Die exakten Arbeitslosenzahlen für’s Tal: Wenig Bewegung bei wenig Arbeitslosen

Von Redaktion

Wir haben uns mal wieder hingesetzt und uns die genauen Arbeitslosenzahlen für das Tegernseer Tal angeschaut. Das letzte Mal hatten wir das Anfang Mai gemacht. Das ist jedes Mal ein ziemlicher Aufwand für uns und das Arbeitsamt in Miesbach. Die Zahlen stehen in einem dicken „Telefonbuch“, in dem alle Zahlen für alle Gemeinden aus ganz Deutschland aufgeführt sind. Heißt also ziemlich viel blättern und rausschreiben. Interessant ist es trotzdem jedes Mal. Danke an dieser Stelle auch an Frau Konstanciak von der Arbeitsagentur in Miesbach, die uns dabei geduldig geholfen hat.

Im Vergleich zum April kann man ziemlich gut die sogenannte Saisonbelebung im Tal nachvollziehen. Gab es im April noch insgesamt 146 Anmeldungen zur Unterstützung bei der Arbeitsagentur, sind es für den Zeitraum Mitte Juni – Mitte Juli nur noch 87 Neuanmeldungen. Bei den Abmeldungen ist die Zahl dagegen von 218 im April auf 93 Abmeldungen im Juli gesunken – das interpretieren wir so, dass in den letzten Monaten viele Menschen neu untergekommen sind und deswegen im Moment einfach weniger zu vermitteln ist, bzw, in den Sommermonaten tendenziell weniger Bewegung im Arbeitsmarkt herrscht – für ein Touristengebiet, wie dem Tal, hat die Saison inzwischen begonnen und die Stellen sind besetzt.

Rein auf das Tegernseer Tal bezogen kann man sagen, dass sich die Zahlen ähnlich entwickelt haben, wie im restlichen Landkreis. Auch dort herrscht zur Zeit wenig Bewegung. Wobei 3,4 % Arbeitslosenquote auch nur wenig Bewegung zulässt. 87 Neuanmeldungen gegenüber 93 Abmeldungen im Tal ist gerade einmal eine Differenz von 6 arbeitslos gemeldeten weniger für das Tal. Stillstand. Die Quote für das Tal lässt sich leider nicht einzeln berechnen. Sie wird aber auf ähnlichem Niveau wie im Landkreis liegen. Tendenziell eher etwas darunter.

Interessant ist dagegen die Entwicklung bei den HartzIV Empfängern. Zwar sind 12 Neuanmeldungen im Tal dazu gekommen (April: 33) – dem gegenüber stehen aber auch 23 Abmeldungen (April 26). Wobei nur von 8 der Abmeldungen bekannt ist, dass sie wieder Arbeit aufgenommen haben. Für die restlichen 15 ist der Verbleib also unklar. Am wahrscheinlichsten dürften Wegzüge sein. Obdachlose gibt es im Tal unserer Meinung nach eher wenige – oder sie sind gut versteckt.

Zur Begriffsklärung und damit wir auch wirklich vom Gleichen reden:

Unter Arbeitslosengeldbezieher verstehen wir alle, die nach dem SGB3 bezahlt werden. Heißt im Klartext: weniger als 12 bzw. 18 Monate (ältere Arbeitnehmer) arbeitslos. Bezahlt wird hier zwischen 60% (Alleinstehende) und 67% (mit Kind) des letzten Gehalts.

Unter HartzIV-Bezieher verstehen wir alle, die nach SGB2 bezahlt werden. Heißt also: Alle, die länger als 12 bzw. 18 Monate arbeitslos waren. Alle, die aus Selbstständigkeit heraus arbeitslos geworden sind und darum keine Ansprüche haben. Und alle, die noch nicht lange genug gearbeitet haben, um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben. (Meist Jugendliche nach dem Schulabschluss, Studenten oder z.B. verlassene Hausfrauen)

Bei den Abmeldungen ist zu beachten, dass nicht immer ganz klar ist, was aus den Menschen geworden ist. Hier im Tal hat ein Großteil davon aber wieder Arbeit gefunden. In Rottach-Egern z.B. haben von 32 Abmeldungen 22 wieder eine bezahlte Arbeit aufgenommen. In Bad Wiessee sind von 15 Abmeldungen 4 in Arbeit und 3 in Berufsausbildung gewechselt. Die, bei denen man es nicht weiß, können in verschiedenste Richtungen verschwunden sein: Die (geplant werdende) Mutter z.B., die noch 12 Monate Arbeitslosengeld bezieht aber sich nicht mehr für HartzIV meldet, weil z.B. der Mann zu viel verdient. Andere machen sich selbstständig oder leben lieber von ihren Ersparnissen, anstatt den „HartzIV-Offenbarungseid“ zu leisten. Auch Umzüge kommen in Betracht.

Das sind die exakten Zahlen für die Gemeinden

Gmund:
neu Angemeldet: 23
davon Arbeitslosengeldbezieher: 18
davon HartzIV-Bezieher: 5

Abgemeldet: 15
davon ehemals Arbeitslosengeldbezieher: 12
davon ehemals HartzIV-Bezieher: 3

Tegernsee:
neu Angemeldet: 20
davon Arbeitslosengeldbezieher: 17
davon HartzIV-Bezieher: 3

Abgemeldet: 17
davon ehemals Arbeitslosengeldbezieher: 13
davon ehemals HartzIV-Bezieher: 4

Rottach:
neu Angemeldet: 20
davon Arbeitslosengeldbezieher: 20
davon HartzIV-Bezieher: 0

Abgemeldet: 32
davon ehemals Arbeitslosengeldbezieher: 26
davon ehemals HartzIV-Bezieher: 6

Kreuth:
neu Angemeldet: 11
davon Arbeitslosengeldbezieher: 11
davon HartzIV-Bezieher: 0

Abgemeldet: 14
davon ehemals Arbeitslosengeldbezieher: 10
davon ehemals HartzIV-Bezieher: 4

Bad Wiessee:
neu Angemeldet: 13
davon Arbeitslosengeldbezieher: 18
davon HartzIV-Bezieher: 4

Abgemeldet: 15
davon ehemals Arbeitslosengeldbezieher: 9
davon ehemals HartzIV-Bezieher: 6

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Tegernseer Tal wirklich extrem gut dran steht. Die Zahl der Erwerbslosen ist, wie schon im April, weiter rückläufig. Die Meisten Arbeitslosen werden noch innerhalb des ersten Jahres, sprich aus SGBIII, neu vermittelt. Allerdings wird sich die Zahl im Tal auch mit dem Winter wieder ändern. Das ist erwartungsgemäß einfach die Bewegung, die ein touristisches Gebiet mit Sommerschwerpunkt hat. Genau wissen wir das, wenn wir uns im Dezember die Zahlen angeschaut haben. Trotzdem: Besser wie im Tegernseer Tal wird der Arbeitsmarkt nur in sehr wenigen Gebieten in Deutschland aussehen…


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