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Der neue Kreisjagdberater über Jagdrecht und Jagdpflicht

„Es wird zu viel gestritten“

Von Rose Beyer

Jagdrecht und Jagdpflicht in Balance zu bringen, ist eine Kunst. Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man sich mit Tobias Hupfauer länger unterhält. Der 36-Jährige ist der neue Kreisjagdberater.

„Es wird zu viel gestritten“, so die Meinung des Gmunders. Dazu dass zwischen Jägern und Waldbesitzern bald Einigkeit herrscht, will er seinen Teil beitragen.

"Ich kenne beide Seiten", sagt Tobias Hupfauer, der selbst Jäger und Förster ist
„Ich kenne beide Seiten“, sagt Tobias Hupfauer, der selbst Jäger und Förster ist.

Zusammenhalten, ruhig bleiben, dazulernen. So könnte wohl das Erfolgsrezept aussehen, wie man die Probleme um Wald und Wild im Landkreis in den Griff bekommen könnte. Das meint zumindest Tobias Hupfauer. Seit diesem Sommer darf er sich Kreisjagdberater nennen. Diesen Titel hat der Gmunder von Ex-Sparkassenchef Georg Bromme „geerbt“. Bromme war 15 Jahre lang Kreisjagdberater.

Ein Ehrenamt ist es – verliehen per Urkunde für die nächsten fünf Jahre. Hupfauer wurde vom Jagdbeirat vorgeschlagen und hatte sich dann gegen drei weitere Bewerber durchsetzen können. Dabei kam ihm seiner Meinung nach zugute, dass er stets betont hatte, sachliche Lösungen für eventuelle Probleme zu finden. Das Letzte was er fördern möchte, sind Emotionen. Denn die führen meist zu bekannten Auseinandersetzungen:

Es wird zu viel gestritten.

Und so geht mit der offiziellen Urkunde auch ein großer Teil Verantwortung auf Hupfauer über. Darüber ist er sich im Klaren. Doch genau das ist es auch, was ihn an diesem „Job“ reizt. „Ich sehe mich als Bindeglied“, so beteuert er, der selbst Jäger und Förster gelernt hat.

Geboren in Rosenheim, aufgewachsen in Aschau am Chiemsee, absolvierte Hupfauer zunächst eine Ausbildung als Berufsjäger, bevor er als Revierjäger tätig war. Nach dem Fachhochschulstudium in Weihenstephan übte er den Beruf des Diplom-Forstingenieurs in einem Mischbetrieb aus Holzhandel und Sägewerk auch praktisch aus.

Von Zeiten am See und mit Haslbergers Jagd

Seit 2006 lebt er nicht nur am Tegernsee, sondern fand zuerst in seiner Wiesseer Arbeitsstelle bei Franz Josef Haslberger als Jäger und Förster auch eine abwechslungsreiche Herausforderung.

Der Name seines Ex-Arbeitgebers ist mittlerweile ein Begriff im Tegernseer Tal. Haslberger ist Eigentümer verschiedener Anwesen, unter anderem des Traditions-Berggasthofs „Bauer in der Au“. Auch das Jagdgebiet rundherum gehört dem Freisinger Unternehmer. Wie berichtet, hegt er eine große Leidenschaft fürs Jagen. Für seine Passion soll er nach Aussagen von Jägern sein Revier im Tegernseer Tal inzwischen auf 500 Hektar vergrößert haben. Gerade macht er den Verantwortlichen in Kreuth zu schaffen.

Über Details seiner Tätigkeit bei Haslberger will Hupfauer nicht sprechen. Auch nicht, warum er seinen Arbeitsvertrag im Jahr 2012 gekündigt hat. Dann nämlich entschied er sich noch einmal zu einem beruflichen Wechsel und lernte alles rund um die Berufsfeuerwehr. Seit Oktober 2014 ist er in München angestellt und verdient dort „seine Brötchen“.

Den Kopf bei der Jagd

Rein räumlich ist er also vom Thema Jagd weit getrennt. Vom Kopf her jedoch oft nicht. Abschusshöhe, Verbissbelastung – solche Schlagworte sind es, die nicht nur Jäger und Waldbesitzer häufig mit sich herumtragen. Auch Hupfauer muss sich damit befassen. Jagdrecht und Jagdpflicht – diese beiden Begriffe in Balance zu bringen, scheint eine Kunst zu sein, an der auch Hupfauer noch arbeitet.

In Konflikte mischt er sich dabei nicht direkt ein. Er ist mehr beratend tätig. Dazu nimmt er auch an Ortsterminen und Besprechungen teil. Manchmal bekommt er eine Anfrage mit der Post, zu der er seine Stellungnahme abgeben soll. Das ausgewogene Verhältnis zwischen Waldwuchs und Wild ist das Ziel. Die Abschusszahlen sorgen häufig für heiße Diskussionen zwischen Waldbesitzern und Jägern. Pauschallösungen gibt es dabei nicht. Denn jedes Waldgebiet ist anders strukturiert, erläutert Hupfauer.

Situationen bewerten – Empfehlungen abgeben

In Kreuth und Rottach-Egern gebe es beispielsweise mehr Rotwild, das naturgemäß mehr Verbiss anrichtet als das in Waakirchen beheimatete Rehwild. Insgesamt gibt es 350.000 Jäger in Deutschland, knapp 50.000 davon in Bayern. Und manch einer – so die Kritiker – sieht es offenbar als gute Gelegenheit, die Naturerfahrung mit dem Nützlichen – der Erlegung eines schmackhaften Wildbrets – zu verbinden.

Ein hoher Rotwildbestand
Ein hoher Rotwildbestand führt oft zu Problemen.

In Deutschland ist das Jagdrecht seit 1850 an das Grundeigentum geknüpft. Und es darf nur in Jagdbezirken ausgeübt werden, deren zusammenhängende land- und forstwirtschaftlich nutzbare Fläche eine bestimmte Größe aufweist. Aber es besteht auch Jagdpflicht. Gewisse Arten von Wild müssen im Rahmen von Abschussplänen erlegt werden.

Das Schwarzwild bereite so manchem im Nordlandkreis Sorgen, so Hupfauer. Denn Wildschweine sind stark auf dem Vormarsch. Angelockt von Maisfeldern, vermehren sie sich in einem Maße, das nicht jeder gerne sieht.

Tobias Hupfauers Aufgabe ist es, solche Situationen zu bewerten und Empfehlungen abzugeben. Auch Abschusspläne nimmt er unter die Lupe. Zur Zeit befasst er sich mit den Veränderungen, wie in Zukunft ein körperlicher Nachweis eines geschossenen Wildbrets zu erbringen ist. Alles, um dem einen Ziel näher zukommen – einer sauberen Jagd und einem gesunden Wald.

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