Die Aufmerksamkeit auf den eigenen Betrieb lenken
Fachkräftemangel adé

von Redaktion

Die Arbeitslosenquote lag im März für Miesbach bei 3,3 Prozent. Zeitgleich gab es noch über 600 gemeldete, unbesetzte Arbeitsstellen. In den anderen Oberland-Kreisen sieht es da ganz ähnlich aus. Trotz der guten Beschäftigungszahlen suchen viele Betriebe noch verzweifelt nach qualifizierten Mitarbeitern. Es mangelt vor allem an Meistern und Fachwirten.

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Um die wenigen Fachkräfte in diesem Bereich nicht an die Konkurrenz zu verlieren, müssen die Betriebe vermehrt auf sich aufmerksam machen. Alleine eine Suche nach Fachkräften über regionale Online-Job-Plattformen ist oftmals nicht ausreichend.

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Aufmerksamkeit über regionale und überregionale Spendenkampagnen

Gleichzeitig werbewirksam und gut für das eigene Firmenimage ist die Teilnahme an sozialen Projekten oder Spendenkampagnen. Etwa 96 Prozent aller Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern nehmen bereits an sozialen Projekten teil, unter anderem um ihr Image aufzuwerten. Die Gefahr dabei ist, dass kleinere Unternehmen mit weniger Mitarbeitern hinten runterfallen und in ihrem Bekanntheitsgrad deutlich zurückstecken müssen. Dabei sind gerade kleinere Unternehmen bei vielen Mitarbeitern aufgrund einer Stärkeren Mitarbeiternähe beliebt. Oftmals besteht in diesen Betrieben ein familiäres Umfeld, in dem sich Mitarbeiter stärker selber einbringen und auch entfalten können.

Für kleinere Betriebe ist es daher ratsam ihre Bekanntheit in der Region zu stärken und auszubauen. Zu zeigen, dass einem die Region am Herzen liegt und die Bereitschaft besteht soziale Verantwortung zu übernehmen, stärkt die Identifikation der bereits vorhanden Mitarbeiter mit dem Betrieb und lenkt auch die Aufmerksamkeit potentieller neuer Fachkräfte auf sich.

Am meisten nützt es dem Betrieb, wenn dabei die eigenen Ziele und die Kampagne-Ziele übereinstimmen. Die Projekte müssen zu dem Unternehmensbild passen. Hilfreich zur Umsetzung ist es sich eines entsprechenden Leitfadens zu bedienen. Fragen wie, „soll die Kampagne regional oder überregional erfolgen?“ oder „wird das Unternehmen eher mit ökologischen, kulturellen, humanitären oder sozialen Aspekten in Verbindung gebracht?“ sind als erstes zu betrachten. Für einige Dienstleistung-, Handwerker-, Gast-, oder Hotelfachbetriebe macht es durchaus Sinn, die Bekanntheit auch über die eigenen Kreisgrenzen hinaus zu fördern.

Es sind allerdings noch weitere Aspekte einzubeziehen. Die Kosten müssen vorher gut abgeschätzt werden können und es muss Zeit eingeplant werden, die für Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit anfällt. Gleichzeitig ist es möglich, das eigene Netzwerk, wie Mitarbeiter, Kooperationspartner oder Kunden, an der Kampagne zu beteiligen. Sei es durch zusätzliche Hilfe bei der Suche nach weiteren Sponsoren oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda, die zum besseren Bekanntwerden der Kampagne beiträgt.

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Den eigenen Standort stärken

Neben dem höheren Bekanntheitsgrad und damit auch zu einem besseren Zugang zu zukünftigen Mitarbeitern gibt es auch noch indirekte Effekte, die dem Betrieb zugutekommen können.

Vor allem bei regionalen Spendenkampagnen, wird der eigene Standort gestärkt. Ein starker Standort ist auf Dauer attraktiv für Arbeitnehmer. Je höher das Angebot an sozialen und kulturellen Angeboten und je besser auch die Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, desto besser wird die Aufenthalts- und Lebensqualität vor Ort eingeschätzt. Auch hier zeigt sich, dass sich der Standort nicht an Kreisgrenzen festsetzen lassen muss. Schon vor zwei Jahren setzten sich die Mitglieder des IHK-Gremium Bad Tölz-Wolfratshausen-Miesbach dafür ein, dass die Landkreise Miesbach und Tölz-Wolfratshausen als gemeinsamer Wirtschaftraum gesehen und entwickelt wird, gerade auch im Bezug auf die Verkehrsinfrastruktur. Die Betriebe beider Regionen arbeiten schon seit Jahren erfolgreich für ein besseres Wohl der gesamten Region zusammen. Der Vorsitzende des IHK-Gremiums, Reinhold Krämmel, betonte dabei, dass gerade aus der „Heterogenität und Vielfalt der der Wirtschaft“ viele Synergien gezogen werden.

Für die aktuelle Regionalplanung, wird das gesamte Oberland einbezogen. Auch hier besteht die Möglichkeit der lokalen Unternehmen sich in zukünftigen Entwicklungen einzubringen. Ein wesentlicher Punkt bleibt weiterhin die Verkehrsinfrastruktur. Zudem werden im Rahmen des Regionalplans die Flächenressourcen verteilt und geregelt. Ebenso werden die Flächen vorgemerkt, die für Trinkwasser oder Hochwasserschutz wichtig sind, oder die für den Betrieb von regenerativer Energien, wie Windkraftanlagen vorgesehen sind.

Um die politischen Planungsprozesse in die richtigen Richtung zu lenken, und die für die Wirtschaftsentwicklung wichtigen Ziele zu setzen, sollten sich möglichst viele Unternehmen in den Prozess mit einbringen. Auch hieraus können Ideen für eigene oder auch gemeinsame Kampagnen entstehen, die zugleich für den Wirtschaftsstandort und die beteiligten Betriebe nützlich sind.

Fachkräfte aus der Ferne

Je größer der Bekanntheitsgrad und je besser das Image eines Betriebs sind, desto größer ist das effektive Einzugsgebiet potentieller Fachkräfte. Zum Teil werden die Fachkräfte extra aus anderen Ländern angeworben. So wie der Pflegenotstand im Medical Park St. Hubertus in Bad Wiessee nur über ausländische Mitarbeiter gelöste werden konnte, gibt es auch andere Unternehmen, die auf diese Lösung zurückgreifen müssen.

Allerdings sind hierbei bürokratische Hürden zu beachten: Die Abschlüsse der Absolventen müssen in Deutschland erst anerkannt und die Deutschkenntnisse müssen nachgewiesen werden. Aber nicht nur im Pflegebereich, auch in der Hotellerie ist die Orientierung auf Ausländische Fachkräfte, gerade im Hinblick auf zusätzliche Fremdsprachkenntnisse, interessant.

Im Rahmen des Flüchtlingszustroms ist zudem eine Verbesserung für die Besetzung von Lehrstellen zu erwarten. Da sich die meisten Schulabsolventen für eine Hochschulkarriere entscheiden, gibt es bei den klassischen Ausbildungsberufen einen Mangel an Lehrlingen. So gibt es seit einigen Monaten nach dem neuen § 17a des Aufenthaltsgesetzes, bessere Chancen für potentielle Fachkräfte aus Drittstaaten. Jugendliche dürfen demnach bei Beginn einer Ausbildung nicht mehr abgeschoben werden. Auch andere Fachkräfte aus Drittstaaten dürfen für 18 Monate nach Deutschland einreisen, um nötige Zusatzqualifikationen zu erwerben, die helfen, ihre eigenen Abschlüsse anerkennen zu lassen.

Doch unabhängig davon, ob Fachkräfte aus der Region oder aus einem anderen Land angeworben werden sollen, ist gerade in Bezug auf den angespannten Wohnungsmarkt, eine faire Vergütung einzukalkulieren. Gerade wer Wert auf gute Auszubildende legt, muss diesen auch die Grundlage dafür bieten, in die Nähe des eigenen Betriebs ziehen zu können.

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Weitere Möglichkeiten für mehr Aufmerksamkeit

Neben einem Engagement in sozialen, kulturellen oder ökologischen Projekten gibt es weitere Möglichkeiten für Betriebe, die Aufmerksamkeit von Fachkräften zu erlangen. In allen Fällen ist die Vernetzung dabei die wichtigste Voraussetzung.

Regional bietet es sich an, eventuell auch in Zusammenarbeit mit der IHK, Informationsveranstaltungen zu wichtigen rechtlichen oder fachlichen Themen durchzuführen. Natürlich müssen es die betrieblichen Strukturen mit sich bringen, dass einiges an Zeit in die Planung und Durchführung solcher Veranstaltungen gesteckt werden kann. Zusätzlich muss ebenso das fachliche Know-How vorhanden sein, entweder durch interne Mitarbeiter oder durch externe Referenten die auf ihrem Gebiet bekannt sind. Durch solche Veranstaltungen entstehen wichtige Kontakte zu zukünftigen Kooperationspartnern, Kunden und auch potentiellen Mitarbeitern.

Für Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe besteht auch die Möglichkeit an entsprechenden Fachmessen teilzunehmen. Als Teilnehmer auf einer Fachmesse lässt sich direkt mehrfach profitieren. Es besteht hier die Gelegenheit den eigenen Betrieb inklusive der vorhandenen Qualifikationen optimal zu präsentieren. Zeitgleich gibt es auch durch andere Fachaussteller jede Menge Neues zu lernen und zu erfahren. Es können Kontakte geknüpft werden und möglicherweise findet der ein oder andere unter den Ausstellern auch einen kompetenten zukünftigen Mitarbeiter, der von den Vorzügen des eigenen Betriebs überzeugt werden konnte.

Als eine weitere Option gibt es die Ausbildungs- und Jobmessen. Dies ist einer der klassischsten Wege, um direkt mit potentiellen Fachkräften in Kontakt zu treten. Allerdings auch einer mit der größten direkten Konkurrenz, da alle dortigen Betriebe in erster Linie wegen der Suche nach neuen Potentialen vor Ort sind. Die Jobmessen finden regelmäßig in den größeren Städten statt, sie dienen daher hauptsächlich der überregionalen Suche nach Fachkräften. Ein Überblick über alle Termine der nächsten vierzehn Monate finden sich hier. Allerdings werden auch immer wieder mal von der Bundesagentur für Arbeit lokale Jobmessen in den Oberland-Landkreisen angeboten.

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