“Ein 110.000-Euro-Lift, den niemand braucht”

von Nicole Posztos

Das Gebäude der Tegernseer Volksschule ist über hundert Jahre alt. Um das in der Hochfeldstraße gelegene Haus auch brandschutzrechtlich auf den neuesten Stand zu bringen, sind wie berichtet erhebliche Umbaumaßnahmen notwendig.

Ein zweiter Fluchtweg muss her, und auch das Treppenhaus soll an die rechtlichen Bedingungen angepasst werden. Über 400.000 Euro werden die Maßnahmen kosten. Nun hat sich der Stadtrat gegen den Einbau eines Liftes ausgesprochen, der zusätzliche Investitionen bedeutet hätte.

An der Westseite der Tegernseer Volksschule soll eine Außentreppe angebracht werden.
An der Westseite der Tegernseer Volksschule soll eine Außentreppe angebracht werden.

Bereits vor knapp zwei Monaten hatte der Tegernseer Stadtrat über die Umbaupläne gesprochen. Damals war die Option mit Lift Bestandteil von drei infrage kommenden Alternativen. Am Ende votierten die Stadtratsmitglieder einstimmig für die Errichtung einer Außentreppe. Gleichzeitig soll das bestehende Treppenhaus nach den aktuellen Vorschriften des Brandschutzes neu gebaut werden.

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Aufzug, Ja oder Nein?

Auf 420.000 Euro werden sich die Kosten für den notwendigen Umbau belaufen. Die Entscheidung über einen sofortigen Einbau eines 110.000 Euro teuren Aufzugs war damals noch offen geblieben. Bei der jüngsten Sitzung sollte das Gremium darüber endgültig entscheiden. Es gäbe für einen Lift keinerlei extra Zuschüsse, so Bürgermeister Peter Janssen bei seiner Einleitung.

Darüber hinaus würde ein Lift laufende Kosten für Wartung und Instandhaltung verursachen. „Der Lift muss nicht mal laufen, und er kostet trotzdem Geld“, so Janssen weiter. Darüberhinaus soll alles so vorbereitet werden, dass ein nachträglicher Lift keine hohen Mehrkosten verursachen würde. Alles Argumente gegen einen sofortigen Einbau. Nur Thomas Mandl (SPD) erneuerte seine Haltung pro Aufzug:

„Ich bin dafür, dass wir den Lift sofort einbauen. Später wird’s immer teurer.“

So würde eine Aufzuglösung es auch körperlich eingeschränkten Kindern und Lehrern problemlos ermöglichen, am Unterricht teilzunehmen. Dabei sieht der Leiter der Volksschule Peter Walter laut Janssen derzeit keinen akuten Bedarf für einen Lift. Und der Zweite Bürgermeister Toni Staudacher brachte die Meinung fast aller Stadträte mit den folgenden Worten auf den Punkt:

„Es ist ein echter Schildbürgerstreich, wenn wir einen Aufzug für 110.000 Euro einbauen würden, den heute niemand braucht.“

Für Staudacher wäre es ein Akt der Solidarität, wenn sich Hausmeister, Lehrerschaft und Eltern zusammentun, um ein behindertes Kind oder einen Lehrer im Rollstuhl die Treppen hoch- und runterzutragen. Für die Zukunft habe man vorgesorgt, und mehr könne man von der Stadt nicht erwarten.

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