Asylbewerberheim: Anlieger stellen Forderungen

von Rose Beyer

Die angekündigte Infoveranstaltung des Landratsamtes zum geplanten Asylbewerberheim in Dürnbach hat wenig gebracht. Die Parteien gingen am gestrigen Abend größtenteils unzufrieden und ohne Ergebnis auseinander.

Asylbewerberheim ja – aber nur unter bestimmten Bedingungen, so kann man die Aussagen der Nachbarn auf den Punkt bringen. Im Hintergrund, auch das wurde gestern klar, geht die Angst um.

Das Haus in Dürnbach, in dem 20 Asylbewerber einziehen könnten.
Das Haus in Dürnbach, in dem 20 Asylbewerber einziehen könnten.

Rund 80 Menschen haben sich gestern Abend mit Vertretern von Landratsamt und Gemeinde im Rahmen einer nichtöffentlichen Infoveranstaltung getroffen. Das Thema: ein geplantes Asylbewerberheim in der Dürnbacher Mühlthalstraße, in dem Platz für 20 Flüchtlinge wäre.

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Da das Einfamilienhaus seit Jahren leersteht und der Eigentümer derzeit keine realistische Anschlussverwendung sieht, hat er dem Landratsamt das Gebäude als Asylbewerberheim angeboten. Durch die Reihen der Anwohner ging ein Aufschrei, als diese Pläne vor knapp zwei Wochen öffentlich wurden. Eine schnelle Nutzungsänderung konnten die Anlieger kurzfristig noch verhindern.

Kaum Alternativen für die Behörden

Für das Landratsamt, das derzeit unter großem Druck steht, ist das Angebot des Eigentümers allerdings interessant. “Wir bekommen die Menschen vor die Tür gestellt und müssen schauen, wo wir sie unterbringen”, so Eva-Maria Stannef, Abteilungsleiterin im Landratsamt, bei der gestrigen Infoveranstaltung im Gmunder Feuerwehrhaus, bei der die Anwohner der Mühlthalstraße, aber auch des Moarböckweges und des Rechthalerweges anwesend waren.

Zwar kamen von Stannef Informationen zum Prozedere auf den Tisch. Darunter auch Antworten auf die Fragen, wie die Behörde die Asylbewerber zugeteilt bekommt und diese dann in den verschiedenen Kommunen untergebracht werden. Doch die Infos kamen nicht so recht bei den Nachbarn an. Diese scheinen eine konkrete Vorstellung zu haben, wie sie sich ein harmonisches Zusammenleben mit den “Fremden” vorstellen können.

Die Bedingungen der Anlieger

Der Hauptknackpunkt: im Gegensatz zum Landratsamt kann man sich nicht vorstellen, bis zu 20 Menschen in dem Einfamilienhaus unterzubringen. “Das ist zu viel für das Haus”, waren sich die Anlieger einig. Zudem wünscht man sich “vielleicht zwei Familien” anstatt eine “heterogene Personenmasse verschiedener Ethnien”, so Gmunds Geschäftsleiter Alfons Besel im Nachgang.

Familien brächten eine Sozialstruktur mit und könnten integriert werden, so der Tenor. “Die würden wir dann auch unterstützen”, meinen die Anwohner. Bei einer anderen Zusammensetzung der Bewohner kündigt man allerdings Widerstand an.

Würde die Behörde nicht auf die Bedingungen eingehen, so kann man sich vorstellen, baurechtliche Schritte in die Wege zu leiten. Eva-Maria Stannef will nun alles noch einmal genau prüfen. In welcher Weise sie das festgelegte Prozedere beeinflussen kann, bleibt abzuwarten. Eins ist klar: die Infoveranstaltung konnte den Anwohnern ihre Angst nicht nehmen. Konflikte und Vorbehalte bleiben.

Oder wie es Gemeinderat Marinus Dießl in der vergangenen Bauausschuss-Sitzung auf den Punkt brachte, als das Thema auch auf dem Plan stand:

Das ist ein Gebiet für ordentliche Familien. Das Haus ist für die armen Teufel nicht geeignet. Ich verwahre mich gegen diese baurechtliche Sonderstellung. So geht’s nicht!

Für diese Aussage bekam Dießl nicht nur bei der letzten Sitzung viel Applaus. Auch gestern stellte sich der Gemeinderat hinter die Anwohner. “Dort sind schließlich viele Familien mit kleinen Kindern zu Hause.”

Männer und Messerstechereien

Befürchtungen, die auf viel Resonanz stießen. “Wenn da lauter Männer kommen, habe ich Angst”, so eine Anliegerin. Auf der Straße und im Garten spielende Kinder, damit wäre es, so die Befürchtung der Frau vorbei, sobald das Asylbewerberheim tatsächlich in der geplanten Form realisiert wird.

Das geplante Asylbewerberheim liegt in einem Wohngebiet in Dürnbach.
Das geplante Asylbewerberheim liegt in einem Wohngebiet in Dürnbach.

“20 Menschen auf engstem Raum, da sind die Aggressionen doch vorprogrammiert”, so ein anderer Anwohner. Die Angst der Dürnbacher: traumatisierte Flüchtlinge auf so engem Gebiet eingepfercht – das kann nicht gutgehen. Die Folge könnten Schlägereien und Messerstechereien sein.

Ob die Behörde den Anwohnern entgegenkommen kann, steht derzeit noch nicht fest. Man werde nun, so Stannef, prüfen, ob im Mühltalweg auch weniger Menschen untergebracht werden können. Der Gmunder Bauauschuss wird sich am 14. Oktober erneut mit dem Thema befassen.

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