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Die Hausärzte streiken auch im Tegernseer Tal – und keiner versteht`s

Von Redaktion

Anmerkung vom 27. August / 10:24 Uhr
Heute ist der zweite und vorläufig letzte Tag des Hausärzte-Streiks. Und somit auch die letzte Chance bei seinem persönlichen Hausarzt in Gmund oder einer der anderen Talgemeinden vor verschlossener Tür zu stehen und das folgende Plakat zu bewundern.

Die Hausärzte streiken

Wie erwartet war das Medienecho zum Streik sehr groß. Auf der Seite des Hausärzte-Verbandes kann man sich die wichtigsten Fernseh- und Radioberichte dazu anschauen.

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Ursprünglicher Artikel vom 25. August:
Am Donnerstag und Freitag streiken die Hausärzte. Auch im Tegernseer Tal wird nur jeder 6. seine Praxis öffnen. Und das grundsätzliche Gefühl, das uns beim Lesen der Nachricht überkommt, lässt sich mit den Worten zusammenfassen: “Streik? Die Ärzte? Warum denn jetzt schon wieder?!”

Da die Lektüre der heutigen Ausgabe der Tegernseer Zeitung keine Antwort auf die Frage nach dem “Warum wirklich” gibt, versuchen wir mal die für uns noch offenen Fragen zu klären:

Warum streiken die Ärzte denn jetzt wirklich?
Das weiß eigentlich keiner so genau. So wie sich die Sachlage darstellt sind es aber zwei Hauptfaktoren:
1. Eine diffuse Angst, dass da von Seiten der Regierung irgendwas kommen könnte und den bayerischen Hausärzten den derzeitigen Zusatzverdienst in Höhe von > 1.000 Euro monatlich durch die Hausarztverträge wegnimmt. Diffus deswegen weil die sogenannten Hausarztverträge in Bayern durch einen Bestandschutz abgesichert sind.
2. Eine Profillierungssucht des Verbandes und vor allem des Vorsitzenden Wolfgang Hoppenthaller, gleichzeitig auch Vize-Chef des Deutschen Hausärztetages. Das ganze erinnert an die Art und Weise wie ein DGB oftmals die Belange der Mitglieder “schützt” und für seine eigenen Ziele missbraucht. Allerdings sind es dort die Arbeitgeber, gegen die gestreikt wird und die Anteilseigner die die leidtragenden sind. In dem Fall jetzt sind es die Patienten. Und die haben sich das, im Gegensatz zu den Anteilseignern, nicht selber ausgesucht.

Geht es wirklich um die Existenz der Hausärzte?
Ein ganz klares Nein!
In diesem Beitrag stellen zwei Hausärzte beispielhaft Ihre monatlichen Einkünfte vor. Und beide betonen, dass die Berechnungen auch auf andere Hausärzte angewendet werden können. Zwischen 5.500 und 6.000 Euro Brutto kommen da, nach eigener Aussage, monatlich für den Hausarzt zusammen. Zuzüglich mindestens 1.000 Euro durch die Sonderzahlungen aus den Hausarztverträgen.

Eine zweite Quelle zeigt sogar ein höheres Einkommen: Laut aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) verdienen Hausärzte deutschlandweit über 100.000 Euro. Das macht dann durchschnittlich 8.300 Euro pro Monat und damit mehr als die Fachärzte in Deutschland einnehmen.

Und auch wenn die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt und man davon kein Millionär wird. Bei 7.500 Euro im Monat von Existenzangst zu sprechen, ist fast schon zynisch.

Ist die dezentrale, wohnortnahe Versorgung durch Hausärzte langfristig in Gefahr?
Das kann keiner 100% richtig vorhersagen, geschweige denn heute beantworten.
Sicher ist: Eingesessene Ärzte mit eigener Praxis werden sich bei der Einkommenssituation nur in den seltensten Fällen auf einen anderen Job, beispielsweise in einer Klinik, einlassen.
Da aber viele Hausärzte nicht mehr ganz jung sind und die Entwicklung unter jungen Medizinern eher in Richtung Facharzt tendiert, könnte es bei der Hausarztversorgung tatsächlich langfristig schlecht aussehen.

Die Frage ist natürlich wann das passiert. Und vor allem ob durch das Festhalten an den Sondervergütungen die Attraktivität für junge Ärzte um soviel höher wäre wie ohne.

Eine Lösung für das Problem könnte beispielsweise auch sein, Förderprogramme zur Hausarzt-Weiterbildung anzubieten. Oder Stipendien für angehende Mediziner, die sich quasi als Hausarzt verpflichten. Beides Ideen, die die Attraktivität des Berufs nur indirekt erhöhen. Dafür aber weniger Geld kosten.

Doch wenn man ehrlich ist, geht es bei der Aktion am Donnerstag und Freitag ausschließlich um`s Geld. Und so werden die Praxen – auch im Tegernseer Tal – zu 85% geschlossen bleiben. Und der Patient wird, trotz schöner Plakate und Anzeigen in der Zeitung das Gefühl nicht los:

“Da wird mal wieder irgendwas auf meinem Rücken ausgefochten. Nur weiß ich nicht genau was.”

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