Behindertenbeauftragter stellt Sicherheit des Kreisels Seeglas in Frage
“Die Million wäre ein wunderbares Verkehrsleitsystem fürs Tal”

von Rose Beyer

Die Planungen für den Kreisverkehr in Gmund sind nicht ausgereift. Davon ist zumindest Anton Grafwallner überzeugt. „Für die Million, die der Kreisel kostet, hätte man ein wunderbares Verkehrsleitsystem für das Tal bekommen.“

Gerade um die Sicherheit von Menschen mit Handicaps macht sich der Behindertenbeauftragte des Landkreises Sorgen. Verschiedene Mängel kreidet er den Planungen an. Und macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass es ihm Ernst sei. „Ich bin nicht gewillt, nachzugeben.“

Die Planung rund um die Seeglas-Kreuzung. Links geht es nach Tegernsee, rechts nach Gmund/Quelle: Gemeinde Gmund

Grundsätzlich stützt sich Grafwallner auf das Bayerische Behindertengleichstellungsgesetz, nach dem alle baulichen Anlagen barrierefrei ‒ also auch für Behinderte ohne fremde Hilfe nutzbar ‒ zu gestalten sind. Und das sei bei der Planung in Gmund nicht gegeben. „Wie soll man hier über die Straße kommen?“, fragt er sich.

Querungshilfen zu weit entfernt

Einerseits seien die Fußgängerquerungshilfen zu weit von der Ein- und Ausfahrt des Kreisverkehrs entfernt. Bei einer Entfernung von 15 Metern befänden sich die ausfahrenden Fahrzeuge bereits wieder in der Beschleunigungsphase, erläutert Grafwallner. Vier bis fünf Meter wären eine sichere Empfehlung ‒ mit dieser Entfernung ist beispielsweise der Waakirchner Kreisel geplant.

Bürgermeister Georg von Preysing erklärt auf Nachfrage, dass ihm die Barrierefreiheit des Kreisels ebenfalls ein Anliegen sei und dass man in der Gemeinde bemüht sei, auf die Anregungen Grafwallners zu reagieren. Die Querungshilfen sollen deshalb wie gewünscht näher an die Ein- und Ausfahrt rutschen. „Nicht ganz auf vier Meter, aber fast“, bestätigt der Rathaus-Chef.

„Radfahrer und Fußgänger müssen ausweichen“

Ein großes Problem sieht Grafwallner zudem in der Neuanlegung der Zufahrtsstraße zum Parkplatz. Denn damit werde der kombinierte Fuß- und Radweg auf rund 30 Meter unterbrochen, und Fußgänger sowie Radfahrer seien gezwungen, auf die Fahrbahn auszuweichen.

Eine unsichere Situation für schwächere Verkehrsteilnehmer, wie etwa kleine Kinder, die gerade erst Radfahren lernen. Fatal mutet es etwa für Blinde an, die dann keinerlei Orientierungshilfen mehr haben. Doch die Lösung für dieses Problem stellt für Grafwallner ein großes Fragezeichen dar.

Auch zu diesem Thema sei die Gemeinde bemüht, eine Lösung zu finden, wie Preysing erklärt. So solle der Radweg ein Stück in Richtung Bahngleis verlegt werden. Im Kreisel sollten sich nur motorisierte Verkehrsteilnehmer befinden, und die Unterbrechung des Weges würde laut Bürgermeister so kurz wie möglich ausfallen.

Sichere Überquerung nur mit Zebrastreifen

Zebrastreifen sieht die Bayerische Baubehörde nicht gern. Eine Feststellung, mit welcher der Freistaat bundesweit allein dasteht. Grundlage bildet ein Erlass aus dem Jahr 2011, dessen Gültigkeit Grafwallner nun infrage stellt. Denn der Erlass widerspricht dem Gleichstellungsgesetz. Das Ganze hat rechtliche Hintergründe, denn nur mit Zebrastreifen sei die Verantwortung für eine unfallfreie Überquerung der Straße eindeutig dem Fahrzeugführer zugeordnet.

An der Kreuzung in Gmund Seeglas wird schon bald ein Kreisverkehr entstehen
An der Kreuzung in Gmund Seeglas wird schon bald ein Kreisverkehr entstehen

Die Situation ohne Zebrastreifen ist folgende: Der aus dem Kreisplatz ausbiegende Verkehr ist wartepflichtig gegenüber dem kreuzenden Fußgänger oder Radfahrer. Der in den Kreisplatz einfahrende Verkehr hat Vorfahrt gegenüber dem kreuzenden Fußgänger oder Radfahrer. Eine Regelung, die wohl nicht allen Verkehrsteilnehmern geläufig sein dürfte.

„Mir geht es um Sicherheit“

Grafwallner akzeptiert die aktuellen Planungen allerdings nicht. „Für die Million, die der Kreisel kostet, hätte man ein wunderbares Verkehrsleitsystem fürs Tal bekommen“, sagt er. Gleichzeitig fordert er dringend auf, den bestehenden Plan zu überarbeiten ‒ gerade zum Schutz von körperlich und geistig Behinderten.

Deshalb hat er sich bereits an die Bayerische Behindertenbeauftragte Irmgard Badura gewandt. „Mir geht es um Sicherheit, deshalb bin ich nicht gewillt, nachzugeben.“


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