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Holzkirchner Gemeinderat verabschiedet scheidenden Bürgermeister

Die Ära Höß ist vorbei

Von Petra Dietzel

18 Jahre war er Gemeinderat, 12 Jahre davon Bürgermeister von Holzkirchen. Am Mittwoch Abend hat Josef Höß seinen Hut genommen und genießt seit heute seinen Ruhestand.

Der neue Bürgermeister Olaf von Löwis überreicht dem scheidenden Amtsträger ein Porträt, das im Rathaus hängen soll.
Der neue Bürgermeister Olaf von Löwis überreicht dem scheidenden Amtsträger ein Porträt.

196 Gemeinderatssitzungen, 105 Hauptausschusssitzungen, 78 Aufsichtsratssitzungen in den Gemeindewerken, jeweils über 30 Treffen für das Kultur- und Bürgerhaus und den Neubau der Schule. Und nicht zu vergessen: 544 Trauungen. Die letzte Amtshandlung am letzten Tag: eine Gratulation zum 60. Hochzeitstag. Dass dieser Abschiedstag ein besonderer im Leben des scheidenden Bürgermeisters ist, zeigt dass er neben dem beruflichen Jubiläum einen weiteren, sehr persönlichen Grund zum Feiern hatte: Es war sein 43. Hochzeitstag. So saß seine Frau Lydia, die ihn sein ganzes Berufsleben begleitet hatte, neben ihm.

Ihr, die laut Höß stets sein bester Ratgeber in all diesen Jahren gewesen war, dankte er von ganzem Herzen für die berufliche und persönliche Unterstützung – ein sehr berührender Moment, ein Abschied mit Tränen in den Augen. Wie so oft bei Abschieden schlagen zwei Seelen in einer Brust. So blickte Höß selbst mit großem Respekt, Stolz und Freude auf seine Amtszeit zurück. Neben den großen Projekten dieser Legislaturperiode – wie die Nordumfahrung oder das Gewerbegebiet, um nur einige stellvertretend zu nennen – präsentierte er sich als „Bürgermeister der kleinen Dinge“.

„Der Bürgermeister allein bewirkt nichts“

„Fußgängerquerungen, Radwege oder Bordsteinabsenkungen scheinen so selbstverständlich – doch gerade diese Entscheidungen, die dem Bürger den Alltag vereinfachen, erfordern viel, viel Aufmerksamkeit“, betont der 65-Jährige, der als Selbstständiger „Hals über Kopf“ alles aufgegeben hatte, um das Amt am 1. Mai 2002 zu übernehmen.

Viel Engagement und Energie hätten langwierige Grundstücksverhandlungen gefordert. Sei es einen barrierefreien Zugang zum Friedhof umzusetzen oder Verhandlungen mit 23 Grundstückseigentümern bei der Nordumfahrung zu führen – „Allein diese Gespräche haben fünf Jahre gebraucht.“ In Hartpenning sei der Schulweg für die Kinder ein „Kampf um Zentimeter“ gewesen, erinnerte er sich. „Der Grundstückskauf war seine große Leidenschaft“, bestätigte die SPD-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Dasch mit einem Zwinkern in den Augen. „Aber auch sein Motto ‚Der Kunde ist König‘ – und das war stets der Bürger – hat diese Legislaturperiode sehr geprägt.“

Der Haushalt als Sorgenkind

Höß selbst machte deutlich, dass er das Rathaus als modernes Dienstleistungszentrum verstanden hatte. Und vor allem sei ihm immer klar gewesen: „Der Bürgermeister alleine bewirkt nichts!“ In diesem Sinne dankte er dem gesamten Gemeinderat und der Verwaltung für die Unterstützung in all den Jahren. Dass sein Ziel, Visionen auch umzusetzen und damit seine Anforderungen sehr hoch waren, sei ihm durchaus bewusst.

Das Sorgenkind seien immer die Finanzen. Allein das jährliche Budget von über 30 Millionen Euro „nur damit der Laden läuft“ müsse erst mal erwirtschaftet werden. In den letzten zwölf Jahren habe sich das Investitionsvolumen auf 100 Millionen Euro belaufen. Der Stolz nun eine „schwarze Null“ an den Nachfolger zu übergeben, war dem scheidenden Bürgermeister anzusehen.

Josef Höß – im Original und als Porträt des Kunstmalers Albert Wieser – mit seiner Frau Lydia.
Josef Höß – im Original und als Porträt des Kunstmalers Albert Wieser – mit seiner Frau Lydia.

Ebenfalls mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahm Olaf von Löwis Abschied. Von seinem bisherigen Job, aber auch von seinem Vorgänger: „Du bist mir Vorbild und echter Freund geworden!“ Und er betonte, dass Wichtigste, was er von Höß gelernt habe, sei, dass in vielen Entscheidungen „Geduld der beste Ratgeber ist“. Löwis überreichte das Abschiedsgeschenk: ein Höß-Porträt von dem vor zwei Jahren verstorbenen Maler Albert Wieser.

Sein CSU-Parteikollege und langjähriger Freund Bernd Weinmann lobte Höß‘ Teamgeist, seine Überzeugungsarbeit und seine Menschlichkeit. „Du hinterlässt ein gut bestelltes Haus und einen große Lücke hier im Gemeinderat.“ Der souveräne Politikstil und die Gelassenheit gehören für Robert Wiechmann von den Grünen zu den herausragenden Fähigkeiten von Ex-Bürgermeister Höß.

Ein Essensgutschein soll dem Ehepaar Höß den Schritt ins neue Leben versüßen, auch wenn Sport die gesündere Variante wäre, so die Abschiedsüberlegungen von Hubert Müller im Namen der FWG. „Ich war mit Herz und Seele dabei, aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Absprung“, lautete das Fazit des scheidenden Rathauschefs. Ob der Ruheständler Höß aus den vielen kleinen Begebenheiten nun ein Buch plant oder lieber Leserbriefe schreibt – lassen wir uns überraschen …

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