“Dieser Hund ist eine Bestie”

von Melanie Süss

Vor dem Amtsgericht in Miesbach musste sich eine ältere Dame aus Gmund am Tegernsee wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Der Grund: Nicht sie selbst, sondern ihr aggressiver Hund hat andere verletzt.

Eine Gmunderin musste sich wegen ihres aggressiven Hundes vor dem Amtsgericht verantworten.

Richter Walter Leitner hatte vergangene Woche am Amtsgericht Miesbach einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verhandeln, nachdem die Angeklagte Einspruch gegen den Befehl erhoben hatte.

Demnach soll die Angeklagte Anfang August in Gmund am Tegernsee mit ihrem zweieinhalb Jahre alten Airedale Terrier spazieren gegangen sein, als ihr eine ebenfalls in Gmund wohnhafte Frau, mit ihrem Hund entgegengekommen sei. Der unkastrierte Airedale Terrier mit knapp 30 Kilo soll sich beim Anblick des anderen Hundes von der Leine der Angeklagten losgerissen, wie in einem Tunnel auf den Hund zugerannt sein und dem Hund sowie deren Besitzerin schwere Bisswunden zugefügt haben.

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Es gab schon mehrere Vorfälle

In ihrer Einlassung sagte die Angeklagte, dass sie überhaupt nicht wisse, warum der Hund so aggressiv geworden sei. Sie könne in jedes Lokal mit ihm gehen und er habe noch nie eine Person angegriffen. Bei dem Vorfall allerdings, habe sie keine Chance mehr gehabt, ihren Vierbeiner zu halten.

Sie gab allerdings zu, dass es schon mehrere Vorfälle gegeben und er schon mal einen anderen Hund verletzt habe. Zudem vergesse ihr Mann oft, das Tor zu schließen, wodurch der Terrier öfter ausbüxt. Erst durch die Pandemie zogen sie von München nach Dürnbach. Vorher haben sie mit einem Hundetrainer in München gearbeitet, aber durch Corona sei das Beschäftigen mit dem Hund verloren gegangen.

Pudel kämpfte tagelang um das Überleben

Die Besitzerin des verletzten Hundes begann ihre Zeugenvernehmung mit den Worten “Dieser Hund ist eine absolute Bestie. Es war das Schlimmste, was mir bisher in meinem Leben passiert ist”. Sichtlich betroffen schilderte sie den Vorfall:

Der Hund riss sich mit der Leine aus den Händen der Besitzerin los und rannte zähneknirschend auf meinen kleinen Pudel zu.

Er habe ihn sofort an der Kehle gepackt und ihm schwere Bisswunden zugefügt. Als die junge Frau eingreifen wollte, habe er auch sie verletzt. “Er hat meine Bluse zerrissen und mich von hinten zu Boden gebracht”. Sie könne ihren Finger immer noch nicht richtig krümmen. Auch ihre Rippe an der linken Seite sei verletzt. Laut ihren Schilderungen habe die Angeklagte nur teilnahmslos den Vorfall beobachtet.

Sie äußerte, dass in der Nachbarschaft schon öfter darüber gesprochen wurde, dass es einen sehr aggressiven Hund gebe, aber sie habe nicht gewusst, dass es dieser war, sonst “wäre ich ausgewichen”. Ihr eigener Hund wurde nach dem Vorfall sofort in eine Tierklinik eingeliefert und ihr seien insgesamt Kosten in Höhe von 7000 Euro entstanden. “Er kämpfte tagelang um das Überleben”, schilderte sie verzweifelt.

Hundetrainerin lehnt Arbeit mit Besitzern ab

Hundetrainerin Lisa Bernauer aus Fischbachau lehnt eine Zusammenarbeit mit den Besitzern ab. Sie sei beauftragt worden, sich dem Fall anzunehmen, doch “die Compliance ist nicht gegeben, mit dem Hund zu trainieren”. Damit meine sie, dass die Besitzer nicht gewillt sind, mit dem Tier intensiv zu arbeiten. Ihrer Einschätzung nach ist das Ehepaar mit dem Tier restlos überfordert und sie empfehle eine Abgabe. Das Rentnerpaar sei zwar hundeerfahren, dennoch passe das Alter des Tieres mit dem Alter der Besitzer nicht zusammen. “Ein Airedale Terrier braucht viel Auslauf und auch Kopfarbeit, da reichen ein paar Meter Spaziergang nicht aus”.

Eine weitere Zeugin, die genau gegenüber wohnt, ging sogar noch weiter. Sie habe mehrmals beobachtet, wie der Mann den Hund geschlagen habe.

Der Hund hat sich so verändert. Wenn man am Grundstück vorbeigeht, läuft er total aggressiv auf den Zaun zu und zeigt die Zähne.

Sie bestätigt die Aussage von Bernauer, dass das Tier maßlos unterfordert sei. Richter Leitner stellte mit Zustimmung der Angeklagten und des Staatsanwalts das Verfahren gegen Geldauflage in einer Höhe von 600 Euro ein. Die Summe komme dem Tierschutzverein Tegernseer Tal zugute. Er wies am Ende nochmals eindeutig auf die ab September geltende Beißkorb Auflage hin, denn mehrere Zeugen sagten aus, dass sie das Tier nach dem Beschluss ohne Maulkorb gesehen haben.

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