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Leserstimme zur Diskussion um die geplante Südumfahrung

„Fakten statt Emotionen“

Von Redaktion

Zur Südumgehung wurde schon viel geschrieben und diskutiert, zumeist sehr emotional. Mit der Anmeldung zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) liegen nun jedoch auch Fakten vor. Eine Einladung zur sachlich orientierten Diskussion.

Bürger bilden mit ihren Autos eine Blechschlange gegen die geplante Südumfahrung von Holzkirchen – das Thema erhitzt seit Jahren die Gemüter.
Bürger bilden mit ihren Autos eine Blechschlange gegen die geplante Südumfahrung von Holzkirchen – das Thema erhitzt seit Jahren die Gemüter.

Leserstimme von Torben Keck, Mitglied der BI „Stop Südumgehung“
Die aktuellen Informationsveranstaltungen und Diskussionen in Hartpenning zeigen wieder, wie wichtig die Konzentration auf Fakten statt Emotionen in der Beurteilung notwendiger verkehrlicher Maßnahmen und Gestaltung ist.

Daher hatten wir vor einem Monat schon zu den grundlegenden Widersprüchen in der Projektanmeldung der „Holzkirchner Südumgehung“ im Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) betreffend der Nutzen-Kosten- Analyse (NKA), der Begründung der Notwendigkeit und der nicht erfolgten Alternativenprüfung berichtet. Die der NKA zugrunde gelegten Annahmen genauer zu betrachten bietet weitere Fakten in der Diskussion.

Tölzer Straße wäre verkehrsfrei…

In der NKA ist eine verkehrliche Entlastung der südlichen Ortsdurchfahrt Holzkirchen von 85{0df041b544200f98e0403f5bfaff217e8ddb0fa5a49c3e35acc6e6a32ff09f63} angesetzt – die Tölzer Strasse wäre mit 2.000 statt heute 13.000 Fahrzeugen quasi verkehrsfrei. Dieser Ansatz berücksichtigt jedoch nicht die realen Verkehrsströme in Holzkirchen, wie das im Auftrag des Marktes Holzkirchen erstellte Verkehrsgutachten ergeben hat:

– Der Durchgangsverkehr in Holzkirchen hat lediglich 21{0df041b544200f98e0403f5bfaff217e8ddb0fa5a49c3e35acc6e6a32ff09f63} Anteil am Gesamtverkehr, Quell- und Zielverkehr haben zusammen 56{0df041b544200f98e0403f5bfaff217e8ddb0fa5a49c3e35acc6e6a32ff09f63} Anteil, der Binnenverkehr 23{0df041b544200f98e0403f5bfaff217e8ddb0fa5a49c3e35acc6e6a32ff09f63}.
– Knapp über die Hälfte des Gesamtverkehrs am Ortseingang Tölzer Straße ist Durchgangsverkehr. Dieser teilt sich dann am Marktplatz zu einem Drittel weiter auf die B13 Richtung München / Otterfing, die anderen Drittel gehen in Richtung B318 / Autobahn.

Eine Entlastungswirkung für die Ortsdurchfahrt Holzkirchen stellt sich nur für den abgeleiteten Anteil des Durchgangsverkehrs ein. Binnen-, Quell- und Zielverkehr bleiben. Der durch das Projekt abgeleitete Verkehr in Richtung B318 / Autobahn kann somit lediglich gut ein Drittel des Gesamtverkehrs am Ortseingang Tölzer Straße betragen, die Tölzer Straße bleibt weiter mit ca. 8.000 Fahrzeugen belastet.

Falsche Grundannahmen – Unrealistische Ziele

Die Verkehrswirkungen in der Projektanmeldung sind in Summe mehr als doppelt so hoch angesetzt als real erzielbar. Die gesamte NKA fußt somit auf falschen Grundannahmen und Eingangsparametern. Der errechnete Gesamtnutzen des Projekts ist also bei weitem nicht real erzielbar.

Die falschen Grundannahmen der Verkehrswirkungen führen in der Folge zu einer falschen Bewertung der Umweltauswirkungen. Der Umweltnutzen wird also ähnlich, d.h. um die Hälfte geringer ausfallen, als in der NKA errechnet. Zusätzlich wurde in den Berechnungen der Binnenverkehr in Holzkirchen nicht berücksichtigt, welcher jedoch einen bedeutenden Anteil in der Belastung von Verkehrslärm darstellt. Der zentrale Nutzen, die Entlastung der vom Verkehrslärm betroffenen Einwohner, ist somit in der Realität nur zu weniger als der Hälfte erreichbar.

Des Weiteren wurde in der Beurteilung angenommen, dass Null Einwohner durch die Realisierung des Projekts neu belastet oder stärker betroffen werden. Diese Annahme ist falsch. Durch die verstärkte Belastung der B318 im Bereich der Ortsdurch- bzw. unmittelbaren – vorbeifahrten Lochham und Marschall erleben die Bürger dort eine stärkere Belastung von Verkehrslärm. Dies wird in der vorliegenden Bewertung der Umweltauswirkungen nicht berücksichtigt.

Der für das Projekt errechnete Umweltbeitrag ist fehlerhaft und bei weitem nicht erzielbar.

Die gleiche Logik gilt für die städtebauliche Beurteilung des Projektes. Die Entlastungen werden wesentlich geringer ausfallen als berechnet, da eine ggf. mögliche, anders gestaltete Straßenraumnutzung wesentlich von der absoluten Verkehrsbelastung beeinflusst wird. Die in der vorliegenden Beurteilung hinterlegten Chancen der Umgestaltung werden real nicht erreicht. Das zentrale Ergebnis der hohen städtebaulichen Bedeutung des Projektes ist somit grundlegend in Frage gestellt.

Aus naturschutzfachlicher Sicht wäre noch darauf hinzuweisen, dass Holzkirchen im Südwesten an einen der wenigen unzerschnittenen Verkehrsarmen Räume mit einer Größe von 50 – 100 qkm im südlichen Münchner Umland angrenzt. Die im Projekt bewertete Trasse durchschneidet diesen schützenswerten Raum sowohl mit der OU Großhartpenning, als auch mit der OU Kurzenberg.

Fazit: Ziel weit verfehlt

Das Ziel der Bundesregierung, den bestehenden Anteil unzerschnittener Räume zu erhalten, wird durch das Projekt nicht unterstützt. Nebenbei erfolgt bei Umsetzung des Projekts ein tiefgreifender Einschnitt in einen wesentlichen Naherholungsraum der 16.000 Holzkirchner Bürger. Die Folge wird ein weiter verstärkter KfZ-Verkehr aus Holzkirchen heraus sein, hin zu anderen Erholungsgebieten.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass bei genauer und kritischer Betrachtung die in der Projektanmeldung angenommene Wirtschaftlichkeit, die verkehrliche Entlastung, der Umweltnutzen und die städtebauliche Bedeutung weit verfehlt wird.

Anmerkung der Redaktion:
Wir haben auch die Mitglieder von „Südumfahrung jetzt!“ um eine Leserstimme gebeten. Da der BVWP noch nicht endgültig verabschiedet wurde, möchte sich deren Vorsitzender Simon Drexl an dieser Stelle nicht zu diesem Thema äußern, sondern verweust auf die Stellungnahmen auf der eigenen Webseite.

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