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In Rottach fragen sich manche "Umweltsünde" oder doch nur ein Brauch?

Die „Bixn“ sind los

Von Nina Häußinger

Ratlose Gesichter in Rottach-Egern. Eine Blechlawine aus Dosen überflutet förmlich den Ort. Da wurde den Bewohnern wohl in der Nacht übel mitgespielt … oder hat doch jemand Grund zur Freude? Einheimische wissen es vermutlich 😉

So sah Rottach in der letzten Woche aus – nicht jeder weiß, was das zu bedeuten hat

In Rottach-Egern war die Aufregung letzte Woche groß. Ein Übeltäter, so scheint es, hat sich über Nacht ans Werk gemacht und weite Teile des Ortes mit Müll verunstaltet: leere Blechdosen wohin man sieht. Von der Aribostraße rund um die Popperwiese durch die Seestraße, entlang der Hauptstraße stehen sie – und zwar in Reih und Glied. Eine Anwohnerin schreibt:

Seit 2 bis 3 Tagen stehen an mehreren Straßen in Rottach-Egern rechts und links der Fahrbahn viele hundert, wahrscheinlich tausende leere Blechbüchsen, teilweise hat man sie sogar auf den privaten Gartenhecken entlang der Gehwege platziert, viele Dosen sind inzwischen umgefallen und rollen herum auf den Gehwegen. Es scheint ein Scherz zu sein, eventuell nach einer Hochzeit. Aber wer räumt das alles weg?

Üble Verschmutzung oder hat das doch einen anderen Grund? Viele gingen dann vermutlich doch eher schmunzelnd an der Blechdosenflut vorüber. Denn Einheimischen ist der Streich wohl bekannt. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen alten bayerischen Brauch. Irgendwo muss ein Mädchen geboren worden sein – so hat der Vater doppelten Grund zur Freude: an seiner „Bixn“ (so wird gemeinhin das neugeborene Mädchen bezeichnet) und am Aufsammeln der Dosen, die ihm seine Freunde zum freudigen Anlass „geschenkt“ haben.

Was heute so mancher Bürger als „frauenfeindlich“ interpretieren würde, hat eine lange Tradition in Bayern. Früher waren Mädchen für ihre Väter recht teuer, da sie ja „nur“ im Haushalt helfen konnten und zudem ihre Hochzeitsfeier vom Vater ausgerichtet werden musste. Auch die Aussteuer kam dem Brautvater damals nicht billig.

„Bixn“ für den „Bixnmacher“

Als „Bixnmacher“ wurde dann ein Mann bezeichnet, der nur mit Mädchen vom Herrgott gesegnet wurde. Die Nachbarn spendeten zu dieser Zeit sogar oft Geld für den „armen Kerl“, wenn sein Erstgeborenes weiblich war.

Heute, im Zeitalter der Kleinfamilie, hat sich das natürlich geändert und es genügt bereits eine Tochter, um als „Bixnmacher“ zu gelten – und um den Spaß mit den Dosen mitmachen zu müssen. Der aktuellen „Bixnmacher“ konnte man letzte Woche wohl sehr lange dabei beobachten, wie er das ungewöhlich große Ausmaß des Dosenstreichs beseitigt.

Die TS sagt herzlichen Glückwunsch zum neugeborenen Mädchen.


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