Eine Einschätzung von Rottachs Rektor Karl Müller
Die Mittelschule ist tot – es lebe die Mittelschule

von Rose Beyer

“Es geht darum, den Hauptschülern mehr Bildungs-Chancen zu verschaffen und dabei möglichst viele Schulstandorte zu erhalten.” Mit diesen Worten plädierte Bildungsminister Ludwig Spaenle Ende 2009 – auch im Landkreis Miesbach – für das System Mittelschule.

Gut zwei Jahre später müssen zahlreiche Gemeinden um das Überleben ihrer Mittelschule bangen. „Die Idee, Standorte zu retten, in dem sich mehrere kleine Mittelschulen zusammenschließen, um sich gegenseitig mit Schülern auszuhelfen, funktioniert in der Praxis oft nicht.“ So formulierte es die Süddeutschen Zeitung am 8. Februar.

Waakirchen gehen die Schüler aus – in Rottach läuft es gut

Auch die Waakirchner Schule ist betroffen. „Im kommenden Schuljahr wird es dort keine Mittelschulklasse mehr geben“, weiß Rottachs Rektor Karl Müller. So wie dieser Gemeinde geht es etlichen in Bayern: es gebe keine durchgehenden Klassen mehr. Der Schülerschwund ist dabei der Hauptgrund.

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Vor knapp zwei Jahren wurde eigens der Schulverbund Holzkirchen-Tegernsee gegründet. Das Ziel: die Standorte zu retten. Seit November 2011 durften sich die Waakirchner zusammen mit Valley, Holzkirchen und Rottach-Egern Mittelschule nennen. Zumindest die Waakirchner und Schaftlacher Fünftklässler müssen ab nächstem Schuljahr in andere Orte pendeln. Der Rottacher Mittelschulstandort scheint dagegen einigermaßen sicher.

„Uns geht es gut“, erklärt Müller. Seine Antwort auf die Entwicklung der Schülerzahlen fällt kurz aus: „Wir können nicht klagen.“ Derzeit besuchen 240 Schüler die Mittelschule, 276 Grundschüler zählen Rottachs und Kreuths Schulhäuser gemeinsam. Das entspricht in etwa den Zahlen des vergangenen Jahres, so der Rektor.

Wie bei allen weiteren Schulen dieser Art findet man auch hier die geforderten Kriterien: die drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales, den Mittlere-Reife-Abschluss sowie individuelle Förderung und Ganztagesangebote.

Erfolgreich oder totgesagt?

Laut Regierung hätte sich das dreigliedrige Schulsystem bewährt, so Müller. „Die Mittelschule ist ein Erfolgsmodell.“ So kann man es immer wieder in den Medien lesen. Der Rottacher Rektor gibt zwar zu, dass die Umbenennung von „Haupt- in Mittelschule“ einen Imagegewinn generiert hätte. Im Alltag tue man alles, um „im bestehenden System alle Schüler optimal zu fördern.“

Rottachs Rektor Karl Müller

Aber eigentlich hat Müller persönlich andere Vorstellungen von einem zeitgemäßen Bildungssystem. „Ich halte wenig davon, Schüler nach der Vierten in Kästchen zu sortieren,“ outet er sich als „absoluter Vertreter einer gemeinsamen Schulzeit.“

Müller wünscht sich eine Bildungseinrichtung, die das Ziel erreicht, allen Mädchen und Jungen gerecht zu werden. Den leistungsstarken. Aber auch den eher unsicheren oder leistungsschwächeren Kinder. Und das dürften je nach Klasse fast die Hälfte der Kinder sein, so die Einschätzung einer erfahrenen Lehrerin.

Laut SZ „vertrauen viele nicht mehr auf Spaenles Mittelschulkonzept, sondern sprechen sich für Gemeinschaftsschulen aus.“ Wie viele von den derzeit 900 Mittelschulen es in fünf Jahren noch geben wird, dazu kann und will der Minister laut SZ nichts sagen.

Auch für den Rottacher Rektor erscheint das derzeit mehr als offen. Nur eines sei für ihn sicher: „Auch in Bayern wird es zu anderen Strukturen kommen.“ Sollte im Herbst die aktuelle Regierung abgewählt werden, dürfte eine Neurorientierung eher früher als später eintreten.

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