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Tierschützer beschweren sich über Amphibiensterben

Von Nina Häußinger

Die Amphibien sind los. An vielen Stellen im Landkreis werden aktuell wieder Schutzzäune aufgebaut. Doch Tierschützer beschweren sich jetzt: Die Maßnahmen seien nicht ausreichend.

Jetzt beginnt wieder die Amphibienwanderung ...
Jetzt beginnt wieder die Amphibienwanderung …

Es kreucht und fleucht im Landkreis Miesbach. Aufgrund der aktuellen Witterungsverhältnisse ist es wahrscheinlich, dass Erdkröte und Grasfrösche ihre Wanderungen zu heimatlichen Gewässern antreten, um dort zu laichen. „Sobald an den Winterquartieren der Schnee geschmolzen ist und der Weg zu den Laichgewässern frei ist, setzt die Amphibienwanderung ein“, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts Miesbach.

In der vergangenen Woche herrschte im Landkreis noch strenger Frost bei teilweise unter minus 20 Grad, eine Woche später reichen die Temperaturen schon wieder fast an plus 20 Grad heran. Der derzeitige Witterungsverlauf macht also ein plötzliches Einsetzen der Wanderungen von Erdkröten und Grasfröschen nun immer wahrscheinlicher.

Problematisch wird die Reise vor allem dann, wenn die ohnehin in ihrem Fortbestand gefährdeten Tiere Straßen und Wege überqueren müssen. Der Verkehr wäre für die Amphibien lebensgefährlich, doch die Behörden haben praktikable Lösungen entwickelt. Neben fest installierten Tunnellösungen werden seit einigen Tagen flexible Leiteinrichtungen entlang der bekannten Amphibienwanderwege eingerichtet.

Warnhinweise beachten, um Helfer nicht zu gefährden

Diese gibt es am Teufelsgraben (Staatstraße 2073 Holzkirchen – Dietramszell) und zwischen dem Schweren Gatter und dem Zipflwirt/Bayrischzell (Staatsstraße B307), oder nur flexible Leiteinrichtungen bei Fehn am Bach (Kreisstraße MB 21), bei Vordereben (Kreisstraße MB 8), am Ortsausgang Sufferloh Richtung Warngau (Kreisstraße MB 19) und in Kreuth/Grüneck (Staatsstraße B307).

Nur Schilder aufgestellt werden an den Absammelbereichen Neukirchen und Bruck, in der Gemeinde Weyarn (Kreisstraße MB 17). Das widerstrebt jedoch Tierschützern. Sie haben an dieser Stelle in den letzten Tagen schon rund zehn tote Frösche gefunden. „Wahrscheinlich hätten diese Tiere nicht sterben müssen, wenn das Landratsamt Miesbach auf die Bitten ehrenamtlicher Naturschützer gehört und rechtzeitig Schutzzäune im betroffenen Gebiet aufgestellt hätte“, heißt es in einem Schreiben von Werner Fees.

Tierschützer beschweren sich

In der näheren Umgebung des Seehamer Sees, im Endmoränenbereich, liegen bei Bruck und Neukirchen (Landkreis Miesbach) zwei kleine Weiher, die Naturschützern seit Jahren als Amphibien-Laichbiotope bekannt sind. Auch im letzten Jahr hatten die Tierschützer das Landratsamt schon über die Situation informiert. Damals habe man dann nur Schilder installiert und Zäune für 2018 in Aussicht gestellt.

Wie Pressesprecher Birger Nemitz auf Nachfrage bestätigt, sei das Landratsamt bereits in Kontakt mit den Anwohnern. Allerdings solle es sich nach Einschätzung der Experten der Naturschutzbehörde an dieser Stelle nur um einige Hundert Amphibien handeln. Im Vergleich dazu wird in Kreuth von rund 14.000 Kröten und Fröschen ausgegangen. Nemitz weiter:

Falls wir uns entschließen sollten, im nächsten Jahr auch hier einen Zaum aufzustellen – was ich nicht ausschließen will – so müssten wir erst einmal einen Antrag an die Regierung von Oberbayern zur Kostenübernahme stellen. Außerdem müssen wir dann viele freiwillige Helfer organisieren, die den Zaun, beziehungsweise die Sammelbehälter am Zaum regelmäßig absammeln

Zwar sind Auf- und Abbau schnell erledigt. Doch die Leiteinrichtungen bedürfen einer sorgfältigen Betreuung, denn die Amphibien müssen täglich über die Straßen getragen werden, nachdem sie in Plastikeimern gesammelt wurden. Erst dann können sie ihren Weg zu den Laichplätzen fortsetzen. An manchen Stellen würden so bis zu 10.000 Tiere gerettet, schreibt das Landratsamt. Diese ziehen in großen Gruppen los, an manchen Tagen kommen so rund 2.000 Tiere an einem Standort zusammen.

Ehrenamtliche Helfer vom Bund Naturschutz sowie andere Freiwillige leisten dabei eine aufwendige und nicht ganz ungefährliche Arbeit, schließlich müssen sie sich stets in der Nähe der Straßen aufhalten. Daher bittet das Landratsamt die Verkehrsteilnehmer, „die Beschilderungen und Warnhinweise zu beachten, um die Helfer und Betreuer nicht in ernsthafte Gefahr zu bringen.“


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