Asylbewerber werkeln unter Meisterhand

von Nina Häußinger

110 Menschen leben seit sechs Wochen in der Traglufthalle am Birkenmoos in Enterrottach. Eine Herausforderung für alle Beteiligten. Doch die Stimmung scheint gut – nur wenige „Zwischenfälle“ hat die Gemeinde zu beklagen. Vor allem ein neues Projekt für die Asylbewerber klingt vielversprechend.

Gabriele Schultes-Jaskolla berichtet über aktuelle Situation in der Rottacher Traglufthalle
Gabriele Schultes-Jaskolla berichtet über aktuelle Situation in der Rottacher Traglufthalle. /Montage

Rund anderthalb Monate ist die Traglufthalle am Birkenmoos in Enterrottach in Betrieb. 110 Asylbewerber leben derzeit in der Unterkunft. Es sind junge Männer zwischen 15 und 33 Jahren aus Afghanistan, Iran und Afrika. Die dritte Bürgermeisterin Gabriele Schultes-Jaskolla erklärte auf der jüngsten Sitzung des Rottacher Gemeinderats ohne große Schnörkel:

Wir sind jetzt in der sechsten Woche und ich denke es läuft ganz gut.

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Zwar kommen im Rathaus immer mal wieder Anrufe von Bürgern rein, das versuche man dann aber schnell auf die Reihe zu kriegen. Insgesamt investiert der gesamte Helferkreis für Aufgaben wie Kleidervergabe, medizinische Versorgung, Sport und andere Belange 150 Stunden die Woche. Das sind für jeden Asylbewerber knapp anderthalb Stunden.

Im Fokus steht für den Rottacher Helferkreis ganz klar der Deutschunterricht. Manche der Bewohner können gar nicht schreiben und lesen, andere müssen „nur“ die deutsche Sprache lernen. „Zehn Asylbewerber haben diese Woche die Sprachstufe A1 an der VHS abgelegt”, so Schultes-Jaskolla stolz.

Sprache zur Integration

Auch ein Förderkurs für 15 Asylbewerber wurde den Rottachern jetzt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bewilligt. Dabei handelt es sich um einen Crashkurs. Die Teilnehmer haben jeden Tag fünf Stunden „Schule“. Aber auch alle anderen bekommen derzeit vier Mal die Woche anderthalb Stunden Sprachunterricht. Schultes-Jaskolle berichtet weiter:

Vor allem an Praktika besteht ein großes Interesse.

Zwar müsse man zunächst noch einiges mit dem Landratsamt klären. Es hätten sich aber schon fünf oder sechs Unternehmen gefunden, die bereit seien, einen Asylbewerber aufzunehmen.

In der Planung sei außerdem eine Werkstatt, in der pensionierte Meister aus verschiedenen Bereichen den Asylbewerbern handwerkliche Fähigkeiten beibringen sollen. Während der übrigen Zeit versucht man die Flüchtlinge so gut es geht zu beschäftigen. Wolfgang Strobl von der Polizeiinspektion Bad Wiessee bietet beispielsweise extra Übungsstunden für’s Radfahren an.

Kleine Zwischenfälle bleiben trotzdem nicht aus. So beklagt Bürgermeister Köck, dass Sauberkeit den neuen Mitbürgern manchmal noch nicht ganz so wichtig sei. „Das ist eine Mentalitätsfrage“, ist er sich sicher. Für Rottach sei es aber wichtig, dass der Ort sauber bleibe. Doch auch da weiß der Helferkreis Rat. Mit Gerätschaften aus dem Bauhof mussten die Übeltäter wieder „zamrama“.

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