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Holzkirchen will eine feste Beziehung

Echte Partner statt fernen Freunden

Von Marius Mestermann

Sie ist Single und tut sich schwer mit der Partnersuche. Dabei ist sie doch dem Vernehmen nach attraktiv und liegt richtig: Die Marktgemeinde Holzkirchen. Im Rathaus hofft man auf das Engagement der Bürger, um endlich die Richtige zu finden. Doch eins ist klar: Bei der Partnersuche kann man viel falsch machen.

Traute Zweisamkeit: Das wünscht sich auch Holzkirchen mit einer Partnergemeinde im Ausland.
Traute Zweisamkeit: Das wünscht sich auch Holzkirchen mit einer Partnergemeinde im Ausland.

Den Wunsch nach einer Partnergemeinde gibt es in Holzkirchen schon lange. Seit mehr als 20 Jahren spreche man schon darüber, aber es sei nie etwas in die Gänge gekommen, sagt Irmi Ammer. Die SPD-Gemeinderätin ist der Meinung, dass Holzkirchen von einer Partnerschaft mit einer Gemeinde im Ausland sehr profitieren würde: „So etwas wäre ganz wichtig. Es wäre toll, wenn es klappt!“

Doch warum ist Holzkirchen eigentlich schon so lange solo? Am Ort selbst und am Umland liege es sicher nicht, meint Josef Schlemmer, Leiter der FOS in Holzkirchen.
Gerade durch die Nähe zum Tegernsee wäre Holzkirchen sicherlich eine gute Partie. Aber am wichtigsten sei, dass „von Anfang an die Chemie stimmt“, findet Schlemmer.

Er muss es wissen: Seine FOS pflegt eine enge Partnerschaft mit einer Schule im südtirolischen Auer. Der Ort liegt nur rund drei Autostunden von Holzkirchen entfernt und ist somit auch schnell mit einem Reisebus zu erreichen. Diese Nähe sei sehr gut für den persönlichen Austausch, sagt Josef Schlemmer und empfiehlt auch für die Gemeinde Holzkirchen keine Fernbeziehung.

„Man muss so eine Partnerschaft leben“

Im Endeffekt müssten die Bürger etwas davon haben, und der Aufwand müsse im Verhältnis zum Nutzen stehen. Schüler der FOS würden in Auer beispielweise ihre Seminararbeiten auf Italienisch präsentieren – auch im nächsten Jahr wieder. Wichtig ist also für eine erfolgreiche Partnerschaft, dass sich beide Seiten bemühen und intensiven Kontakt pflegen.

Die Suche dauert nun schon eine ganze Weile an, doch noch immer ist Holzkirchen Single. Eine Abfuhr gab es im letzten Jahr von einer Gemeinde in Frankreich, und auch die weiteren Anfragen des „Initiativkreises Partnergemeinde Holzkirchen“ führten augenscheinlich zu nichts Ernsterem. Aufgeben will man deshalb natürlich nicht.

Stattdessen sind jetzt seit gut zwei Wochen die Holzkirchner Bürger gefragt: Sie sollen Anregungen aus Vereinen und Schulen einbringen sowie Vorschläge und Präferenzen äußern. Motivierend könnte der (neidlose) Blick auf die Partner der Nachbarn sein: Weyarn zelebriert regelmäßig die Beziehung mit dem italienischen Mirabello, man besucht sich gegenseitig alle zwei Jahre.

Fernbeziehung funktioniert – wenn man daran glaubt

Auch die Valleyer sind mit Italienern verbandelt: Sie pflegen einen regen Austausch mit den Einwohnern von Fontanella in Bergamo. Die drei aufgezählten Partnerschaften entsprechen in etwa dem Kriterienkatalog des Initiativkreises, vor allem die Nähe scheint den Beziehungen sehr gut zu tun. Ein Gegenbeispiel sind da die Partnerschaften der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Holzkirchen.

Sie ist mit Glaubensgemeinschaften in Riga und Bethlehem verbunden. Immer wieder reisten Mitglieder der Gemeinden nach Holzkirchen oder umgekehrt. Dabei geht es nicht nur um den religiösen, sondern auch kulturellen und persönlichen Austausch zwischen den Gläubigen. Eine solche Fernbeziehung kann also durchaus funktionieren – wenn man nur fest genug daran glaubt.

Ganz modern läuft die Kommunikation beim alljährlichen Schüleraustausch der Staatlichen Realschule Holzkirchen ab. Die Schüler lernen ihre französischen Pendants am „Collège Val d’Argent“ in Ste Foy l’Argentière (westlich von Lyon) über sämtliche Medien kennen. In der mittlerweile schon neun Jahre währenden Schulbeziehung sind beide Partner einander sehr zugetan, was auch an der Begeisterung für Sprache, Kultur und Land des Anderen liegt.

Gemeinde-Umfrage: Rege Beteiligung lässt hoffen

Der Austausch wird auch von der Gemeinde unterstützt – etwa ein Vorzeichen für eine Gemeindepartnerschaft? Oder neigt man im Rathaus doch eher zu den FOS-Freunden aus Südtirol? Bis Mitte September können die Holzkirchner ihre Anregungen an Ewgenia Boger am Marktplatz senden. Es seien bereits zehn Vorschläge eingegangen, darunter Ortschaften in ganz unterschiedlichen Regionen, sagt Boger, die auch im Initiativkreis mitgearbeitet hat.

Dass es mit den ersten Dates nicht so recht geklappt hat, sollte Holzkirchen bei der Partnersuche nicht abschrecken. Vielleicht versucht man es eines Tages einfach mal bei einer Kontaktbörse im Internet – da tummeln sich doch zu jeder Zeit „passende Partner in der Nähe“, die nur auf wahlweise aufregende, entspannte oder unkomplizierte Zweisamkeit warten. 100 Prozent TÜV-geprüft.

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