Eine Leserstimme von Karlheinz Heilmann

Des Mühlbachs trostloses Fristen

Von Redaktion

Die Limnologie unterscheidet drei regionale Grundtypen von Bächen: den Gebirgsbach, den Mittelgebirgsbach und den Flachlandbach.

Zu welcher Kategorie da unser Mühlbach in Weissach gehört, sei einmal dahingestellt. Im Grunde genommen fristet er bis heute ein beinahe trostloses Dasein. Eingezwängt in ein kanalähnliches Korsett, gleitet sein klares Gebirgswasser geradewegs, ja fast geräuschlos vom Ortsteil Oberhof Richtung See.

Das letzte Mal war der Mühlbach im Gespräch, als man ihm an der Wasserkraftanlage Rainersäge eine Fischwanderhilfe angedeihen ließ. Noch im selben Jahr diente er bei einem Großbrand ganz in seiner Nähe als willkommener Wasserspender. Das wars dann auch schon.

Vielleicht ist es ja reiner Zufall, dass eine nach ihm benannte Stubn ein ebenso trostloses Dasein beklagt. Dass diese Stubn dabei gleich den Bach runter gehen wird, wäre jetzt sicher übertrieben. Eingebettet in eine ehemals blühende Sportanlage für die Freunde der gelben Filzkugel, kann man sie als Gast nicht so recht einstufen. In der Regel empfängt den Besucher gähnende Leere.

Das erleichtert zwar die Platzwahl, aber so rechte Gemütlichkeit kommt da nicht auf. Beim flüchtigen Blick aus einem der Fenster entdeckt der Betrachter irritiert ein riesiges Möbellager. Das Speisenangebot variiert meist zwischen Debrecziner oder Wiener mit warmer Brezn. Die Debrecziner sind meistens schon aus.

Mitunter kann es auch mal vorkommen, dass der Kunde, ob Stubngast oder Sportler am späten Nachmittag gegen verschlossene Türen rennt, wenn das nette Fräulein hinter der Theke krank geworden ist. Das ist alles irgendwie unverständlich, soll es sich doch hier um die Dependence eines renommierten Nobelhotels handeln.

Einen kleinen Trost schenkt uns da das Internet: „für Rentner und Rollstuhlfahrer geeignet“, andererseits wenn im Gemeindeboten leider fälschlicherweise zu lesen ist: „werktags das ganze Jahr bis 22:00 Uhr geöffnet“.

Durchaus möglich, dass das Ganze etwas mit dem traurigen Mühlbach zu tun hat. Wobei es dem egal sein kann, wenn sein Wasser irgendwann ins Schwarze Meer geflossen ist.

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