Bespielen schließlich werde die Gitarre mit der Zeit immer besser, und zwar deutlich, wie der Gitarrenbauer betont.

Um Neues auszuprobieren, baut er zusätzlich sechs bis acht reine Versuchsgitarren im Jahr. „Manchmal wandern sie in den Ofen, manchmal bin ich aber auch erstaunt, wie gut sie klingen“, sagt er. Und genau diese Exemplare sind es, die Roland Metzner in seiner Arbeit bestätigen und dazu motivieren, dieses so weit verbreitete Instrument auch künftig weiter zu erforschen und stetig zu verbessern.

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