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Südliche Umgehungstraße - neuer Gemeinderat soll entscheiden

Entscheidungsfindung steckt im Stau

Von Daniela Otto

Die südliche Umgehungsstraße gehört zu den brisantesten verkehrspolitischen Themen in Holzkirchen. Momentan herrscht jedoch Stillstand bei der Entscheidungsfindung: Das Bauamt Rosenheim wartet auf die Aussage des Marktes, wie es weitergehen soll. Diese wird es jedoch erst in der neuen Legislaturperiode geben. Die Umsetzung des Projekts wird eine der Mammutaufgaben des neuen Gemeinderates.

Gegen die Umgehung regt sich der Widerstand – wie hier in Hartpenning. Bild:http://www.hartpenning-muckt-auf.de/
Gegen die Umgehung regt sich der Widerstand – wie hier in Hartpenning / Bild: hartpenning-muckt-auf.de/

Die Südspange polarisiert: Während Befürworter darin eine Chance sehen, den innerörtlichen Verkehr zu entlasten, befürchten Gegner die Zerstörung der sensiblen Umwelt. Nachdem eine erste vorgeschlagene Trasse gescheitert war, stellte das Straßenbauaumt im Dezember letzten Jahres zwei neue mögliche Korridore vor. Doch eine Entscheidung darüber wird erst der neue Gemeinderat fällen.

Die erste geplante Trasse für die Südumgehung, die vom Leitner Gasteig bis zur B318 geführt hätte, war im letzten Jahr an der Umweltverträglichkeitsprüfung gescheitert. Was die Gegner des Verkehrsprojekts schon immer befürchtet hatten, nämlich die mit einer Umgehung verbundene Zerstörung der Natur, schien sich für diese Umgehungsvariante zu bewahrheiten. „Die artenschutzrechtliche Bewertung solcher Projekte hat sich zuletzt deutlich verschärft“, hatte Claus-Peter Olk, Baudirektor vom Bauamt Rosenheim, damals erklärt.

Die neuen Korridore sollen umweltfreundlicher sein

Im Dezember stellte Olk dann zwei alternative Korridore für die Südspange vor, die genügend Rücksicht auf die Umwelt nehmen sollen. Ein erster Weg würde 1,2 Kilometer südlich von Holzkirchen von der B13 abzweigen und zwischen Lochham und Marschall in die B318 münden. Betroffen wäre hiervon auch das Gebiet der Gemeinde Valley: Östlich der B318 würden hier Auffahrtsschleifen entstehen.

Die zweite Alternative würde kurz nach Großhartpenning von der B13 abzweigen, zwischen Sufferloh und Thann verlaufen und ungefähr 500 Meter südlich von Lochham in die B318 münden. Gegen diese Version regt sich vor allem in Hartpenning Widerstand: „Hartpenning muckt auf“ heißt eine Initiative der Einheimischen. Eine „Gruppe bestens ausgebildeter Hartpenninger-Sturköpfe“, wie es auf der Website heißt, wehrt sich vehement gegen diese Umgehungsvariante. Es ginge nicht nur um die Natur, erklärt Erdal Karli. Etwa 20 Bauern seien davon betroffen, es ginge um deren Existenz:

Natürlich müssen wir die Natur schützen, aber die Menschen schon auch.

Diesen Widerstand der Hartpenninger findet Lisi Berger, Vorsitzende der Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße, gut. Überhaupt sind sich die Umgehungsstraßengegner weitestgehend einig. Während die Hartpenninger zwar prinzipell „offen für alles“ sind, wie Hans Hutzler sagt, und sich nicht generell gegen eine Umgehung stellen, finden Berger und der Bund Naturschutz an keiner der beiden neuen Korridore Gefallen. Als Hauptargumente gegen die geplante Umgehungsstraße nennt Berger den unverhältnismäßig hohen Flächenverbrauch, die dauerhaft negative Beeinträchtigung des Landschaftsbildes sowie den damit verbundenen Schaden für die Natur.

„Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass Umgehungstraßen alle nichts helfen. Holzkirchen ist ein Nadelöhr, ein Verkehrsknotenpunkt, den Verkehr kriegt man nicht raus.“ Berger erklärt, dass nicht der Durchgangsverkehr, sondern der Ziel- und Quellverkehr das Problem sei.

Den erwünschten Erfolg wird es mit der Straße nicht geben, dafür sind innerörtliche Maßnahmen notwendig.

Ähnlich sieht das auch Fred Langer vom Bund Naturschutz: „Unsere Position ist klar: Wir sind auch gegen diese neuen beiden Varianten. Hier kommt es zwar zu weniger Naturzerstörung, aber auch hier wird Naherholungsraum weggenommen.“

Sowohl Berger als auch Langer plädieren für ein Umdenken des Einzelnen: Die Lösung sei keine neue Straße, vielmehr müsse sich jeder für sich überlegen, ob er wirklich mit dem Auto zum Einkaufen fahren wolle oder nicht. Langer sagt, dass die Ideallösung eine ortsinterne Verkehrsreduzierung sei – mehr zu Fuß statt mit dem Auto.

Noch ist keine Entscheidung gefallen

Auch müsse der öffentliche Nahverkehr gestärkt werden: „Viele Tölzer kommen nach Holzkirchen uns steigen erst dort in die BOB ein, da hier der MVV-Bereich beginnt. Das muss attraktiver werden“, so der Naturschützer.

Beide Umgehungsgegner sehen der Zukunft jedoch gelassen entgegen: Noch ist keine Entscheidung darüber gefallen, wie es mit der Umgehung weitergeht. Diese müsse der Marktgemeinderat fällen, wie Olk sagt. „Wir warten auf eine Aussage des Marktes Holzkirchen, ob einer der beiden Korridore befürwortet wird oder nicht.“

Vor allem der neue Bürgermeister wird gefragt sein.
Vor allem der neue Bürgermeister Olaf von Loewis wird gefragt sein.

Wie Bürgermeister Höß bestätigt, wird diese Entscheidung jedoch erst in der neuen Legislaturperiode gefällt. Dass die Südumgehung zu einem Mammutprojekt für den neuen Gemeinderat wird, kann indes gewiss sein. Eine Entscheidung ist vor allem deswegen wichtig, weil ansonsten das Projekt finanziell nicht vom Bund gefördert wird. Wie Olk erläutert, läuft momentan die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans.

Dieser ist als verkehrszweigübergreifender Investitionsrahmenplan das zentrale Planungsinstrument der Bundesregierung für die Verkehrspolitik. „Die Kommunen haben eine relativ hohe Planungshoheit“, sagt Olk.

Wenn der Markt selber die Straße nicht will, wird das Projekt auch im Bund hinten angestellt.

Die Entscheidungsfindung hat sich nun aufgrund der Kommunalwahlen verzögert. Es hätte keinen Sinn gemacht, mit dem alten Gemeinderat eine Entscheidung zu fällen, die letztlich dann den neuen Gemeinderat betreffe, erklärt Höß. Immerhin rechnet Olk nicht mit einem Baubeginn vor 2019.

Es bleibt also weiter spannend, wie es in der Gemeinde verkehrspolitisch weitergeht. Eine einvernehmliche Lösung könnte schließlich eine Bürgerbefragung zu diesem Thema sein. Höß hatte bereits früher Sympathien für diese Möglichkeit bekundet: „Wir leben in einer Zeit, in der die Bürger miteingebunden werden“, so der noch amtierende Bürgermeister.

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