Gesperrte Pisten sind für Tourenskifahrer tabu

Naturerlebnis mit tödlichem Risiko

Von Lydia Dartsch

Wer nach Feierabend nicht faul zu Hause sitzen, sondern sich bewegen will, kann im Winter – genug Schnee vorausgesetzt – noch für eine Skitour hoch auf die Sutten oder den Sonnenbichl. Seit einigen Jahren erfreut sich der Sport großer Beliebtheit. Doch das erhoffte Naturerlebnis kann buchstäblich ins Auge gehen, wenn man sich nicht an Regeln hält.

Die Seilwindenraupe ist mit einem Stahlseil am Hang festgemacht. Ist sie im Einsatz, ist die Piste gesperrt. Wer sich nicht daran hält, begibt sich in Lebensgefahr.
Die Seilwindenraupe ist mit einem Stahlseil am Hang festgemacht. Ist sie im Einsatz, ist die Piste gesperrt. Wer sich nicht daran hält, begibt sich in Lebensgefahr.

Wenn auf dem Sonnenbichl die gelben Lichter an den Warnbaken blinken, wird die Piste mit einer Seilwindenraupe präpariert. Dann gilt dort „Betreten verboten“ und das sogar auf Verordnung der Gemeinde Bad Wiessee. Denn dann ist der Aufenthalt auf der Piste lebensgefährlich, wie auch ein Video der Brauneck Bergbahn und der Bergwacht Lenggries weiter unten im Artikel beweist.

Das Stahlseil, an dem die Pistenraupen am Hang festgemacht sind, ist rund einen Kilometer lang. Meist liegt es unsichtbar unter der Schneedecke und auch, wenn es bewegt wird, sieht man es kaum, oder gar nicht. Auch die Raupe sieht man oft nicht, wenn sie sich im einen Kilometer weiten Umkreis bewegt und die Piste für den nächsten Tag präpariert.

Naturerlebnis mit tödlichem Risiko

„Grundsätzlich haben wir nichts gegen Skitourengeher“, sagt Anton Schwinghammer auf Nachfrage gegenüber der TS. Er selbst ist nach eigenen Angaben gerne mit den Tourenski unterwegs, trainiert dabei seine Ausdauer und genießt die Natur. Viele Einheimische tun es ihm nach und laufen nach Feierabend mit ihren fellbesetzten Skiern auf die Berge. Viele wandern auch vom Sonnenbichl hoch zur bewirtschafteten Aueralm, um nach einer Einkehr wieder in Richtung Tal zu fahren.

Doch diese Abfahrt kann mit schweren Verletzungen und sogar tödlich enden, wenn man auf den Pisten fährt, die gerade präpariert werden: Blitzschnell kann sich das im Schnee verborgene Seil spannen. Zu schnell für den Skifahrer, um noch zu reagieren. In der Dämmerung oder der Nacht ist es trotz Stirnlampen kaum sichtbar. Damit werden diese Seile zu lebensgefährlichen Fallen.

Verletzte oder gar Tote hat es zwar noch nicht gegeben, aber einen Unfall gab es bereits. Vor knapp zwei Jahren waren zwei Skitourengeher auf einer gesperrten Piste unterwegs, als sich plötzlich das Drahtseil der Raupe spannte. Einer der Skifahrer war dadurch in hohem Bogen durch die Luft geschleudert worden. Zum Glück blieb der Mann unverletzt.

Sperrzeiten ab 21 Uhr

Um solche Unfälle zu vermeiden, sind viele Pisten nach Liftschluss gesperrt, auch für Skitourengeher. Doch von einer allgemeinen Pistensperrung, wie sie die Gemeinde Bad Wiessee ab 21 Uhr verordnet hatte, hält der Vorsitzende des Fördervereins Schneesport Tegernseer Tal nichts: „Die Pisten können auch abseits der Liftzeiten von Skitourengehern genutzt werden“, sagt Schwinghammer. Nur eben dort, wo die Raupe gerade arbeitet, darf man nicht abfahren. Wer das missachtet, wird laut Verordnung mit einem Bußgeld belegt.

Um Schneesportbegeisterte vor der Gefahr zu warnen, hat der Förderverein Warnbaken mit gelben Blinklichtern angeschafft. Blinken die Lichter, ist die Raupe unterwegs und die Piste darf auf keinen Fall genutzt werden. Wer dennoch dort ins Tal muss, kann sich beim Raupenfahrer melden. Dessen Telefonnummer hat der Verein auf den Schildern angebracht und im Internet veröffentlicht. Mit ihm kann man dann alternative Abfahrtsrouten vereinbaren, auf denen man sicher unterwegs ist. „x“

Oberste Regel: Rücksicht nehmen!

Aber auch sonst sollten Skitourengeher sich an ein paar Regeln halten. „Am besten gehen Sie immer am Rand und nicht mitten auf der Piste“, sagt Anton Schwinghammer. So stören Sie andere Skifahrer nicht bei der Abfahrt und gefährden diese nicht. Sichere Skirouten werden durch Schilder angezeigt.

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Auch die anschließende Abfahrt sollte nach Möglichkeit nicht mitten auf der Piste stattfinden, sondern besser am Rand – aus Rücksicht auf die Skifahrer, die mit dem Lift nach oben gelangen, denn das Präparieren der Pisten kostet die Liftbetreiber Geld, das sie über die Liftgebühr wieder einnehmen wollen.

Die Bergwacht Bayern rät zudem, nur bei genügend Schnee eine Skitour zu unternehmen, um den Boden und die Pflanzen unter dem Schnee nicht zu schädigen. Auch in Gebieten, in denen Wildtiere leben, sollte man nicht fahren – vor allem nicht in der Dämmerung. Denn gerade dann sind die Tiere besonders empfindlich.


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