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Autor Rafik Schami füllt die Segenskirche

Ein Flüchtling bewegt die Holzkirchner

Von Rose Beyer

Am 19. März 1971 landete in Frankfurt am Main das Flugzeug, das Rafik Schami nach Deutschland brachte. Die Entscheidung, seine Heimat Syrien zu verlassen, war ein Sprung ins kalte Wasser – und in die Freiheit. Wie es ihn jetzt ins Oberland verschlagen hat und wie er die Menschen hier bewegt.

Rafik Schami (re.) plädiert für Verständnis für Asylbewerber, die ihre Heimat verlassen mussten. / Quelle: Rose Beyer

Bereits fast eine Stunde vor Beginn muss der Kugelschreiber von Rafik Schami beim Signieren Überstunden leisten. Während Schami das Schreibgerät über das Papier gleiten lässt, füllt sich die Holzkirchner Segenskirche mit rund 390 Zuhörern, die schier süchtig sind nach seinen Geschichten. Ob der Roman „Sophia“ oder „Ich wollte nur Geschichten erzählen. Mosaik der Fremde“. Es ist die Art, wie er seine Geschichten erzählt, die die Leser fasziniert.

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Geschichten aus der Heimat

Auch Cornelia Engl von der Holzkirchner Bücherecke schätzt besonders, dass er bei seinen Geschichten vom Hundertsten ins Tausendste kommt und damit in tiefste Tiefen der Fantasie abtaucht. Nach zahlreichen Anfragen ist es der Buchhändlerin gelungen, den Autoren nach Holzkirchen „zu locken“. Hierher, wo es auch viele Asylbewerber gibt, die noch nicht in der Heimat angekommen sind.

Auch Rafik Schami, 1946 in Damaskus geboren, wollte seine Heimat eigentlich nie verlassen. Aber er musste. Auf einmal steht der Exilautor allein vor seiner alten, zerstörerischen, manchmal auch zerstörten Welt, der er zwar körperlich entkam, aber nicht geistig.

Ich verließ meine Heimat, aber sie verlässt mich nicht.

Eine dreimonatige Leserreise macht Schami nun durch Deutschland. Fast jeden Abend ist er in einem anderen Ort. Und ist scheintbar selbst ein wenig verwundert, dass der Zuspruch noch so groß ist. Die Segenskirche mit seinem Parkett und dem Balkon ist bis auf den letzten Platz gefüllt.

Jeder Platz in der Holzkirchner Segenskirche war besetzt. / Quelle: Rose Beyer

Der Autor liest verschiedene Kapitel aus dem Band „»Ich wollte nur Geschichten erzählen. Mosaik der Fremde«“ vor. Eine Sammlung arabischer Geschichten mit politischem Beigeschmack. „Meine Romane spielen immer bis 2010“, erzählt er kurz vor der Lesung in einem Pressegespräch. „Also vor dem Krieg.“

Verständnis für Asylbewerber wecken

Geholfen beim Schreiben hat ihm immer wieder sein Studium in Chemie/Physik und Mathematik. So kann er aus einem reichen Wissensschatz der Naturwissenschaft schöpfen. Die Geschichten fangen erst manchmal ganz märchenhaft an und stellen dann Bezüge zur heutigen Zeit her. Mit dem neuen Buch „Ich wollte nur Geschichten erzählen. Mosaik der Fremde“ zieht er Bilanz. Er erzählt wie schwierig es ist, anzukommen.

„Er weckt das Verständnis für die, die hier sind und auch die, die Zuhause geblieben sind“, meint Buchhändlerin Engl. Sie freue sich auch schon auf das brandneue Buch des Autors. In wenigen Wochen soll es herauskommen. „Die geheime Mission des Kardinals“ – so heißt es. Und handelt von einem Kardinal, der aus Rom geschickt wird, um jemanden zu suchen.

Wer Rafik Schami ebenfalls einmal live erleben möchte: Am 22.5. ist er im „Ballhaus Rosenheim“ zu sehen und liest „Auf die Freundschaft“.

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