Die andere Seite des Tals – Auch am Tegernsee brauchen Menschen Unterstützung

Von Eduard

Schicke Autos, große Häuser, tolle Wohnungen. Die Männer im Porsche, ihre Frauen im Pelz und die Schickeria ist auch nicht weit. So stellt man sich landauf, landab den Tegernsee vor. Dabei übersehen viele die „andere Seite“ des Tals: Sozial benachteiligte, die aus unterschiedlichsten Gründen bisher nicht so viel Glück hatten. Alte Menschen, die kaum mit ihrer Rente über die Runden kommen. Familien, die es ohne Hilfe nicht schaffen würden. Alleinerziehende junge Mütter, denen das Geld „hinten und vorne nicht reicht.“

Diesen Menschen zu helfen haben sich einige Organisationen im Tal auf die Fahne geschrieben. So wie die Gmunder Tafel, die immer Samstags von 14:30 bis 16:00 Uhr ihre Pforten öffnet. Ein Bericht von einem ganz normalen Samstag:

Drei Stunden laufen für eine Einkaufstasche voller Lebensmittel

Es ist 14:15 Uhr und die Menschen kommen in strömen: Sie lassen sich von Verwandten und Freunden fahren, manche laufen auch – bis zu 1,5 Stunden für eine Richtung. Schlicht, weil das Geld für den Bus fehlt. Wie auf dem Amt zieht man zuerst eine Nummer. Im Warteraum sind Bänke, um sich während des Wartens auf die Essensausgabe zu setzen. Eine Hilfe gerade für ältere und körperlich eingeschränkte Kunden.

Bei Aufruf geht`s in die Küche: Schubweise, damit alles fair und ohne großes Drängeln abläuft. Mit Vorlage eines Sozialausweises darf sich jeder für einen Euro das aussuchen, was er braucht.

Bei der Essensausgabe in der Gmunder Tafel am Samstag Nachmittag

Die Kunden der Gmunder Tafel

Vor 5 Jahren wurde die Tafel von Monika Fabian und Helga Auth ins Leben gerufen. Mit ihrem Engagement haben sie es schnell geschafft, alle fünf Talgemeinden für das Projekt zu begeistern. Jeder Euro Kundenumsatz wird ausschließlich für die Lebensmittel eingesetzt. Die Miete übernehmen die Tal-Gemeinden und den Strom das E-Werk. Die Helfer arbeiten ehrenamtlich.

Den Initiatorinnen ist es besonders wichtig, die Bezeichnung „Kunde“ zu verwenden. Nicht hilfesuchend und schon gar nicht arm. Jeden Samstag kommen schätzungsweise 85 Kunden zur „Tafel“ gegenüber dem Gmunder Bahnhof. Die freiwilligen Helfer treffen sich bereits um 12:30 Uhr, um die mitgebrachten Lieferungen zu sortieren: Leider wird die Einrichtung vor allem von größeren Geschäften auch gerne als Abfalleimer benutzt. Viel abgelaufene Ware ist dann unter den Spenden und man kann manchmal fast nichts verwenden. „Keine große Unterstützung“ sei das, findet Claudia, die alle sechs Wochen kommt und bei der Verteilung hilft. „Schließlich sind wir ja keine Müllentsorgungsanlage.“

Es kommt aber auch viel gute Ware zusammen. Vor allem von den hiesigen Lebensmittelgeschäften. Normalerweise geht niemand mit leeren Händen nach Hause. Die Eier sind sogar frisch vom Bauern. Richtig gut.

Manchmal ist das Leben nicht einfach

Unterstützt wird die Tafel auch von Helfern der Diakonie. Diese konzentrieren sich auf die Hilfe alter, kranker und gebrechlicher Menschen. Manchmal obdachlos und manchmal auch beides. Die Diakonie versucht zu helfen, wo es nur geht: Bei der Unterbringung oder auch bei der Verpflegung. Bei Suchtkranken geht es oft um eine neue Perspektive. Die Helfer hören oft einfach nur zu, bringen Menschen zu Selbsthilfegruppen oder suchen gemeinsam nach neuen Aufgaben. Anstrengend sei das, wie uns ein Helfer erzählt. Und die Rückschläge sind schlimm. Menschlich und körperlich.

Der Aufgang zur Tafel. Das Gebäude steht direkt vor dem Gmunder Bahnhof.

In der Tafel bekommt man an einem normalen Samstag nicht viel davon mit. Die meisten Kunden sind freundlich und lächeln, wenn sie wieder gehen. Gerüstet mit dem Nötigsten für die kommende Woche. Natürlich reicht die Menge normalerweise nicht komplett aus. Aber eine große Hilfe ist es allemal. Das wissen die Kunden und danken es im Stillen.

Eine Woche braucht es jetzt, bis sie wieder Lebensmittel und vor allem Aufmerksamkeit und Hilfe bekommen. Bei der Gmunder Tafel gibt es Hilfe und das ist wichtig. Auch und vor allem hier, wo einem tagtäglich vor Augen geführt wird, wie sorglos das Leben auch sein kann. Im Porsche. Mit Pelzmantel.

Wer ist am Tegernsee sonst noch für die „andere Seite“ des Tals zuständig?

Diakonisches Werk Bayern
– Alten- und Krankenpflege
– Kinder-und Jugendarbeit
– Obdachlosenhilfe
– Vermittlung zu Angehörigen oder Behörden
– Fahrdienste
Haushaltshilfe
www.tegernsee-evangelisch.de/diakonie.php

Der Lionsclub Tegernsee
Unter anderem Unterstützung von Hilfsbedürftigen und Kranken, ob durch finanzielle Mittel, Therapieformen oder Sachspenden
www.lionsclub-am-tegernsee.de

Lebenshilfe
Lebenshilfe für geistig und mehrfach behinderte Menschen
www.lhmb.org

Distrikt 1840 RC Tegernsee
– Projekt „Freunde – Ein Präventionsprojekt für Kinder gegen Sucht und Gewalt“
– Haus „Bambi“, ein heilpädagogisches Kinderhaus der Lebenshilfe Nachhilfe
www.rotary1840.org/tegernsee

Johanniter Tegernsee
– Fahrdienste
– Pflege und Beratung
– Betreuung
– Unterstützung zuhause
– Verpflegung
– Wohnkonzepte
– Lebenshilfe
www.johanniter.de/dienstleistungen/

Caritas
– Suchtambulanz für Suchterkrankungen
– Sozialstation
– Psychische Gesundheit
– Kindergarten
– Kinderhort
http://www.caritas-miesbach.de/

Wer noch weitere Hilfsorganisationen kennt, die wir nicht aufgelistet haben, kann uns gerne an info@tegernseerstimme.de die passenden Informationen zusenden. Wir werden diese dann online ergänzen.


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