"Das Verhalten der Gäste hat sich verändert"

Die Glücklichmacher vom Tegernsee

Von Rose Beyer

Nicht reden, sondern anpacken! So lautet die Devise der Initiative „Die 7 Gastgeber“, die sich im heimischen Wohnzimmer im Haus Kampenblick versammelt haben.

Sieben sind sie insgesamt. Allesamt Frauen. Und alle mit Spaß und Liebe Vermieter im Tal. Jeweils acht bis 38 Betten haben sie zu bieten. Man lässt sich gemeinsam auf der Eckbank rund um den Kaffeetisch nieder. Bei Kuchen und dampfendem Kaffee redet sich’s unbeschwert.

Nicht am heimischen Kaffeetisch, aber trotzdem in geselliger Atmosphäre. Quelle: 7gastgeber.de

Sieben Frauen, die den Tourismus der Zukunft, die Herausforderung dahinter und die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten suchen. „7 Gastgeber“ – so heißt die Arbeitsgemeinschaft, die sich vor vier Jahren bei einer Tourismusschulung zusammengefunden hat.

„Es sind immer die gleichen Leute, die auf die Schulungen gehen. Da kennt man sich bald.“ Judith Winkler ist die einzige Kreutherin in der Runde. Wie ihre sechs Mitstreiterinnen wirbt auch sie um den „glücklichen Gast“, der sich hier fühlt wie „ein Einheimischer auf Zeit“ und aus seinem Urlaub vom Tegernsee heimkommt und sagt: „Schön war’s“.

Anfangs war der Kontakt nur lose

Die Themen der „7 Gastgeber“ sind zum Beispiel die TegernseeCard oder die Preisgestaltung genauso wie Ausstattung oder anstehende Renovierungen ihrer Häuser. Die Arbeitsgemeinschaft schaut sich andere Gästehäuser an oder testet touristische Angebote im und um das Tegernseer Tal. Nur so können sie ihren Gästen auch wirkliche Empfehlungen und Erfahrungen weitergeben.

Die TTT benachrichtige zwar via Newsletter oder Tagespresse über Veranstaltungen und Aktuelles. Man könne aber nicht erwarten, dass der Gast sich ausschließlich über die Touristinfo informiert. Schließlich seien es ihre Gäste und nicht Gäste der Gemeinde oder der TTT. Das ist die einhellige Meinung bei den „7 Gastgebern“.

Aus der ersten Kaffeerunde heraus wurde schnell eine intensive Zusammenarbeit. Vier Mal im Jahr finden inzwischen gemeinsame Treffen statt, bei besonderen Anlässen auch außerhalb der Reihe. Die Themen werden vorbereitet und diskutiert, jeder denkt für sich bis zum nächsten Treffen darüber nach und bringt sich ein. Entscheidungen, die das eigene Haus betreffen, werden selbstverantwortlich getroffen. Natürlich helfen sie sich aber gegenseitig mit Tipps und Erfahrungen.

Gäste glücklich zu machen, lässt sich lernen

Gastfreundschaft besteht für die Damen aus Wärme, bayerischer Bodenständigkeit, Natürlichkeit, Erholung und Information. Es sind die kleinen Dinge, auf die es den Gästen anscheinend ankommt: das gute Gespräch, Familienanschluss, die Praline auf dem Kopfkissen, der Busfahrplan im Prospektständer, Tipps für Ausflüge oder ein guter Restauranttipp.

Qualitätsdenken, Service, Dienstleistung, bestmöglicher persönlicher Kontakt. Wie man den Gast möglichst glücklich macht, kann man lernen. Alle sieben Gastgeber sind im Tourismusbereich engagiert. Steffi Erlacher ist im Vorstand des Wiesseer Verkehrsvereins. Birgit Trinkl bei den Freunden und Förderern des Jodschwefelbades, und Judith Winkler ist Schriftführerin beim Kreuther Verkehrsverein. Ein paar sind auch im Verein der alpinen Gastgeber aktiv.

Der Gast ist anspruchsvoller geworden

„Nach innen hin wirken, nach außen hin strahlen.“ Diesen Leitspruch hatte Anastasia Stadler, die zum Vorstand des Rottacher Verkehrsvereins gehört, geprägt. Diese Anforderung zu erfüllen, ist auch für die sieben Damen nicht immer einfach. Das Verhalten der Gäste hat sich geändert, seit sie Unterkünfte weltweit mit ein paar Mausklicks vergleichen können. Und sie sind sehr reiseerfahren und unberechenbar. Heute Hotel. Morgen einfache Pension. Mal Schiffsreise. Mal Pauschalurlaub. Oder Camping. Der Gast von heute ist nicht festlegbar.

Der neue Gast kann viel besser einschätzen, was guter Urlaub wert ist. Er ist selbstbewusster geworden, weiß über ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis Bescheid und auch, was ihm anderswo geboten wird. Wie gut, dass Dienstleistung und Service nicht immer 1:1 mit Geld aufzuwiegen sind, sondern vor allem Spaß und Liebe an der Arbeit verlangen. Wenn die Rechnung der sieben Gastgeber aufgeht, dann spürt der Gast auch: „Ich bin hier gut versorgt.“

Um dieses Ziel zu erreichen, wollen sich die sieben Damen auch in Zukunft regelmäßig treffen, sich weiter Gedanken über den „richtigen“ und „zukunftsfähigen“ Tourismus im Tal machen und ihn vor allem in den eigenen Betrieben vorleben. Unabhängig von den etablierten Tourismusorganisationen und Verbänden. Einfach, weil sie Spaß daran haben und es den Gästen im Tal so schön wie nur möglich machen wollen. Damit die wiederrum glücklich sind – in der „schönsten Zeit des Jahres“.


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