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Holzkirchen

Ein Eisstadion, das 60 Jahre auf dem Buckel hat

Von Nina Häußinger

Am Freitag jährt sich die Eröffnung des Holzkirchner Hubertusstadions zum sechzigsten Mal. Passend zum Jubiläum setzt der Eishockeyverein alles daran, seinen Sport wieder aufleben zu lassen – und das marode Eisstadion zu retten.

Bis zu 3000 Zuschauer fanden im Eisstadion Platz

2017 jährt sich die Eröffnung des Holzkirchner Hubertusstadions zum 60. Mal. Am 22. Dezember 1957 eröffnete der Eishockey-Club Holzkirchen mit einem 8:2-Sieg gegen die Münchner Stadtauswahl das neue Eisstadion und brach damit in eine neue Ära auf. Noch ein Jahr zuvor sah es für die Holzkirchner Eissportler düster aus. Mit dem Neubau des Arbeitsamtes am Herdergarten verlor die dort seit 1933 existierende Natureisfläche ihren Platz und musste ersetzt werden.

Nachdem die Holzkirchner Eishackler die Saison 1956/57 behelfsmäßig in Bad Aibling absolvierten, was der Eishockeyverband nur für ein Jahr gestattete und der Vereinskasse arg zusetzte, war es insbesondere deren erstem Vorstand Hubert Wochinger zu verdanken, dass bereits in der darauffolgenden Saison eine neue Spielstätte zur Verfügung stand. Nicht nur warb Wochinger um Spender und Gönner, sondern stellte dem Verein außerdem das Grundstück an der Thannerstraße zur Verfügung.

Größte Attraktion in Holzkirchen

Von der „erschreckend hohen“ Summe von 40000 Mark, die für das Eisstadion veranschlagt wurden, konnte der Eishockeyverein lediglich 500 aus der eigenen Kasse bezahlen. Um immerhin 10000 Mark konnten die Baukosten durch Eigenleistungen verringert werden, weitere 5000 steuerte die Marktgemeinde bei. der Rest wurde durch private Wohltäter zusammengetragen.

Geschaffen hatten Sie damit nicht weniger als die größte Attraktion, die Holzkirchen in den nächsten Jahrzehnten zu bieten haben sollte. Beflügelt durch die verbesserten Trainingsbedingungen, avancierte die Holzkirchner Mannschaft in den Folgejahren zu den Spitzenmannschaften der Gruppenliga und stieg 1963 sensationell in die zweitklassige Oberliga auf. Um den Aufstieg wahrnehmen zu können, wurde vom Deutschen Eishockeybund jedoch die Umrüstung des Eisstadions zum Kunsteisstadion vorgeschrieben, welche in den Jahren zuvor zwar bereits mehrfach diskutiert wurde, jedoch stets an den Kosten scheiterte.

Freiluftstadion mit Spitzenspielen

Die große Euphorie, die den Aufstieg begleitete, vermochte es nun politische Entscheidungen herbeizuführen, welche den Umbau des Eisstadions ermöglichten und die Heimat des besten Natureisvereins Deutschlands nun endgültig auf die Landkarte setzten. Der 4500-Einwohner-Ort konkurrierte in den Folgejahren mit großen Namen wie dem Kölner EK, der Düsseldorfer EG oder dem Berliner Schlittschuhclub. 1967 errang Holzkirchen sogar den Oberligapokal. In der aus zwei Spielen bestehenden Finalserie unterlag Mannheim damals insgesamt mit 12:4.

Das Freiluftstadion, in dem Spitzenspiele vor über 3.000 Zuschauern ausgetragen wurden, war damals bundesweit bekannt. Martin Hinterstocker gewann beispielsweise 1976 die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen. Außerdem wurden regelmäßig namhafte Eiskunstläufer zur Unterhaltung der Holzkirchner engagiert.

Die Ära des Holzkirchner Eisstadions als überregional bedeutsame Kultstätte des Eissportes währte jedoch nicht lange. Während andere Eishockeyhochburgen im Laufe der 60er- und 70er-Jahre in Eishallen investierten, begann der Holzkirchner Eissport zunehmend unter seiner Wetterabhängigkeit zu leiden. So schloss Rosenheim beispielsweise erst Ende der 60er-Jahre im Eishockey zu Holzkirchen auf, konnte sich durch den Hallenbau 1973 bis heute im hochklassigen Eishockey halten, während Holzkirchen sein Renommee nicht zuletzt technisch bedingt einbüßte.

Verein will Holzkirchner Eissport wiederbeleben

Heute zählt die Marktgemeinde fast 17000 Einwohner und verfügt über ein hervorragendes wirtschaftliches Umfeld. Das Eisstadion wird von mehr Bürgern genutzt denn je zuvor, sei es beim Publikumslauf, Eiskunstlauf, Eistanz, Eisstockschießen oder auch beim Eishockey, dem heute sogar mehr Holzkirchner nachgehen als zur goldenen Ära des Hubertusstadions. Und dennoch hat es seine Funktion als wesentlicher Identifikationspunkt, der die Bewohner des Ortes zu tausenden zusammenbringt und gemeinsam mitfiebern und feiern lässt, verloren.

Um Holzkirchen einen Ort von solcher Strahlkraft zurückzugeben, hat sich im September ein Verein zur Förderung einer Holzkirchner Halle gegründet. Diese soll nicht nur dem Holzkirchner Eissport zu alter Größe zurückverhelfen, sondern auch überregional relevanten Kulturveranstaltungen, wie es sie im Landkreis bisher nicht gibt, sowie den Veranstaltungen der ortsansässigen Vereine ein Zuhause bieten. Derzeit arbeitet der Verein an der Aufstellung eines Konzepts für den Hallenneubau. Wie sie ihn dabei unterstützen können, erfahren Sie unter holzkirchner-halle.de.


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