Leserstimme zur Diskussion um die geplante Südumfahrung
Endlich Fakten statt Emotionen

von Redaktion

Zur Südumgehung wurde schon viel geschrieben und diskutiert, zumeist sehr emotional. Mit der Projektanmeldung zum Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) liegen nun jedoch auch Fakten vor. Eine Einladung zur sachlich orientierten Diskussion.

"Hartpenning muckt auf" fordert eine Stellungnahme des Gemeinderates zur geplanten ortsnahen Südumfahrung.
Bürger bilden mit ihren Autos eine Blechschlange gegen die geplante Südumfahrung von Holzkirchen – das Thema erhitzt seit Jahren die Gemüter.

Leserstimme von Torben Keck, Mitglied der BI “Stop Südumgehung”

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Die „Holzkirchner Südumgehung“ ist – gestückelt in Teilprojekte innerhalb des Gesamtprojekts „Anschluss Bad Tölz an die A8“ – im BVWP angemeldet. Wesentliches Kriterium für die Zuordnung der Südumgehung in den vordringlichen Bedarf des BVWP ist das scheinbar positive Ergebnis der Nutzen-Kosten-Analyse (NKA).

Diese wurde jedoch nicht für die Umgehung Holzkirchens alleine durchgeführt, sondern für das Gesamtprojekt von Kurzenberg bis einschliesslich des vierspurigen Ausbaus der B318. Das lässt den Schluss zu, dass nur ein „ganz oder gar nicht“ den erwarteten volkswirtschaftlichen Nutzen des Gesamtprojekts hebt, wenn denn dieser gegeben ist.

Dies wird aber aktuell durch die abweichende Einordnung der Umfahrungen von Großhartpenning und Kurzenberg in den Weiteren Bedarf nicht erreicht. Hartpenning bliebe „auf der Strecke“. Ein fundamentaler Widerspruch in der Bewertung und Einordnung des Projekts.

Diskrepanz zwischen Gutachten und Projektion

Zudem sind für die NKA Verkehrsbelastungen angesetzt, die nicht den Ergebnissen bzw. Erkenntnissen des aktuellen Verkehrsgutachtens des Marktes Holzkirchen durch das Büro Kaulen entsprechen. Bei Ansatz der aktuellen Zahlen der Zusammensetzung und innerörtlichen Verteilung des Verkehrs verschlechtert sich das Ergebnis der NKA deutlich – gegebenenfalls bis zur Wirtschaftlichkeitsgrenze. Eine Einordnung in den Vordringlichen Bedarf ist damit hinfällig. Der grundsätzliche Bedarf des Projektes darf ernsthaft in Frage gestellt werden.

Ein weiterer Aspekt stellt den Bedarfsnachweis des Projektes fundamental in Frage. Der Projektanmeldung ist als wesentliche Notwendigkeit ein Erreichbarkeitsdefizit für Bad Tölz im Straßenpersonenverkehr zugrundegelegt. Dieses Defizit ist jedoch real nicht gegeben. Die im BVWP aufgeführten maximalen Fahrzeiten von einem Mittelzentrum (hier Bad Tölz) zum jeweils nächstgelegenen Autobahnanschluss, Oberzentrum, IC-Bahnhof und Flughafen sind klar definiert.

In jedem Falle sind die Fahrzeiten von Bad Tölz zu diesen Zielen kürzer. Dies spiegelt sich im Projektdossier auch in der raumordnerischen Bedeutung des Projekts als „nicht bewertungsrelevant“ wider. Die Anmeldung des Projektes ist somit auch in diesem Punkt in sich widersprüchlich.

Sympathisanten von "Hartpenning muckt auf" demonstrierten im vergangenen Jahr vor dem Holzkirchner Rathaus. Damals war die Faktenlage noch deutlich dünner als heute - man wusste zu Beispiel noch nicht, ob es die Südumgehung in den "vordringlichen Bedarf" schafft.
Sympathisanten von “Hartpenning muckt auf” demonstrierten im vergangenen Jahr vor dem Holzkirchner Rathaus. Damals war die Faktenlage noch deutlich dünner als heute – man wusste zu Beispiel noch nicht, ob es die Südumgehung in den “vordringlichen Bedarf” schafft.

Demgegenüber besteht heute ein deutliches Erreichbarkeitsdefizit für Bad Tölz im Schienenverkehr, und dies in jedem dafür vorgesehenen Kriterium des BVWP. Die mangelhafte Schienenanbindung ist ein wesentlicher Grund für viele der täglichen PKW-Fahrten (insbesondere im Pendler- und Ausflugsverkehr) von und nach Bad Tölz. Hier besteht eine sehr hohe Notwendigkeit der Anbindungsverbesserung.

Grundsätzlich werden für alle im BVWP angemeldeten Projekte Alternativenprüfungen gefordert, diese fehlt jedoch für das Gesamtprojekt komplett. Lediglich in den engen Grenzen der Teilprojekte wurden z.B. alternative Trassenführungen behandelt. Eine Alternativenprüfung mit Ziel der Leistungssteigerung im Verkehrsnetz Schiene drängt sich also förmlich auf.

Lösungsansätze mit geringem Aufwand

Hier würde es grundsätzlich mit relativ geringem Aufwand umzusetzende Vorschläge der beschleunigten Anbindung geben, z.B. über Expresszüge. Auch ein Ausweiten des MVV-Tarifverbundes in Richtung Bad Tölz würde wesentliche Effekte erzielen, ohne zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur zu bedingen.

Ein geringfügiger Ausbau des Schienennetzes (z.B. eine Überhol- bzw. Vorbeifahrtstelle) würde nur wenig Flächenbedarf erfordern und ein weiteres Ziel des BVWP, einen umweltverträglichen Personenverkehr, unterstützen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass bei genauer und kritischer Betrachtung eine zielgerichtete Allokation der Investitionsmittel im Sinne der Gesamtziele des BVWP durch die Zuordnung der „Holzkirchner Südumgehung“ in den Vordringlichen Bedarf verfehlt wird.

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