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Heimat auf dem Teller

Interessante Ergebnisse zur Umfrage über regionale Lebensmittel

Von Rose Beyer

Ergänzung vom 04. April / 11:29 Uhr
In einer kleinen – nicht repräsentativen – Umfrage zum Thema regionale Küche hatten wir vor kurzem drei Fragen gestellt. Insgesamt haben knapp 100 Personen an der Onlinebefragung teilgenommen.

Die Ergebnisse wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Gunnar Matysiak, der unter anderem das Wir-Konzept des Dorfladens in Gmund mitentwickelt hat, nennt die Zahlen “überraschend”.

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Als Erstes hatten wir gefragt: Achten Sie beim Einkaufen auf die Herkunft der Lebensmittel? Ganze 67 Prozent geben auf diese Frage an, dies immer (19%) oder meistens (48%) zu tun. Eher weniger oder nie darauf achtet das übrige Drittel.

Matysiak weiß, dass dieser Trend zumindes zunimmt und sagt: “Die Menschen sind sensibler geworden was die Herkunft von Lebensmitteln angeht”, so der Experte, der auch in den häufigen Lebensmittelskandalen der jüngeren Vergangenheit mit einen Grund für diese Entwicklung sieht.

Dass aber 67 Prozent der Befragungsteilnehmer darauf achten, wo die Lebensmittel herkommen, hält der Experte eher für fraglich: “Wenn das tatsächlich so wäre hätten auf regionale Produkte spezialisierte Läden nicht solche Probleme.”

Verbraucherministerin Ilse Aigner im Gespräch mit Gunnar Matysiak.

Außerdem wollten wir wissen, ob bei Ihnen saisonale Ware „in den Kochtopf“ kommt? Bei 66 Prozent der Personen, die sich an der Umfrage beteiligten, kommt immer (8%) oder meistens (58%) saisonale Ware in den Kochtopf.

Laut den Erfahrungen Matysiak ist auch dieser Wert, also das über 60 Prozent meistens oder öfters saisonale Ware beim Kochen verwenden, etwas hochgegriffen.

3. Frage: “Würden Sie mehr Geld für regionale Lebensmittel ausgeben?”

Interessant ist auch, dass Dreiviertel bereit wären für regionale und/oder saisonale Lebensmittel tiefer in die Tasche zu greifen. 26 Prozent der Befragten würden das nicht tun.

Matysiak schätzt aufgrund seiner Erfahrung und den Zahlen, die in Studien immer wieder auftauchen, dass maximal ein Drittel tatsächlich bereit ist, mehr für regionale Ware zu bezahlen.

Der Grund liegt vor allem in Deutschland darin, dass über Sonderangebote von Discountern eines suggeriert wird: Lebensmittel müssen billig sein. “Dem kann man sich fast nicht entziehen. In anderen Ländern Europas ist das bei weitem so nicht der Fall.”

Hier noch die Umfrage von vor zwei Wochen:

Regionale Lebensmittel sind in aller Munde. So ist zumindest der Eindruck, wenn man das Thema recherchiert. Aber sind Herkunft, Zertifikate oder saisonale Zugehörigkeit tatsächlich wichtig? Oder achtet der durchschnittliche Kunde beim Einkauf eher auf den Preis?

Hier eine kurze Umfrage, an der sie ganz anonym teilnehmen können. Drei Fragen, drei Antworten, Dauer maximal 30 Sekunden.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von docs.google.com zu laden.

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Ursprünglicher Artikel vom 15. März:
Hygieneskandale in Großbetrieben. Antibiotika-Orgien in Agrarfabriken. Fragwürdige Früchte mit tausenden von Kilometern auf dem Buckel.

Durch immer wieder neue Nachrichten – letztens die Hygienemängel bei Müller-Brot – sind manche beim Einkauf mittlerweile wohl etwas strenger bei der Entscheidung welches Lebensmittel mit in den Einkaufskorb darf.

„Ich möchte wissen, was ich esse,“ sagt auch Anette Niggl von der Volkshochschule Tegernsee. Wo das Essen herkommt, das möchte sie auch ihren „Schülern“ vermitteln. Der Bildungsträger vhs hat zwar seit einigen Jahren Kurse im Programm, die sich mit der regionalen Küche, beispielsweise mit Heilkräutern, befassen.

Jetzt soll der Bereich noch erweitert werden. Ein Kochkurs zur Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt ist geplant. Im Frühjahr soll es losgehen.

“Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen,“ fährt die Bildungsreferentin fort. Und da ist es doch am besten, die Story ist nicht allzu lang. Sprich: Die Lebensmittel kommen nicht von weit her, sondern von hier aus der Region.

Wenn es nach mancher Handelskette geht, essen wir heute Äpfel aus Neuseeland, morgen Erdbeeren aus Marokko und am dritten Tag Steaks aus Argentinien. Von den gekauften Lebensmitteln stammt heutzutage ein Großteil aus fernen Ländern.

Bio ist, was regional war

Eigentlich müsste es nicht sein, dass man Produkte kauft, die tausende Kilometer auf dem Buckel haben. Früher wurde überall regional gegessen. Landschaft und Nahrung waren untrennbar miteinander verbunden.

Am Meer aß man beispielsweise hauptsächlich Fisch. In den Bergen gab es Gerichte, gewürzt mit Bergkräutern. In Heidegebieten bereitete man Speisen zu, deren Hauptbestandteil aus den Ziegen und Schafen bestand, die dort weideten.

Auch in unserer Region ist vieles verfügbar. Man könnte sie als Mischzone beschreiben. Einerseits dominiert die Milchviehhaltung, was die Produktion und den Verzehr von Milchprodukten und Rindfleisch erklärt. Andererseits leben auch Fische im See und in den Flüssen sowie das Wild im Wald.

Auf den Wiesen findet man zahlreiche Kräuter. Außerdem wachsen Obst und Gemüse sowie Salate in den Gärten. Hat man keine eigene Anbaufläche oder keine Landwirtschaft, bekommt man die Waren auf dem Gmunder Bauernmarkt, bei Direktvermarktern wie dem Baierhof, der Naturkäserei oder in Lebensmittelläden, die die Sehnsucht der Verbraucher nach Heimat erkannt haben.

Eigentlich bräuchte man nur zu regionalen Produkten zu greifen. Dieses Bewusstsein zu fördern, ist die Intention der Volkshochschule. Warum schmecken die Kräuter im Tal anders als auf dem Berg? Warum hat eine Forelle rosa Fleisch? Warum wachsen am ungespritzten Wiesenrand so viele Heilpflanzen?

Von welchen Wildkräutern stammt unser heimisches Gemüse ab? Was gibt es für uralte Rezepte? Was ist regional, was ist saisonal und was bedeutet eigentlich Bio? Antworten darauf sollen während der regelmäßigen Gruppentreffen gegeben werden.

Heimat schmeckt

Natürlich steht das gemeinsame Vorbereiten des Essens sowie das Zubereiten der Speisen im Fokus. Gemeinsam sieht man in Großmutters Töpfe. Denn von Oma lernen heißt, genießen lernen. Aber auch sparen lernen. Die Kriegsgeneration wusste, wie man für wenig Geld eine große Familie satt bekommt. Sie machten es vor, wie man Lebensmittel haltbar macht.

Liegt die Zukunft der Küche also im Tegernseer Tal? Sicher nicht ausschließlich. Doch öfter mal zu regionalen Produkten zu greifen, ist in jedem Fall zukunftsfähig. Denn wer sich Heimat schmecken lässt, der schützt sie auch.

Weitere Informationen:
www.vhs-trk.de
www.slowfood.de

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