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Übergabe des Orts- und Mobilitätskonzeptes

Was lange währt, ist endlich da

Gestern war es endlich soweit: Nach zwei Jahren intensiver Arbeit, wurde das viel zitierte und nun fertiggestellte Orts- und Mobilitätskonzept vorgestellt. Viele innovative Ideen zur Verschönerung unseres Ortes wurden gesammelt. Doch die Arbeit geht jetzt erst richtig los.

Die neuen Konzepte fest in den Händen (von links): Bürgermeister Olaf von Löwis, die beiden Planer Manuela Skorka und Dr. Ralf Kaulen sowie Verena Sattler von der Standortförderung. Im Hintergrund ein Teil des Gemeinderates, der maßgeblich an der Erarbeitung beteiligt war. /Bild: ll

“Es liest sich gar nicht so schlecht”, witzelte Bürgermeister Olaf von Löwis bei der gestrigen Gemeinderatsitzung. Das Mobilität- und Ortsentwicklungsgutachen wurde gestern feierlich dem Gemeinderat übergeben. “Ein wichtiger Moment in der Kommunalpolitik”, kommentierte von Löwis. In Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, Bürgern und vielen weiteren Akteuren, wie Sportvereinen und Schulen haben die beiden Planungsbüros Skorka und Kaulen alle gesammelten Ideen, wie unser Markt verschönert und vor allem verkehrsfrei gemacht werden kann, auf zweimal 100 Seiten festgehalten. Der Bürgermeister betonte:

Die Konzepte sind als Leitfaden zu betrachten. Sie geben Anhaltspunkte zur strategischen Entwicklung des Ortes, wie man die Verkehrsbelastung minimieren und Holzkirchen attraktiver gestalten kann. Wir möchten noch heuer in die Umsetzungsphase starten und Sofortmaßnahmen einleiten.

Die Regierung von Oberbayern unterstützt die Gemeinde dabei im Rahmen eines Städteförderprogramms finanziell.

In Abstimmung mit dem Verkehrsplanungsbüro Kaulen übernahm Manuela Skorka die Planung der Ortsentwicklung. Diese ist in die Bereiche: Wohnraumangebot, Grünflächen, Sport, Einzelhandel, Siedlungsbereiche und Ortsteile gegliedert.

Mehr Wohnungen für Senioren

Eine Auswertung der Bevölkerungsstruktur im Ort ergab, dass in Holzkirchen die Zahl der Senioren über 80 Jahren deutlich zunehmen wird. Von heute circa 660 Personen, wird sich die Zahl in den nächsten 15 Jahren fast verdoppeln, auf geschätzte 1.260 Senioren. Bereits jetzt gibt es in Holzkirchen überwiegend Ein- und Zweipersonenhaushalte (63 {0df041b544200f98e0403f5bfaff217e8ddb0fa5a49c3e35acc6e6a32ff09f63}). Familien und Haushalte mit drei und mehr Personen sind der kleinere Teil in der Bevölkerungsstruktur (37{0df041b544200f98e0403f5bfaff217e8ddb0fa5a49c3e35acc6e6a32ff09f63}). Das fordert ein Umdenken in der Schaffung von Wohnraum. Skorka erklärt:

Holzkirchen braucht mehr kleinere Wohnungen, die barrierefrei sind. Die Bevölkerungsstruktur verändert sich, deshalb besteht Anpassungsbedarf.

Durch die Entwicklung der Immobilienpreise bestehe aber ebenso ein erhöhter Bedarf an günstigem Wohnraum. In erster Linie für Alleinerziehende, Personen mit niedrigem Einkommen, wie beispielsweise Auszubildende und für anerkannte Flüchtlinge.

Ortskern: Von der Linie zur Fläche

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Verbesserung der Lebensqualität in Holzkirchen, ist die Verschönerung des Ortskerns. Dabei handelt es sich vor allem um den Bereich rund um den Marktplatz (Tölzer-, Tegernseer-, Münchnerstraße) bis hin zum Bahnhof. Hier sind die meisten Geschäfte angesiedelt und deswegen wichtig für die Bewohner.

Nur hat Holzkirchen im Aufbau seines “Zentrums” so etwas wie den schwarzen Peter gezogen. So liegt das Ortszentrum, nicht wie bei den meisten anderen Gemeinen kompakt und nah aneinander, sondern zieht sich in die Länge. Die Strecke umfasst knapp einen Kilometer, was im Vergleich zur Fußgängerzone in Bad Tölz zum Beispiel, schon sehr lang ist.

Zudem wird dieser Bereich durch den Verkehr dominiert und bietet somit wenig Aufenthaltsqualität. Die Ortsplaner haben den Ortskern in drei Bereiche gegliedert, die es zu stärken gilt: den Marktplatz, die Münchner Straße und den Bahnhof.

Markthalle am Marktplatz?

Schon im Bürgergutachten nahm der Marktplatz mit dem Herdergarten eine besonders wichtige Rolle ein, die es zu verschönern gilt. Auch laut Skorka hat dieser Bereich großes Potenzial. Gerade der Markt im klassischen Sinne wird hier als “guter Baustein” für eine Belebung gesehen. So raten die Planer, den beliebten Holzkirchner Wochenmarkt auszubauen. Unter anderem gab es die Idee, hier eine Markthalle hinzustellen, in der regionale Anbieter ihre Waren verkaufen. Ein Pluspunkt wäre die Überdachung. Doch der Nachteil ist, dass sich das Leben dann im Inneren abspielen würde. Das Ziel soll sein, auch das öffentliche Leben zu stärken. Deswegen empfehlen die Planer die Marktstruktur, wie man sie bereits kennt, auszubauen.

Auch die Möglichkeiten des Bahnhofs-Areals sind derzeit nicht völlig ausgeschöpft. Das Areal ist wenig einladend und unübersichtlich. Zudem gibt es keinen Wartebereich, was für Fahrgäste besonders im Winter ein Problem darstellt. Hier soll eine sogenannte Mobilitätsscheibe entstehen. Die Parkplätze sollen umgeordnet werden und vor allem ein attraktiver Vorplatz geschaffen werden. Auch Angebote für Jugendliche, wie ein Kinocenter oder ein Club, als auch Hotels biete sich hier durch die optimale Anbindung gut an.

Holzkirchens Verkehrsproblem ist hausgemacht

In Sachen Kfz-Verkehr fand Experte Ralf Kaulen klare Worte:

Die Rahmenbedingungen waren ein stückweit emotional, wir haben versucht zu versachlichen und das Problem objektiv zu betrachten.

Nach aufwändigen und zahlreichen Verkehrszählungen, Befragungen und Gutachten ist eines ganz deutlich – aber auch nicht wirklich neu: Das Verkehrschaos von Holzkirchen ist selbstgemacht. Demnach gibt es “nur” 20 Prozent Durchgangsverkehr. Volle 80 Prozent sind Quellverkehr. “Wir sind also unseres eigenes Glückes Schmied”, so Kaulen.

Vor allem den am stärksten befahrenen Knotenpunkt an der Tölzerstraße/Münchner Straße soll beruhigt werden. In Zukunft sollen nicht notwendige Fahrten vermieden werden. Das kann durch eine veränderte Gemeindestruktur der kurzen Wege erfolgen, indem die Grundversorgung im Nahbereich angesiedelt wird oder die Grundversorgung durch mobile Angebote sichergestellt wird. Des Weiteren gilt es, den Verkehr “verträglicher” zu gestalten, heißt in reduzierter Geschwindigkeit und nicht direkt durch die Ortsmitte.

Ortsdurchfahrt entlasten

Das knüpft an das nächste Ziel, die Münchner Straße in eine gemeindeeigene Straße umzuwidmen. Würde die Straße der Gemeinde gehören, wäre vieles möglich. Derzeit ist diese noch als Staatsstraße ausgewiesen. Doch hier ist die Gemeinde auf die Beteiligung der obersten Baubehörde angewiesen. Wie Kaulen jedoch betont, seien verkehrsberuhigende Maßnahmen hier nicht abhängig, wem die Straße gehöre. Auch eine Staatsstraße könne kurzfristig mit Sofortmaßnahmen, wie Verkehrsinseln oder Straßenmarkierungen beruhigt werden. Außerdem soll die Nordumfahrung beim McDonalds stärker genutzt werden, um so die Ortsdurchfahrt zu entlasten.

Attraktive Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wie der BOB oder des RVO sowie beispielsweise Leihautos und -fahrräder sollen mehr Mobilität im Ort schaffen. Um die Einwohner dazu anzuregen, öfter auf das Fahrrad umzusteigen oder auch mal zu Fuß zu laufen, beinhalten die Planungen ebenso die Umgestaltung und Ergänzung von Rad- und Fußgängerwege. Das gesamte Mobilitätskonzept wurde mit einer möglichen Südumfahrung und auch ohne Südumfahrung ausgearbeitet.

Aus dem Gesamtmobilitätskonzept folgen jetzt Einzelmaßnahmen, die in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen eingeteilt wurden. Zum Schluss betonte Kaulen:

Unsere Arbeit ist getan, der Tag heute ist der Startschuss für den Gemeinderat in die Umsetzung einzusteigen. Der nächste Startschuss gilt den Bürgern. Die Holzkirchner müssen das Konzept annehmen und als Multiplikatoren und Vorbilder vorangehen. Mobilitätsveränderung beginnt im Kopf.

Der Gemeinderat zeigte sich einhellig positiv gegenüber den vorgestellten Konzepten. Robert Wiechmann (Grüne) war voller Stolz und überzeugt davon, mit dem Ort- und Mobilitätskonzept Holzkirchen für die nächsten 20 Jahre zu verändern. “Wir wissen jetzt, welche Knöpfe wir drücken müssen, aber drücken müssen wir selbst”, so Wiechmann. Auch Christoph Schmid (CSU) war der Meinung mit den Konzepten etwas zu haben, “auf das man bauen” könne.

Abschließend stimmte der Gemeinderat geschlossen dafür, die beiden vorgestellten Zielkonzepte als Leitfaden für die zukünftige Entwicklung Holzkirchens zu sehen und beauftragte die Verwaltung mit den Umsetzungsstrategien.

Infoabend für Bürger

Das komplette Orts- und Mobiliätskonzept in detaillierter Ausarbeitung ist online auf der Gemeindewebsite zu finden. Für alle Interessierten findet zudem am 29. März im Kultur im Oberbräu ein Informationsabend zu diesem Thema statt.

 


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