Diskussion um Gemeindeboten-Manipulation: Was sagen die Verantwortlichen aus der Wiesseer Verwaltung dazu?

Von Redaktion

Ergänzung vom 18. Februar / 00:07 Uhr
Wir holen das Gespräch mit Michael Herrmann und Helmut Köckeis, den Machern hinter dem Wiesseer Gemeindeboten nochmal hoch. Der Grund: Bürgermeister Peter Höß wollte sich in der gestrigen Gemeinderatssitzung zum Thema „Manipulationsvorwürfe aus Teilen der CSU-Fraktion“ nicht weiter äußern. Verwies aber auf das Interview bei der Tegernseer Stimme.

Damit auch alle den Beitrag finden, hier der ursprüngliche Artikel vom 14. Februar:

Beim in der letzten Woche geführten Schlagabtausch der Pressemeldungen sind bisher nur die Fraktionsvorsitzenden der CSU und der Freien Wähler zu Wort gekommen (siehe Links weiter unten). Wir haben uns jedoch gefragt, was diejenigen zu der ganzen Diskussion sagen, die die Artikel des Gemeindeboten schreiben? Wie geht es ihnen dabei, wenn ihre Arbeit in der Öffentlichkeit in Zweifel gezogen wird? Und wenn sie im Rahmen der Vorwürfe und Gegenvorwürfe zu politischen Handlangern des Bürgermeisters degradiert werden?

Sicherlich hat die Diskussion eine politische Dimension. Aber bei aller Politik ist es immer noch so, dass hinter so einem „Produkt“ die Arbeit von Menschen steckt. Ob in Bad Wiessee oder anderswo. Und meistens sind es Mitarbeiter, die die Artikel neben ihrer eigentlichen Arbeit verfassen. So wie Helmut Köckeis, Leiter der Bauverwaltung und Michael Herrmann, Geschäftsleiter, die das für die Gemeinde Bad Wiessee erledigen.

Wir haben die beiden in einem gemeinsamen Gespräch zu den Vorwürfen befragt:

Helmut Köckeis
Michael Herrmann

Wie haben sie davon erfahren, dass der Wiesseer Gemeindebote scheinbar als Manipulationsobjekt missbraucht wird?

Michael Herrmann: Letzten Montag in der Zeitung. Da stand es, dass das irgendwie wieder aktuell ist.

Das heißt sie haben die Pressemitteilung der CSU gar nicht gesehen?

Michael Herrmann: Nein. Die haben wir nicht bekommen. Alle Infos haben wir aus der Zeitung und von ihrer Webseite.

Und wie ist ihre Meinung dazu?

Helmut Köckeis: Es gibt gewisse Kreise, die waren und sind immer noch gegen das vor drei Jahren eingeführte Bad Wiessee im Blick. Die Gründe kann ich nicht beurteilen. Aber seit dem Start wird immer wieder versucht gegen das Blatt vorzugehen.

Der neue Gemeindebote wurde vor allem unter dem Aspekt der Kosteneinsparung eingeführt. Entspricht es der Wahrheit, dass das neue Heft genauso teuer ist wie das Alte?

Michael Herrmann: Nein, das ist schlichtweg falsch. Wir haben die Zahlen extra rausgesucht. Und es sind im Jahr 10.000 Euro, die das neue Heft günstiger kommt. Dabei muss man ganz klar sagen, dass der Kostenfaktor eher weiter fallend ist. Sprich wir werden in Zukunft noch mehr Geld einsparen.

Helmut Köckeis: Und wir bringen den Gemeindeboten auch noch öfter raus als früher. Derzeit kommt er monatlich raus. Früher war es meines Wissens nur alle zwei Monate.

Wie ist ihre Meinung zu dem Vorwurf, dass der Bürgermeister das Blatt zu seinen eigenen „Vorwahlkampfzwecken“ missbraucht?

Helmut Köckeis: Als wir angetreten sind war der Grundsatz überparteilich und neutral zu bleiben. Und ganz ehrlich, es geht auch gar nicht anders. Das Heft finanziert sich über Werbeeinnahmen. Und wenn wir nur noch Inhalte machen würden, die klar politisch eingefärbt sind, dann bekommen wir sofort Probleme mit unseren Werbepartnern.

Ist so eine Kritik an der Tagesordnung? Oder eher eine Ausnahme?

Helmut Köckeis: Wissen Sie, ich habe das gleiche Heft 7 Jahre lang eigenverantwortlich in Rottach gemacht. Und in den 7 Jahren gab es keine Kritik. Aber in Wiessee ist es wirklich schwierig.

Michael Herrmann: Aber man muss sagen, die Kritik kommt immer nur von innen. Eigentlich auch nur aus gewissen Kreisen im Gemeinderat. Von außen kommt hauptsächlich Lob. Vor allem haben wir soviele Anfragen von Vereinen, die sehr intensiv mitarbeiten. Das war früher anders.

Ein Hauptvorwurf war, dass bei den Berichten aus dem Gemeinderat geschönte Informationen verwendet werden. Wie läuft das ab? Wer schreibt die Berichte? Und woher stammen die Informationen?

Michael Herrmann: Das ist ganz einfach. In der Regel decken sich die Artikel im Bad Wiessee im Blick mit der Niederschrift der Gemeinderatssitzung. Das ist effektiver. So muss ich nicht das gleiche zweimal schreiben. Und da die Niederschrift immer erst von den Gemeinderatsmitgliedern freigegeben wird, bedeutet das im Endeffekt: Was reinkommt, ist auch immer zuerst durch den Gemeinderat gegangen.

Und wer schreibt die Artikel?

Helmut Köckeis: Das teilen wir uns. Ich übernehme alle Bauthemen, versuche da den Lesern ab und an auch einen tieferen Einblick zu vermitteln. Und Herr Herrmann macht alle anderen Bereiche.

Sie haben beide eigentlich einen anderen Job in der Wiesseer Verwaltung. Wann kümmern sie sich um den Gemeindeboten?

Michael Herrmann: Hauptsächlich in der Freizeit. Während der Arbeit bleibt dazu keine Zeit. Und da wir in der Verwaltung arbeiten, haben wir auch überhaupt kein Interesse daran, irgendjemand aus parteitaktischen Gründen zu übervorteilen.

Helmut Köckeis: Deswegen sind diese Vorwürfe auch so schade. Wir schreiben und veröffentlichen nach bestem Wissen und Gewissen. Und tun das, weil es uns Spass macht. Ich hoffe, dass es auch so rüberkommt und dass wir jedem klar machen können: Unser Ziel ist eine neutrale und interessante Berichterstattung für die Wiesseer Bürger.

Weiterführende Links zu dem Thema:
Pressemitteilung der CSU
Reaktion der Freien Wähler


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