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Schnelle Rettung für verunglückten Münchner am Spitzingsee

„Dubioser“ Rollstuhlunfall auf 1.400 Metern

Von Sabiene Hemkes

Glück im Unglück hatte gestern ein aus München stammender Rollstuhlfahrer. Der 67-Jährige stürzte bei einem Ausflug auf 1.400 Metern Höhe einen Abhang hinab. Hilfe war schnell zur Stelle. Doch wie der Mann an den Unglücksort gelangte, bleibt ein Rätsel.

Der Unglücksort oberhalb des Spitzingsee. Im Hintergrund die Obere Schönfeldalm. Mitarbeiter der Bergwacht bergen den Rollstuhl mit der Seilwinde / Quelle: Bergwacht Schliersee

Am Wochenende ereignete sich ein Bergunfall, wie er nicht alle Tage vorkommt. Ein Mann aus München begibt sich mit seinem E-Rollstuhl auf einen Bergausflug. Das ist so weit nicht ungewöhnlich, da es in den Alpen inzwischen einige Ausflugs-Angebote für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt. Diese Touren kann man zum Beispiel auf der Seite des alpenvereinaktiv.com finden.

E-Rollstuhl stürzt mit Fahrer von Forstweg ab

Doch die Situation, die Lorenz Haberle, Einsatzleiter der Schlierseer Bergwacht, am Sonntag gegen 11:30 Uhr bei seinem Einsatz auf 1.400 Meter im Gebiet der Oberen Schönfeldhütte vorfand, war dann doch außergewöhnlich. Selbst für den erfahrenen Bergretter. „Ich kam gerade von einer Übung, als mein Wagen an der Unfallstelle angehalten wurde,“ berichtet Haberle.

Von einer nahegelegenen Hütte hatten Menschen den Unfall des Rollstuhlfahrers beobachtet und waren umgehend zu Hilfe geeilt. Sie waren es, die den vorbeifahrenden Haberle anhielten. „Etwa 30 bis 40 Meter unterhalb des Weges war der E-Rollstuhl mit dem Verunglückten nach mehreren Überschlägen liegengeblieben“, beschreibt Haberer die Situation am Hang.

Schnelle Bergung des Verletzten

Der Mann sei noch mit dem Sicherheitsgurt an dem fast 100 Kilo schweren Rollstuhl festgeschnallt gewesen und habe einen Fahrradhelm getragen. Der Münchener Rollstuhlfahrer habe bei dem Sturz eine Gehirnerschütterung, Schürfwunden und Prellungen im Bereich der Wirbelsäule erlitten. Die Bergung des Verletzten und sein Abtransport in ein nahegelegenes Krankenhaus konnten die herbeigerufenen sechs Helfer der Bergwacht aus Schliersee und München ohne Probleme bewerkstelligen.

Schwieriger sei es nach der Schilderung des Einsatzleiters gewesen, den schweren Elektrorollstuhl zu bergen. Doch mithilfe der Seilwinde des Spezialfahrzeuges der Bergwacht sei es gelungen, das schwere Gerät den Wiesenabhang wieder hochziehen. Die herbeigerufenen Beamten der Polizei in Miesbach haben das schwere Gefährt anschließend mit dem zuvor angeforderten Einsatzbus wieder hinunter ins Tal befördern können.

Wie gelang der Verunglückte bis zur oberen Schönfeldalm?

Was aber für alle Retter vor Ort ein großes Rätsel blieb: Wie ist es dem 67-Jährigen überhaupt gelungen mit seinem Rollstuhl bis zum Unfallort zu gelangen? Dazu Haberle:

Das war schon dubios. Vom Spitzingsattel bis hier herauf sind es gut 400 Höhenmeter. Da muss der E-Rollstuhl einen guten Akku haben.

Auch wunderte man sich an der Unfallstelle darüber, dass der Münchner auf dem ungeteerten Forstweg unterwegs war. Wahrscheinlich, so vermutet der Bergretter, habe der Mann wohl die Straße zur Schönfeldhütte befahren wollen. „Vielleicht ist er unglücklicherweise an der Kreuzung weiter unten einfach falsch abgebogen,“ mutmaßt Haberle später und ergänzt:

Dieses Straßerl hier am Waldrand ist absolut ungeeignet für einen Rollstuhl. Das wird nur von den Bauern befahren.

Bei der Bergwacht vermutete man sogar, der Münchner sei den ganzen Weg vom Bahnhof Neuhaus, wo er wohl mit der BRB am Morgen eingetroffen war, mit seinem E-Rollstuhl hoch zum Spitzig gefahren. Doch ist es auch möglich, dass der Mann den Bus genommen hat. Zwischen dem Bahnhof Neuhaus und dem Spitzing verkehrt laut Auskunft des RVO ein Bus, der auch Rollstühle befördern kann. Der Fahrer selbst konnte das Rätsel gestern nicht auflösen. Zu mitgenommen sei er von dem Unfall gewesen, wie Haberer berichtet.


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