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Herausforderung und Erfolgsgeschichte zugleich

Ein Haus für Kinder in Schaftlach

Von Rose Beyer

Wie man sich optimal an Veränderungen anpasst, zeigt die Nachmittagsbetreuung in Schaftlach. Traudl Bichler, die Leiterin der Schaftlacher Kindertagesstätte, hat dort neue Zeiten initiiert.

Als die zweite Grundschule in der Doppelgemeinde vom Zusperren betroffen war, weil die Schülerzahlen nachließen, ergriff sie die Gelegenheit, die heute mehr als hundert Kinder täglich satt und glücklich macht.

Heike Lutz, Traudl Bichler und Angelika Schubeck in der neuen Gastronomieküche

Der dreigruppige Kindergarten, die Krippenkinder und die Grundschüler aus der nahen Waakirchner Grundschule – alle essen sie jetzt in Schaftlach. Im Schulgebäude sind die Grundschüler am Nachmittag zu Hause. Die Nähe zur Kindertagesstätte nebenan macht es einfach, sich eine Köchin zu teilen.

Hundert Münder zu stopfen – Heike Lutz wüsste nicht, was sie noch lieber täte. Seit September steht sie gemeinsam mit Kollegin Angelika Schubeck in der Küche.

Wie aus der Not eine Tugend wurde – das „Haus für Kinder“

„Haus für Kinder“ nennt man diese praktikable Lösung, die die Schaftlacher praktizieren. Traudl Bichler hat quasi aus der Not eine Tugend gemacht. Denn um eine Förderung für Nachmittagsbetreuung zu bekommen, muss ein Großteil der Kinder mindestens drei bis vier Stunden täglich betreut werden. Das sogenannte Bayerische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz – kurz: BayKiBiG – schreibt es so vor. Das hätte man nur mit den Grundschülern nicht geschafft. Doch dank Kindertagesstätte war es kein Problem, die geforderten Kriterien zu erfüllen.

Damit stehen die Schaftlacher nicht allein. Laut Website des bayerischen Familienministeriums stieg die Zahl der „Häuser für Kinder“ seit ihrer Einführung im Jahre 2005 um das Zehnfache an. Derzeit gibt es bayernweit 422 Einrichtungen. Dies zeigt eine flächendeckend hohe Akzeptanz für diese Form der Kinderbetreuung, die gleichzeitig für eine breite Altersmischung konzipiert ist.

Ein großer Vorteil dabei ist, dass die Kinder über einen langen Zeitraum hinweg feste Bezugspersonen begleiten. Gerade in Übergangsphasen wie vom Kindergarten in die Grundschule können diese für die Kinder eine große Hilfe sein.

Feste Bezugspersonen sind wichtig – Helga Schneid praktiziert es im Alltag

Gerade kommen die sogenannten Koop-Kinder ins Zimmer. Traudl Bichler berichtet, wie schön sie es findet, wie sie sich gegenseitig Dinge lernen. Sie selbst war es, die sich auch an die Gemeinde Waakirchen gewandt hatte, ob man nicht eine gebrauchte Kücheneinrichtung finanzieren könne. Für die Verköstigung der Kindergartenkinder hatten die bescheideneren räumlichen Verhältnisse ja noch ausgereicht. Doch dann wurde auch noch die Krippe angebaut.

Eine rundum professionelle Mittagsversorgung

Insgeheim bestand der Wunsch nach mehr Frische und mehr Qualität und damit einer professionellen Mittagsversorgung schon länger. Die Gemeinde reagierte auf Bichlers Wunsch und sponserte die Tischchen und Stühlchen sowie sonstige Ausstattung, die zu einem geregelten Mittagessen im Schaftlacher Schulhaus gehören. Über 20.000 Euro hatte die Gemeinde allein für die professionelle Gastronomieküche ausgegeben.

Ein Confectomat – ein Profi-Backofen – eine Spülmaschine, ein Induktionsherd – das sind die Highlights in der Küche, in der Heike Lutz und Angelika Schubeck arbeiten. „Alles geht jetzt viel einfacher und schneller“, so die Köchin. Wochentags werkeln die beiden von 9:45 Uhr an, um den Kindern ein gesundes Essen servieren zu können. 80 Kilo Lebensmittel werden dafür eingekauft. Das läuft dann am Wochenende davor. „Das Landwirtschaftsministerium gibt vor, wie das Essen zusammengesetzt sein soll“, erzählt die „leidenschaftliche Hobbyköchin“, wie sich Lutz selbst bezeichnet.

Jeder macht alles – das Credo des Küchenduos

Die ministeriellen Auflagen sind hoch. So soll es viel pflanzliches Eiweiß geben, Hülsenfrüchte beispielsweise. Dagegen möglichst nur einmal pro Woche Fleisch. „Hähnchen-Cordon-Bleu mit Röstkartoffeln und Salat“ steht am heutigen Montag auf dem Speiseplan, der im Treppenhaus hängt.

Auch die Grundschulen durften ihre Essenswünsche kundtun und aktiv am Speiseplan mitwirken. „Pfannkuchen“, „Schinkennudeln“ und „Pommes“ stehen ganz oben in der Beliebtheitsskala der Mädchen und Jungen. Köchin Heike Lutz ist ebenso wichtig, dass die Geschmacksnerven der Kinder gekitzelt werden. An die hundert Essen zaubert das Küchenteam so tagtäglich.

Die Mitarbeiter aus der Kindertagesstätte holen es für die Kleinkinder im Gebäude nebenan. Diese essen schon früher als die Größeren. Das macht auch den Arbeitsablauf einfacher. Denn alle Essen auf einmal auszugeben, wäre zu zweit schwer machbar.

Nach und nach trudeln alle ein

Die Grundschüler kommen nach und nach im Schulgebäude an. Zuerst bringt der Bus die Erstklässler. Gegen 11:15 Uhr macht sich Andreas Catana auf, um sie von der Haltestelle abzuholen. Um 12.15 Uhr muss er noch mal los. Die Letzten kommen kurz nach 13 Uhr an.

Bis alle komplett sind, machen die anderen ihre Hausaufgaben. Die Leiterin der Schulkindbetreuung, Helga Schneid, sitzt, gebeugt über die Bücher, bei zwei Jungs in der ersten Reihe. Deutsch-Aufgaben machen. Unterstützt werden die Kinder, die sich inzwischen auf etwa 35 summiert haben, von der Leiterin sowie drei weiteren, ausgebildeten Erziehern beziehungsweise Kinderpflegern: Christa Estner, Marianne Weindl und Andreas Catana sind täglich für die Kinder da, um Fragen zu beantworten und bei den Aufgaben zu helfen.

So frisch schmeckt’s wie „bei Muttern“

Wer fertig ist, darf Kicker spielen oder sich anderweitig beschäftigen. Endlich ist es 13 Uhr. Von Hunger getrieben, versammeln sich alle an den kleinen Tischen, wo schon fertig eingedeckt ist. Es duftet nach warmen Kartoffeln und frisch gebratenem Fleisch. Man hilft sich untereinander beim Schneiden. Alles geht gesittet ab. Nach dem Essen wird fein säuberlich abgeräumt und weiter Hausaufgaben gemacht oder gespielt, bis alle gegen halb vier von den Eltern abgeholt werden.

Insgesamt sind 53 Kinder zur Nachmittagsbetreuung angemeldet. Aber es sind nicht immer alle da. Die Eltern bezahlen 3,50 Euro pro Essen. Dazu die Betreuungszeiten je nach gebuchter Stundenanzahl. Das ist ein flexibles System, mit dem Eltern und Kinder gut zurechtkommen – im Schaftlacher Haus für Kinder.

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